Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

WALZER: Der erste Schlager

Der berühmteste Walzer der Welt, der Donauwalzer, wird heuer 150 Jahre alt. Johann Strauss Sohn komponierte einen Evergreen, der bis heute als heimliche Hymne Österreichs gilt.
Rudolf Gruber/Wien
Tänzer am traditionellen Opernball in Wien. (Symbolbild) (Bild: AP Photo/Herwig Prammer, Pool)

Tänzer am traditionellen Opernball in Wien. (Symbolbild) (Bild: AP Photo/Herwig Prammer, Pool)

Rudolf Gruber/Wien

kultur@luzernerzeitung.ch

Zum Auftakt des Gesprächs spielt Helmut Reichenauer auf einem Stelzhammerflügel, Baujahr 1890, ein paar Takte des Donauwalzers. «Es ist ein absolutes Meisterwerk», schwärmt der Direktor vom «Museum der Johann Strauss Dynastie» in Wien. Der Musikwissenschaftler und Historiker spricht von einer «künstlerisch einzigartigen Kette von fünf Walzern, in Rhythmik und Harmonik ein vollendeter, zeitloser Hörgenuss».

Den korrekten Titel «An der schönen blauen Donau» (op. 314) verwenden die Österreicher kaum, es ist einfach der Donauwalzer. Doch beim Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker wird der Evergreen geradezu liturgisch zelebriert. Gleich nach den ersten, kaum hörbar tremolierenden Geigentönen, die im Kopf das Bild einer flimmernden Wasseroberfläche erzeugen, erzwingt das Publikum im prunkvollen Wiener Musikvereinssaal applaudierend eine Pause. Gelegenheit für den Gastdirigenten – dieses Jahr war es der charis­matische Venezolaner Gustavo ­Dudamel –, zusammen mit den Philharmonikern «Prosit Neujahr!» zu wünschen.

Katastrophenstimmung in Luft auflösen

Stimmungsvoller lässt sich ein neues Jahr kaum begrüssen. Das empfinden anscheinend auch rund 50 Millionen Menschen in aller Welt, die dem Neujahrskonzert via Fernsehen und Radio lauschen. Es mag wohl an den selig machenden Straussklängen liegen, die immer wieder die Katastrophenstimmung des alten Jahres in Luft auflösen und das neue mit Hoffnung und Heiterkeit erfüllen. Sollte der Donauwalzer – neben dem Radetzkymarsch – einmal nicht den Schluss des Neujahrskonzerts krönen, hätte es auch nicht stattgefunden, dann müsste gleichsam die Welt untergegangen sein.

Tatsächlich herrschte zur Geburtsstunde des berühmtesten Walzers der Welt Anfang 1867 Untergangsstimmung im Habsburger Imperium. Wenige Monate zuvor, im Sommer 1866, war der sinnlose, äusserst blutige Krieg gegen Preussen verloren gegangen. Kaiser und Untertanen sehnten sich nach der blamablen militärischen Niederlage in der Schlacht nahe dem böhmischen Königgrätz nach Aufmunterung.

Schon seit einiger Zeit hatte Johann Strauss Sohn (1825–1899) dem Wiener «Männergesang-Verein» ein neues Werk versprochen. Der Walzerkönig legte eine Komposition in zweifacher Ausfertigung vor, die später als Donauwalzer Furore machte. Die Uraufführung der Chorfassung am 15. Februar 1867 im Wiener Dianabad-Saal wurde zwar «begeistert aufgenommen», so Reichenauer, aber ein durchschlagender Erfolg war es nicht. Auch die Erstaufführung der Orchesterversion (ohne Chor) wenige Wochen später im Wiener Volksgarten blieb bloss ein Einzelereignis.

Strauss reagierte wütend: «Den Walzer mag der Teufel holen …» Es lag auch am ursprünglichen Liedtext, der nichts mit der Donau zu tun hatte. Josef Weyl, Hausdichter des Männergesang-Vereins, hatte stattdessen die allgemeine Depression nach Königgrätz satirisch aufgespiesst: «Wiener, seid froh/Oho, wieso …?» Auch spätere Liedtexte setzten sich nicht durch.

Schwierige Spurensuche

Der internationale Durchbruch gelang erst im Mai 1867 auf der Weltausstellung in Paris. Die Konzertfassung von «Le beau Danube bleu» löste Jubelkritiken aus, erstmals fiel in der Musikwelt der Begriff «Schlager». Der Musikschriftsteller Alexander Witeschnik schrieb halb anerkennend, halb spöttisch: «Wer die Donau kennt, weiss, dass sie mal schilfgrün, mal silbern schimmert, aber blau ist sie erst seit Johann Strauss.»

Erst Jahre später, so Reichenauer, begann der Donauwalzer seinen bis heute anhaltenden Siegeszug als Volkshymne Österreichs. Als 1945 das von Hitler-Deutschland befreite Österreich ohne offizielle Hymne dastand – das alte «Kaiserlied» Haydns war ja mittlerweile zur deutschen Hymne geworden –, erklang als Ersatz vor dem Wiener Parlament der Donauwalzer – nicht die schlechteste Lösung.

Wien nennt sich selbstbewusst «Welthauptstadt des Walzers». Aber die Spurensuche nach der Strauss-Dynastie gestaltet sich erstaunlich mühsam. Die Erinnerungskultur beschränkte sich bis vor kurzem auf das ­vergoldete Denkmal im Stadtpark, Gedenktafeln, einen Strassennamen (Johann-Strauss-Gasse) sowie die verstaubte Gedenkstätte in der Praterstrasse 54, die das Wien-Museum betreibt. Hier wohnte Johann Strauss, hier komponierte er den Donauwalzer.

Auch dürften sich nicht nur Besucher von auswärts wundern, warum die sehenswerte Ausstellung zum 150-Jahr-Jubiläum in einem Winkel des Wiener Rathauses versteckt ist. Auf einen Katalog hat man verzichtet, dabei wäre es naheliegend gewesen, die selten präsentierten Dokumente aus der Musiksammlung der Wienbibliothek zum Nachlesen zusammenzufassen.

1800 Originalstücke

Umso mehr lohnt ein Besuch im eingangs erwähnten Strauss-Museum, das im April 2015 eröffnet wurde. Es ist zeitgemäss gestaltet und bietet erstmals eine umfassende Darstellung der gesamten Walzer-Dynastie. Musikwissenschaftler Reichenauer ist leidenschaftlicher Sammler von Dokumenten und Preziosen der Strauss-Familie sowie Verfasser mehrerer Strauss-Dokumentationen. Die Exponate stammen überwiegend aus seinem Privatarchiv, das in den letzten 20 Jahren entstand. Der Schatz umfasst 1800 Einzelstücke, alle im Original; darunter 800 Klavier-Erstausgaben berühmter Strauss-Melodien, selbstredend auch vom Donauwalzer.

Hinweis

In Luzern kann man den Donauwalzer unter anderem am 14. Januar im «Galakonzert zum Neujahr» im KKL hören.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.