Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Débuts Lucerne Festival: Von südkoreanischen Leuchtfeuern und spanischem Temperament

Auch in den drei letzten Débuts mit Cello, Violine und Streichquartett überzeugten die jungen, fortgeschrittenen Talente am Lucerne Festival.
Gerda Neunhoeffer
Fulminant und dynamisch: das südkoreanische Esmé Quartet gestern in Luzern. (Bild: Patrick Hürlimann/LF)

Fulminant und dynamisch: das südkoreanische Esmé Quartet gestern in Luzern. (Bild: Patrick Hürlimann/LF)

Vorschusslorbeeren haben sie alle, die Künstler der diesjährigen Débuts. Sie haben schon in den grossen Konzertsälen der Welt gespielt und renommierte Wettbewerbe gewonnen. Nun erlebt man sie in der Lukaskirche in Luzern, die weder durch besondere Schönheit noch durch bestechende Akustik glänzt. Da spielt man ohne Netz und doppelten Boden, man ist den Zuhörern extrem nahe und hört jedes kleine Knarzen der Bänke.

Und wie unterschiedlich die jungen Musiker Kontakt mit dem Publikum aufnehmen: Die Saxofonistin Jess Gillam (Début 2) spielte jeden Ton direkt zu den Zuhörern und teilte ihre Freude an der Musik sichtbar mit. Oder der spanische Cellist Pablo Ferrández (Début 5), der fast sein ganzes Programm mit geschlossenen Augen spielte und dennoch begeisterte.

Vier wie aus einem Instrument

Einen fulminanten Abschluss der Débuts gab es gestern mit dem Esmé Quartet. Die vier Südkoreanerinnen haben sich erst beim Studium in Deutschland kennen gelernt und 2016 zum Streichquartett formiert. Sie spielen fulminant, dynamisch extrem, vom leisesten Piano bis in mehrfaches Forte, dabei wie aus einem Instrument. In Felix Mendelssohns letztem Quartett f-Moll op. 80 gehen sie dem Schmerz des Komponisten über seine eben verstorbene Schwester bis in letzte Tiefen nach.

Dass Franz Schuberts Zeitgenossen seinem Quartett G-Dur D 887 wenig Verständnis entgegenbrachten, wird in der Interpretation der vier Musikerinnen geradezu greifbar. Ihre meerfarbenen Kleider zeichnen schimmernde Klänge optisch nach, ihr Spiel lässt Schuberts innere Zerrissenheit in den gebrochenen Akkorden, den vielen Tremoli und ständigen Wechseln plastisch entstehen. Cellistin Ye-eun Heo zeichnet die Kantilenen im Andante wunderbar gesanglich; Wonhee Bae, erste Violine, betört mit leuchtenden Tönen, Yuna Ha, zweite Violine, und Jiwon Kim spielen jede Nuance farbig aus. Sie scheuen weder scharfe Akzente noch dramatische Steigerungen. Nach Schuberts heftig wandernden Harmonien klingt die Zugabe, Schumanns «Träumerei», lieblich und sanft.

Die südkoreanische Geigerin Bomsori Kim spielte am vergangenen Dienstag mal auswendig, mal hatte sie das Notenpult vor sich, aber es machte keinen Unterschied: sie war dem Publikum zugewandt, sie tänzelte hin und her, manchmal schien sie wie eine Raubkatze in die Töne zu springen, dann wieder streichelte sie die Klänge aus ihrer Violine heraus. Ihr Begleiter Michail Lifits war leider in Schumanns Violinsonate Nr. 1 a-Moll manchmal zu laut. Dabei hat er alles an Technik und Flexibilität zur Verfügung, was es braucht. Kims Ton ist warm und samten in der Tiefe, strahlend in der Höhe bis ins Flageolett. Mit virtuoser Leichtigkeit spielte sie Prokofjews Violinsonate Nr. 2 D-Dur op. 94a, die Carmen-Fantasie von Franz Waxman gestaltete sie opernhaft verführerisch.

Pablo Ferrández überzeugte am Donnerstag letzter Woche mit geschmeidigem, sensiblem Klang, wobei sein Vibrato, vor allem in «Kol Nidrei» von Max Bruch, sehr stark war. Dass er mit dem Rücken zu seinem Begleiter Luis del Valle sass, war ungewöhnlich; dennoch spielten sie sehr genau und stimmig zusammen.

Kräftige Klangfarben

In der Cellosonate d-Moll op. 40 von Dimitri Schostakowitsch spürten sie den wechselhaften Stimmungen so intensiv nach, dass die vielen Zuhörer atemlos lauschten. Und die Sonate A-Dur von César Franck interpretierten Ferrández und del Valle romantisch und transparent. Mal spielten sie pastellfarben wie in einem impressionistischen Gemälde, dann wieder trugen sie kräftige Klangfarben auf. Aber erst in der Zugabe, «Nana» von Manuel de Falla, zeigten beide ihr spanisches Temperament ungefiltert. Fazit: Es gab sieben eindrucksvolle Débuts, die unterschiedlicher nicht hätten sein können.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.