Elektronica-Duo Lumae: Von der Ästhetik in Traumwelten

Das Luzerner Elektronica-Duo Lumae zeigt sich auf seiner Debütplatte äusserst experimentierfreudig.

Stefan Welzel
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Alexander Graf (links) und David Stadelmann sind Lumae.

Alexander Graf (links) und David Stadelmann sind Lumae.

PD

Der Grad der Verspieltheit einer Band lässt sich nicht immer gleich nach dem Hören der ersten paar Töne erkennen. Und manchmal wird man gar schnell enttäuscht von allzu konformer Kreativität. Ebensolches kann man von der jungen Elektronica-Band Lumae aus Luzern ganz bestimmt nicht behaupten. Das Duo besteht aus David Stadelmann (Keyboards, Gitarre, Drums, Gesang) und Alexander Graf (Keyboards, Drums, Gesang). Vor rund drei Jahren haben sich die beiden Musiker an der Hochschule Luzern kennen gelernt, nun geben sie als Lumae ihre erste EP mit dem Namen «Thoughts» heraus.

Die fünf neuen Stücke ergeben eine dichte Sammlung äusserst reich ausgeschmückter Arrangements, die von schnörkellosem Lo-Fi-Hip-Hop über Ambient und Pop bis zu Blues-Elementen reichen. Graf und Stadelmann erzeugen dabei sphärische Kosmen, in die man auf Grund der Kürze der Songs leider nicht allzu lange eintauchen kann. Gerade in der Eröffnung «White Smokker» möchte man gern etwas mehr davon, wenn Stadelmann sein virtuoses Gitarrenspiel über das elektronische Klangbett legt. Die dezidiert und sparsam eingesetzten Beats harmonieren gut mit den souligen Gesangseinlagen. Schnell merkt man: Hier leben zwei Künstler eingangs erwähnte Verspieltheit aus. Das geht in «Insane» und «Bad Decisions» nahtlos so weiter, treibt manchmal gar wilde Blüten, die aber nie ins Abstrakte abwandern.

Leichtfüssige Melancholie

Harmonisches wird dabei immer wieder gebrochen, um sich in leichtfüssiger Melancholie aufzulösen. So bildet der Zweiteiler «D.A.R.K.M.I.N.D.» den passenden Abschluss. Hier verströmen Graf und Stadelmann einen Hauch von Konzeptalbum, wenn engelhafter Gesang zu Synthie-Loops das Finale einläuten. In diesem findet sich der Zuhörer tief versunken in süssen Ambient-Wolken wieder, die Lumae in ein tolles Crescendo einwickeln. Und so findet die verzaubernde Ästhetik von Lumaes musikalischen Traumwelten ihren fast etwas kitschigen, aber durchaus gekonnten Höhepunkt.

Liebhaber und Liebhaberinnen experimentierfreudiger Elektronica kommen mit «Thoughts» auf ihre Kosten. Wer die eindeutige und stringente Aussage eines bestimmten Genres aus der Welt der elektronischen Musik bevorzugt, sieht seine Hörgewohnheiten ziemlich herausgefordert. Doch das darf so sein, und spricht für Qualität. Ein Wermutstropfen: Die mit technischen Hilfsmitteln verzerrten Stimmen gehören heutzutage anscheinend zwingend zum Repertoire junger Musiker, egal wie talentiert sie sind. Als Elektronica-Combo sei das Lumae aber verziehen.

Lumae: «Thoughts», Veröffentlichungstermin: 3.April (via Quartz Records); geplante EP-Taufe: 21.Mai, Konzerthaus Schüür.