Von Schneeflocken zur Frohbotschaft

Der Kammerchor Luzern begeisterte wie gewöhnlich mit einem ungewöhnlichen Programm.

Fritz Schaub
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Mit rund 50 Sängerinnen und Sängern ist der Kammerchor Luzern eigentlich kein solcher. Aber wie der Leiter Benjamin Rapp auf einen transparenten und doch warmherzigen Ton zielt, ist durchaus kammermusikalisch. Am jüngsten Adventskonzert in der vollen Matthäuskirche gab es Beifall am laufenden Band bis hin zu rhythmischem Klatschen.

Dabei waren es nicht bekannten Weihnachtslieder, welche die Begeisterung entfachten, sondern Novitäten und ­unbekannte Raritäten. Auch das passt zur Maxime des Chors. Das Eingangswerk stammt aus dem ersten Vers des Gedichts «Snowflakes» des einst populären US-Dichters H. W. Longfellow (1807–1882), das durch die Vertonung seines Landsmanns Nico Muhly ein zeitgemässes Klanggewand erhalten hat. Der Winter kann zauberhaft sein, aber auch trostlos, so jedenfalls in dem Longfellow-Gedicht und dessen Vertonung unter dem Titel «Whispered and revealed». Doch primär stand die Frohbotschaft von der Geburt des Jesuskindes im Mittelpunkt – in englischer, französischer, norwegischer Sprache, zweimal sogar in Mundart, in Rätoromanisch und im Muotathaler Dialekt.

Besonders anheimelnd wirkte das «Die heilige Dreikönige» im schlichten Satz von Hansruedi Willisegger (84), legendärer Gründer der Luzerner Singer. Ein weiterer einheimischer Komponist war mit Carl Rütti und dessen erstem Beispiel aus den «Three carols» vertreten – vom verwandlungsfähigen Chor so stilistisch adäquat wie klangvoll gesungen. Judith Müller (Violine) und Vera Schnider (Harfe) begleiteten sehr anpassungsfähig und beeindruckten auch solistisch: die Geigerin mit Jules Massenets «Méditation», die Harfenistin mit «Interlude» aus «A Ceremony Of Carols» von Benjamin Britten.