WALCHWIL: Ihre Musik lässt keinen kalt

Beim «Bärgfäscht» gibt es am Samstag zum ersten Mal ein Früh­schoppenkonzert. Für gute Stimmung sorgen dabei auch zwei Heimweh-Walchwiler.

Merken
Drucken
Teilen
Volksmusik, aber nicht solche aus der Schweiz: Die Jauks lassen steirische Klänge ertönen. (Bild: Christian H.Hildebrand)

Volksmusik, aber nicht solche aus der Schweiz: Die Jauks lassen steirische Klänge ertönen. (Bild: Christian H.Hildebrand)

Marco Morosoli

Wenn die Jauks loslegen, hört mit Bestimmtheit jeder hin. Das dürfte auch am kommenden Samstag nicht anders sein. Das Quartett, bestehend aus Hans Jauk (74), Isabelle Häusler-Jauk (48), Gerry Zöchbauer (50) und Franz Scherzer (73), spielt beim Frühschoppen des 50. Walchwiler Bergfestes auf (siehe Box). Die Freude an der Musik überträgt sich auf die Zuhörer. Mehr noch: Sie animiert die Anwesenden, sich im Takt ihrer Lieder zu bewegen. Die Stilrichtung: Steirische Volksmusik. «Aber wir spielen auch Oberkrainer», sagt Hans Jauk. Er ist vor fünfzig Jahren aus dem österreichischen Bundesland in die Schweiz oder besser nach Walchwil gekommen. Hans Jauk wohnt zwar, wie seine Tochter, mittlerweile nicht mehr im Kanton Zug, doch kommt er immer wieder gerne in die Region zurück, in der er so viele Jahre verbracht hat. Und es gibt auch noch andere Wurzeln: Noch immer arbeitet Hans Jauk bei der Zugersee-Schifffahrtsgesellschaft, während Isabelle Jauk-Häusler in Cham einen Coiffeursalon führt.

Den richtigen Mix gefunden

Die Jauks wissen, wie sie das Publikum auf ihre Seite ziehen können. Isabelle Häusler-Jauk sagt: «Freude an der Musik ist das beste Doping.» Ein Konzert werde dann gut, wenn zwischen der Gruppe und den Zuhörern «der Funke hin und her springt». Selbstbewusst sagt Isabelle Häusler-Jauk denn auch: «Suchst du Stimmung, dann bist du bei uns an der richtigen Adresse.» Doch die 48-Jährige überzeugt nicht nur durch ihr gekonntes Spiel mit der Klarinette und den Gesang. Ihr herzhaftes Lachen sorgt ebenso dafür, dass es in ihrer Umgebung nie langweilig wird.

Beim «Powern» wird Isabelle Häusler Jauk durch eine Gitarre (Franz Scherzer), eine steirische Harmonika (Hans Jauk) und ein Bariton (Gerry Zöchbauer) unterstützt. Die Musik der Jauks unterscheidet sich und das hörbar – von Schweizer Volksmusik. Das Schwyzerörgeli wird durch die steirische Harmonika ersetzt, die sogenannte Quetsche. Statt eines Kontrabasses gehört zu der Musik aus der Steiermark das Blasinstrument Bariton. Deshalb sagt Franz Scherzer: «Müsste ich bei einer Ländlerkapelle aushelfen, würde dies nicht gehen.» Muss auch nicht sein. Den Leuten gefallen die Weisen, welche die Jauks spielen. Das zeigt schon ihre ­volle Agenda. Da würden schon mal die Proben ausfallen.

Erstaunlich ist aber noch etwas anderes: Das Quartett, das heute seinen Stammsitz im Säuliamt hat, kann aus einem Repertoire von 150 Musikstücken schöpfen und spielt alle ohne Noten. Gerry Zöchbauer, der einst als Profi unterwegs war, sagt: «Wenn ich ein Musik­stück einmal höre, kann ich es hinterher spielen.» Immerhin sagt Isabelle Häusler-Jauk: «Die Texte habe ich auf Papier.» Wer die Jauks hört, kann auch Musikstücke wünschen. Und sie müssten selten passen, sagt Hans Jauk stolz. Einer ihrer Renner, den sie fast überall spielen müssen, ist «Steirer Man sin very good». Dieses Stück ist einst für den bekanntesten Steirer, Arnold Schwarzenegger, geschrieben worden. Dieser überzeugt nicht nur als Action-Star in Hollywood, sondern war bekanntlich auch einmal Gouverneur des US-Bundesstaates Kalifornien.

Für den Marathon gerüstet

Ein Markenzeichen der Jauks ist auch ihr Stehvermögen. «Wir spielen manchmal bis zu sechs Stunden», sagt Hans Jauk. Da handelt es sich bei ihrem Auftritt beim Buschenchappeli ja um ein «kurzes» Konzert. Es soll nur vier Stunden dauern. Hans Jauk erinnert sich noch an ein Mammut-Konzert: «Da haben wir 17 Stunden gespielt. Hinterher waren wir ziemlich durch den Wind.»

Gefordert waren sie auch, als sie vor ein paar Jahren im Hofbräuhaus in Las Vegas vor internationalem Publikum aufspielen durften. Und bald folgt der nächste internationale Auftritt. Sie haben sich für die Schweiz einen Startplatz am Alpen-Grand-Prix in Meran «erspielt». Dieser findet am 16. Oktober statt. Ihr Lied, mit dem sie möglichst weit nach vorne kommen wollen: «Die Schweiz hat ihren Reiz.»

«Entzugserscheinungen»

Und ans Aufhören denkt keiner im Quartett: «Nach zwei Wochen ohne Auftritt haben wir Entzugserscheinungen.» Diese würden wohl auch ihre Fangemeinde haben, die rund 100 Mitglieder zählt. Der eine oder andere dürfte auch den Weg auf den Walchwilerberg finden.