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St. Galler Festspiele:
Von der Schlange hingerissen

«Vom Winde verweht» war wohl eines der ungewöhnlichsten Festspielkonzerte der letzten Jahre. Zink, Serpent und eine Orgel auf dem Schoss führten in der Stiftsbibliothek in feinste Renaissancemusik und in runden Jazz – mit fliessenden Übergängen.
Martin Preisser
Der Musiker Michel Godard mit einem Serpent. (Bild: Michel Canonica)

Der Musiker Michel Godard mit einem Serpent. (Bild: Michel Canonica)

Wie ein junger Python sieht es aus, das Serpent. Spontan wollte das Publikum vorgestern in der fürs Programm bestens passenden Stiftsbibliothek nach dem Konzert etwas über die Instrumente erfahren, die zum Einsatz kamen. Neben dem Serpent waren es der Zink, ein Tierhorn, eine Mini-Orgel, die locker auf dem Schoss des Spielers ruhte, und eine E-Gitarre. Solche zeitlos magischen Klänge hat man an den Festspielen wohl selten gehört.

Unmittelbare und geheimnisvolle Musik

Sie wurden mit wunderbarer Ruhe und Natürlichkeit erzeugt. Ein traumwandlerisches Hineingleiten und Einfädeln in ferne Renaissancewelten wie in eigene Improvisationen gelang dem bekannten französischen Jazzmusiker Michel Godard mit den beiden Alte-Musik-Spezialisten William Dongois und Freddy Eichelberger. Die Musiker schienen jeden Augenblick des gerade entstehenden und wieder weiter getragenen Klangs zu geniessen. Eine so ferne wie nahe, so geheimnisvolle wie unmittelbare Musik entfaltete sich zwischen den alten Bücherschränken.

Klänge von behutsamer, zarter Emotionalität

Michel Godard sagt, ein heutiger improvisierender Musiker käme einem Renaissancemusiker sehr nahe. Genauso nahe waren die drei Musiker, die alle durch eine konzentrierte Intonation und Klanggestaltung auffielen, mit ihrem Jazz und den wundersamen Fantasien der flämischen Renaissance. Und es gelangen besonders intensive Momente, als sie die Wege vom Jazz ins 15. Jahrhundert und unmerklich wieder zurück ins Jetzt gingen. Die Renaissancemusik von Pierre de la Rue, von Johannes Ocheghem, Jacob Obrecht und Guillaume de Machaut wirkte in ihrer Emotionalität zart, immer wie mit behutsamer Hand komponiert.

So fein tasteten sich auch die drei Ausnahmemusiker an diese Welten heran. Herrlich klar geführt von William Dongois der Zink, ein Hybrid zwischen Trompete und Oboe. Extrem wandlungsfähig der Klang des schwer sauber zu intonierenden Serpents, dem Bassinstrument der Zinkfamilie. Michel Godard verwandelte diese wundervolle Schlange in eine Tuba, in ein Saxofon, aber auch in ein Didgeridoo. Genauso beeindruckend war es, wie Freddy Eichelberger die Töne des Organetto und William Dongois den Zink zu modulieren verstand.

«So hallt die Musik der Vergangenheit auch heute noch nach und ist Musik unserer Gegenwart.» Dieses Statement von Michel Godard setzten die drei Musiker eins zu eins um und schenkten den ganz Ohr lauschenden Besuchern spezielle Hörgenüsse der ganz seltenen Art.

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