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Von Heldengeschichten und Helden auf der Bühne

Es ist ein Frühlingskonzert wie es im Märchenbüchlein steht: Der erfolgreiche Schweizer Pianist Oliver Schnyder überzeugt durch seine Energie und seinen mitreissenden Gestaltungswillen.
Roman Kühne
Der Pianist Oliver Schnyder mit der Südwestdeutschen Philharmonie. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 31. März 2019)

Der Pianist Oliver Schnyder mit der Südwestdeutschen Philharmonie. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 31. März 2019)

Vielleicht hatten sie das letzte Mal einfach einen schlechten Abend. Vielleicht ist es aber doch der Dirigent, der den Unterschied ausmacht. Tatsache ist, dass die Südwestdeutsche Philharmonie vor einem Jahr mit ­Johannes Brahms im KKL nur mässig überzeugen konnte. An diesem Sonntag mit einem Programm von Mendelssohn spielen sie da ganz anders auf.

Unter der Leitung von Kevin Griffiths, der an gleicher Spielstätte schon mit dem Luzerner Sinfonieorchester oder dem Collegium Musicum Basel gastierte, musiziert das Orchester frisch und frei. Dies ist sicherlich auch dem Programm geschuldet. Entspricht die Grösse und das Klangvolumen der Philharmonie doch eher den tänzerischen Stücken eines Felix Mendelssohn, denn dem Schweremut der Brahms’­schen Sinfonien.

Breite Palette an Farben

Zum Start erklingt die attraktive Konzertouvertüre «Die Hebriden». Der Musik zugrunde liegt ein Besuch von Felix Mendelssohn der Fingalshöhle auf den Inneren Hebriden. Diese meerumschäumte, von Säulen bewachte Grotte inspirierte auch andere Künstler, wie den Maler William Turner oder den Schriftsteller ­Jules Verne zu ihren bahnbrechenden Formen. Kevin Griffiths interpretiert das Heldenspiel luftig und inspiriert. Ruhig und elegant ist der Auftakt. Sinnlich und aus einer Bewegung öffnet sich das Orchester. Die verschiedenen Lautstärken werden lebendig und detailliert ausgestaltet. Mit warmem Klang und einer breiten Palette an Farben zeichnen die Musiker die Geschichte. Ein luftiger Frühlingsspaziergang über die duftende Blumenwiese.

Seiner Begeisterung für Schottlands mystische Welt, oder das was die Engländer dafür hielten, bringt der Komponist ebenfalls in seiner schottischen Sinfonie zum Ausdruck (Nr.3). Auch hier überzeugt das Orchester und ihr Dirigent mit einer agilen und transparenten Interpretation. Im Forte und den lauten Akzenten manchmal etwas massig sind es vor allem die intimen Abschnitte, ein federnder Wind, wo die Musik in ihrer schönsten Blüte erklingt.

Üppiger und satter Anschlag

Der Gipfel des Abends ist jedoch der Auftritt von Oliver Schnyder (45). Der Künstler ist momentan einer der erfolgreichsten Pianisten der Schweiz. Erst vor einem Jahr hat er mit dem Luzerner Sinfonieorchester die Klavierkonzerte von Beethoven aufgenommen. An diesem Abend spielt er das Pianokonzert in a-Moll von Edvard Grieg, das einzige von diesem vollendete Konzertwerk. Und ist es vorher die Geschichte, die den Helden macht, so ist es jetzt Oliver Schnyder, der sich dem Stück wie ein Bezwinger ­nähert. Von Anfang an drückt er dieser nordländischen Musik seinen starken Stempel auf. Bestimmt und sicher, ja gar dominant steigt er in den wuchtigen Auftakt. Üppig und satt ist sein Anschlag. Selbst das langsame Adagio bringt er mit Wucht und klarer Zeichnung, drängt energiegeladen und bestimmt durch den letzten Satz.

Zwar verschleiert der häufige Pedaleinsatz in den lauten Stellen etwas die Struktur, fehlt dem Stück teils das träumende Element eines Rubinsteins – auch er ein im Wuchtigen eher männlicher Spieler. Doch Oliver Schnyders eigene Energie, sein Gestaltungswille reisst mit und packt. Ein Höhepunkt ist seine elektrisierende Kadenz.

Livesound zum «Terminator»

Die organisierende City Light Concerts brachte nicht nur am Sonntag dieses «Frühlingskonzert» auf die Bühne, sondern ­bespielte mit «Terminator» und dem entsprechenden Livesound schon am Samstag ein ganz anderes Publikum. Hintergrund dieses breiten Stilspektrums ist wohl, dass sich der Konzert­veranstalter Pirmin Zängerle breiter aufstellen möchte. Denn seit der Trennung vom 21st Century Orchestra ist es ­ungeklärt, wie in Zukunft die Konzert­termine für Filmmusikprojekte verteilt werden (wir berichteten).

Das KKL ist aktuell daran, die beiden Verträge ab Sommer 2019 mit den City Lights Concerts und Alegria (als Veranstalter des 21st Orchestras) zu finalisieren. Und es ist wohl absehbar, dass der Filmkuchen dann gleichmässiger verteilt wird, da das KKL nicht zusätzliche Filmtermine anbieten will. Und solche machen tatsächlich wenig Sinn, betrachtet man die teils mässige Auslastung der letzten Filmkonzerte.

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