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Von der Schlange zum Schmetterling: Taylor Swift ist erwachsen geworden

Taylor Swift ist erwachsen geworden. Der Popstar positioniert sich politisch und versöhnt sich mit seinen Dauerfeinden.
Steffen Rüth
Taylor Swift hat sich zu einer mündigen Person gewandelt. Das steht ihr gut. Quelle: Getty Images

Taylor Swift hat sich zu einer mündigen Person gewandelt. Das steht ihr gut. Quelle: Getty Images

Wie wäre es, wenn Taylor Swift ein Mann wäre? «I’d be a fearless leader. I’d be an alpha type», singt sie in «The Man», sie würde als furchtlose, mutige Visionärin und als Alpha-Männchen gelten. «Alle meine Entscheidungen, meine Fehler, meine Erfolge würden anders betrachtet, wenn ich keine Frau wäre», sagte die 29-Jährige im Gespräch über den Song. Taylor Swift äussert sich heute dezidiert feministisch. «Endlich», möchte man ihr zurufen, aber nicht zu spät.

In einer Welt, in der einiges ins Wanken geraten ist, setzt der Superstar wichtige Pflöcke. Taylor Swift präsentiert sich als mündige, meinungsstarke Bürgerin. Eine spannende Entwicklung. So lässt sie etwa im Video zum aktuellen Hit «You Need To Calm Down» bekannte Gesichter aus der nichtheterosexuellen Gemeinde (LGBTQ+) auftreten. Wer es also bisher noch nicht geschnallt haben sollte, weiss spätestens jetzt: Swift, in Nashville eher in eine etwas konservative Welt hineingeboren, ist gegen jede Form der Diskriminierung und für Gleichberechtigung in allen Belangen.

Im letzten Jahr verdammte sie die republikanische Senatskandidatin aus Tennessee, Marsha Blackburn, als diese sich im Wahlkampf geringschätzig über nichtheterosexuelle Partnerschaften äusserte. Donald Trump schimpfte daraufhin auf Twitter, nun möge er Swifts Musik um 25 Prozent weniger, also allerdings immer noch ganz schön gern. Dabei stand sie lange im Verdacht, eine unausgesprochene Trump-Anhängerin zu sein. Was nicht zutrifft. Sie hatte es nur vermieden, vielleicht auch versäumt, klar Stellung zu beziehen.

Taylor Swift hat Macht. In den USA noch deutlich mehr als in Europa. Mehr als 120 Millionen Menschen folgen ihr auf Instagram. Was sie sagt, hat Gewicht. Und stärker noch als progressive Künstlerinnen wie Lady Gaga hat Swift auch Einfluss auf jene Klientel, die nicht urban-modern lebt und denkt. Gerade weil sie selber aus diesem Umfeld stammt. Schliesslich hat dieses Mädchen früher Countrymusik gemacht. Als ihr das Country-Korsett zu eng wurde und sie anfing, auf ihren Alben «Red» (2012) und «1989» (2014) den Pop zu umarmen, hat sie ihre Fan-Gemeinde mitgenommen und erweitert.

Schon vor #MeToo-Debatte gegen Missbrauch gewehrt

Dabei wurde Taylor Swift lange belächelt. Als hoch aufgeschossenes, putziges Wunderkind mit emotionalen, niedlichen Songs. Wäre Taylor Swift ein Mann, hätte man ihn für seine Emotionalität gefeiert. Denn ihre Texte basieren oft auf Tagebucheinträgen, was ihre Musik verletzlicher und roher machte als all die anderen Hits, die in Songwritingfabriken in L. A. oder Nashville zusammengeschustert werden. Seit ein paar Jahren lässt sie sich nichts mehr gefallen und hält sich nicht mehr höflich zurück. Schon ein Jahr vor #MeToo siegte sie vor Gericht gegen einen Radio-DJ, der sie bei einem gemeinsamen Foto befummelte.

Nach 200 Millionen verkauften Alben und mehreren Rekordtourneen steht Swifts Vermögen bei geschätzten 325 Millionen US-Dollar. Auf ihrem neuen Album «Lover» räumt Taylor Swift nun auf. Sich selbst, ihr Leben, ihre Karriere. Wohl endgültig hat sie einen Schlussstrich unter die Dauerfehde mit Kanye West und seiner Frau Kim Kardashian gezogen. Im pastellfarbenen Video zur ersten Single «ME!», einem etwas überdrehten Bubblegum-Pop-Duett mit Brendan Urie von der Band Panic At The Disco!, verwandelt sich die Schlange in einen Schmetterling. Im Clip zu «You Need To Calm Down» inszeniert sie die Versöhnung mit Kollegin Katy Perry. Irgendwie wusste keine der beiden mehr so richtig, warum sie sich eigentlich mal zerstritten hatten.

Die Botschaft hinter der Umarmung (Swift als Fritten, Perry als Burger): Frauen, lasst das sein mit dem Konkurrenzdenken. Seid solidarisch. Wir sind es auch. Hervorstechendstes Merkmal der Swift’schen Häutung indes ist die Innigkeit und Offenheit, mit der sie über ihre Liebe zu dem britischen Schauspieler Joe Alwyn spricht. Hielt sie sich in privaten Dingen früher bedeckt und sang höchstens über Beziehungen, die schon wieder zu den Akten gelegt waren, so sprudelt das Verliebtsein jetzt förmlich in Versform aus ihr heraus. Swift selbst sagt: «Das Album ist ein Liebesbrief an die Liebe in all ihrer Glorie.»

Musikalisch ist «Lover» ein gefühlsintensiver Genuss. Der alte Country-Einfluss drückt wieder durch. Spärlich instrumentiert mit Drums und Piano, produziert mit ihrem langjährigen Arbeitsfreund Jack Antonoff, hört sich die Nummer nackt und nahbar an. Schon fast wie alternative Künstlerinnen wie Feist oder St. Vincent. Am 13. Dezember wird Taylor Swift 30 Jahre alt. Den runden Geburtstag wird sie als erwachsene Frau zelebrieren.

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