Performance beim Löwendenkmal in Luzern: Was bedeutet uns der Löwe?

Beim Löwendenkmal hielt am Freitag und Samstag im Rahmen des Mehrjahresprojekts «Löwendenkmal 21» eine Künstlerin die Stimmung fest. Und lässt so zwei Tage zur konkreten Erinnerung werden.

Susanne Holz
Merken
Drucken
Teilen
Olga Georgieva malt, was sie sieht, und wie sie es sieht. Es bleibt auf Papier das Flair zweier Tage.

Olga Georgieva malt, was sie sieht, und wie sie es sieht. Es bleibt auf Papier das Flair zweier Tage.

Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 3. Juli 2020)

Freitag, am späten Vormittag, beim Löwendenkmal Luzern. Es ist relativ ruhig, ein paar Menschen sind versammelt und sehen einer Künstlerin beim Malen zu. Olga Georgieva hat eine weisse Papierbahn auf dem Boden ausgelegt und hält darauf mit schwarzer Acrylfarbe fest, was sie sieht. Oder wen sie sieht. Denn es sind gerade vor allem Menschen, die in den Fokus der gebürtigen Bulgarin geraten, die in Wien lebt und arbeitet und das Löwendenkmal bislang nur vom Internet kannte.

Wer also der Künstlerin zusieht, der wird alsbald zu ihrem Sujet. Und in der weiteren Folge zu einer Erinnerung. Eigentlich hatte Olga Georgieva in der Planungsphase im Januar ja noch mit Trauben asiatischer Touristen gerechnet, die sich ums Denkmal scharen. Doch in Zeiten der Coronapandemie kommt alles anders, wie man denkt. Und so malt die 34-Jährige heute keine Touristen aus Fernost, sondern Schüler aus der Zentralschweiz.

Den Löwen mit anderen Augen sehen

«Vorhin war eine Schulgruppe da», erzählt einem die Künstlerin. «Ich zeichne sie aus der Erinnerung, die flüchtigen Blicke der Schüler, die damit verbundene Stimmung.» Auch Kuratorin Karin Mairitsch ist vor Ort. Sie leitet 2020 das Mehrjahresprojekt «Löwendenkmal 21», das sich noch bis zum eigentlichen Jubiläum am 10. August 2021 mit Ausstellungen, Performances und Publikationen verschiedenen Aspekten des Denkmals widmen wird. Karin Mairitsch sagt am Freitag: «Olga Georgieva setzt sich in ihrer zweitägigen Performance ‹Lost in a conversation› mit Beziehungen und Erinnerungen auseinander. Ich bin gespannt, welche Stimmungen sie heute und morgen einfangen wird.»

Karin Mairitsch geht davon aus, dass die Betrachter der Performance sich fragen: «Was macht die Künstlerin hier?» Und in der Folge: «Was mache ich hier?» Die Kuratorin erzählt, selber das Denkmal früher gemieden zu haben: «Es waren mir zu viele Leute.» Doch kurz vor dem Lockdown habe sie den Löwen mal ganz für sich alleine gehabt: «Ich war ergriffen von der Stille und hatte den Eindruck, den Löwen plötzlich mit ganz anderen Augen zu sehen.»

Eine Fotografin hält das Kunstwerk fest.

Eine Fotografin hält das Kunstwerk fest.

Bild: Urs Flüeler/ Keystone

Mairitsch gibt an dieser Stelle zu bedenken, dass gerade vielen Touristen der Hintergrund des Löwendenkmals gar nicht bekannt sei: Das Löwendenkmal gedenkt der gefallenen Schweizergardisten während des Sturms der französischen Revolutionäre auf den durch jene verteidigten königlichen Tuilerien-Palast am 10. August 1792. Eingeweiht wurde es am 10. August 1821.

Dieses «verdrängte Wissen» um den Luzerner Löwen ist auch Thema einer Gruppenausstellung im Herbst in der Kunsthalle Luzern, Titel: «Die dunkle Seite des Löwen». «Es geht um Erinnerungskultur», erklärt Karin Mairitsch. «Um verdrängte Dinge – es wird eine sehr politische Ausstellung.» Die Kuratorin erklärt, dass die Skizzen von Olga Georgieva, gemacht bei dieser Performance, zu einem Objekt bei der Ausstellung im Herbst würden. Unter dem Titel «Make your memories a home – Gib deinen Erinnerungen eine Heimat», werde die Künstlerin eine Holzkonstruktion schaffen, in Form von Bett respektive Haus, in welche sie die jetzt gemalten «Erinnerungen» schnitze. Mal sehen, wer von den Besuchern des Denkmals sich ab Oktober dort entdeckt.

Olga Georgieva «Lost in a conversation». Die Performance beim Löwendenkmal setzt sich Samstag, von 10 bis 18 Uhr fort.