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Ingmar Bergman wäre heute 100 geworden: Ein Rückblick auf seine besten Filme

Schaut man sich die Filme­ des «Meisters» heute an, haben die nichts Verstaubtes an sich. Denn Bergman transportierte universelle Themen über tief emotionale Bilder.
Regina Grüter
Der Künstler und der Vater: Ingmar Bergman mit seiner vierten Frau, der Konzertpianistin Käbi Laretei, und seinem Sohn Daniel. (Bild: Praesens Film)

Der Künstler und der Vater: Ingmar Bergman mit seiner vierten Frau, der Konzertpianistin Käbi Laretei, und seinem Sohn Daniel. (Bild: Praesens Film)

Für viele Cineasten gilt Ingmar Bergman auch heute noch als der «Meister». An den Filmfestspielen von Cannes bekam der 2007 verstorbene Bergman 1997 die «Palme der Palmen» als «Bester Regisseur aller Zeiten» verliehen. Mehr als 39 Kino-, 23 Fernsehfilme, 130 Theateraufführungen und 42 Radioproduktionen hat der schwedische Autor und Regisseur im Laufe seiner Karriere inszeniert. Er wurde mit 58 nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet.

Taucht man aus Anlass seines 100. Geburtstags von Neuem ein in seine Filme, hat das etwas enorm Beglückendes.

«Das siebente Siegel» (1956) etwa über den zweifelnden Ritter Antonius Block (Max von Sydow), der mit dem Tod eine Partie Schach spielt, gehört sicher zu den besten Filmen Bergmans. Ein Film auch, der die ganzen Vorurteile gegenüber dem Regisseur und seinem «publikumsfeindlichen Kunstkino» auf subtile Art und Weise widerlegt.

Michael Haneke, österreichischer Regisseur: «Er hatte eine ­enorme ­Ausstrahlung, und ich konnte gut verstehen, warum die ­Schauspieler sich bei ihm öffneten.»

Michael Haneke, österreichischer Regisseur: «Er hatte eine ­enorme ­Ausstrahlung, und ich konnte gut verstehen, warum die ­Schauspieler sich bei ihm öffneten.»

Bergman ist in erster Linie ein grossartiger Erzähler, der zumeist schwierigen Themen – wie hier die Angst vor dem Tod – immer auch eine gewisse Leichtigkeit beizumischen weiss. Hier reichen eine Schüssel wilde Erdbeeren und frisch gemolkene Milch in Gesellschaft einer Gauklerfamilie, die nicht so grüblerisch veranlagt ist, um dem Ritter die Hoffnung zurückzugeben. Wirtshauszankereien und die sarkastischen Bemerkungen des «gott­losen» Knappen Jöns (Gunnar Björnstrand) amüsieren in dieser allegorischen Geschichte um Gott, Tod und Teufel.

Liv Ullmann: «Er war der ­ beste Zuschauer»

Ingmar Bergmans Werk ist stark autobiografisch geprägt. Der Sohn eines protestantischen Pastors wurde streng religiös erzogen, Ungehorsam wurde bestraft. Aufgearbeitet hat er seine Familiengeschichte im mit vier Oscars bedachten «Fanny und Alexander» (1982). Die Suche nach dem Sinn des Lebens hat ihn zeitlebens stark beschäftigt. Was tun gegen die innere Leere, wenn einem der Glaube an Gott abhandengekommen ist?

In «Das Schweigen» versuchen die ungleichen, in einer Hassliebe verbundenen Schwestern Anna (Ingrid Thulin) und Ester (Gunnel Lindblom) diese Leere zu füllen – die eine mit übermässigem Alkoholkonsum, die andere mit unverbindlichem Sex. Die Kamera von Sven Nykvist, mit dem Bergman dreissig Jahre lang zusammenarbeitete und 22 Filme drehte, nimmt die Perspektive von Esters Sohn Johan ein, der mit seiner Zuneigung für Mutter und Tante zwischen den beiden Frauen steht.

Die Angst vor dem Tod

Seine Episoden mit dem Bediensteten und der Liliputaner-Varieté-Truppe in den Gängen des Grandhotels bringen wieder diese Leichtigkeit und Komik hinein. Aber eigentlich sah sich Bergman wohl in allen drei Figuren, besonders auch in der lungenkranken Anna, die Angst hat vor dem Tod und nicht allein sterben will. Bergman sagte dazu:

«Mein ganzes Leben als Künstler ist ein Versuch, in Kontakt zu anderen Menschen zu kommen, also diese Einsamkeit zu verlassen.»

Er hat immer wieder mit der gleichen Crew und denselben Schauspielern zusammengearbeitet, hat sich eine regelrechte Filmfamilie zugelegt. Schauspielerin Liv Ullmann beschreibt in Margarethe von Trottas neuem Dokumentarfilm «Searching For Ingmar Bergman» eindrücklich den Umgang des Regisseurs mit seinen Darstellern: «Was an Ingmar fantastisch war, bei jedem Film: Er stand ganz nah bei der Kamera, sehr, sehr nah. Er war der beste Zuschauer.»

Nykvist, sein Seelenverwandter hinter der Kamera, war nicht nur bekannt für seine besondere Lichtgebung und seinen reduzierten Stil, sondern besonders dafür, wie er die Gesichter einfing. «Ich wusste alles darüber, wie man sie fotografiert», sagte er, der 2006 gestorben ist. «Ich hatte ihre Gesichter über Jahre gelernt.» Bergman und Nykvist konzentrierten sich ganz auf ihre Protagonisten.

Er inszenierte auch Stücke von Ibsen und Strindberg für die Bühne

An was erinnert man sich als Erstes, wenn man an «Wilde Erdbeeren» (1957) denkt, Bergmans wohl berühmtesten Film? An die Gesichter von Victor Sjöström und Ingrid Thulin. Der pedantische, gefühlskalte Professor der Medizin und seine schwangere, vom Mann getrennt lebende Schwiegertochter fahren mit dem Auto von Stockholm nach Lund. Den Tod vor Augen wird die Reise für den 78-Jährigen zur seelischen Läuterung.

Woody Allen, US-amerikanischer Regisseur: «Er konnte die Kamera auf ein Gesicht richten, liess sie immer weiterlaufen und erzielte damit ­einen enormen ­Effekt.»

Woody Allen, US-amerikanischer Regisseur: «Er konnte die Kamera auf ein Gesicht richten, liess sie immer weiterlaufen und erzielte damit ­einen enormen ­Effekt.»

Bergman hat glänzende Dialoge geschrieben. Er, der als Filmregisseur derartige Berühmtheit erlangte, wollte vor allem auch als Autor wahrgenommen werden. In derselben Art wie Ibsen und Strindberg, deren Stücke er für die Bühne inszenierte. Er sei mit dem Theater verheiratet gewesen, der Film war die anstrengende Geliebte, so der deutsche Theaterregisseur Johannes Kaetzler.

1976 floh Bergman nach München, von der schwedischen Steuerbehörde zu Unrecht der Steuerhinterziehung beschuldigt. Eine ungeheure Demütigung, die ihn in seine wohl grösste Krise stürzte. Dort machte er seine düstersten Filme, verstörend und gewaltvoll: «Das Schlangenei» (1977), «Herbstsonate» (1978), «Aus dem Leben der Marionetten» (1980).

Wenn man in ihre Gesichter blickt, sieht man dahinter

Ingmar Bergman war kein einfacher Mensch, dies zeigt «Searching For Ingmar Bergman» in Begegnungen mit Wegbegleitern und Familie, aber auch ein viel geliebter. Er hat das Unbewusste erforscht, Traum und Realität zusammengebracht, Ernst und Humor, starke und zugleich sensible Frauenfiguren weltberühmt gemacht. Wofür eignet sich das Kino besser?

Bergman wollte die Wahrheit der conditio humana zeigen und hat dafür auch Seiten von sich offengelegt, auf die er nicht stolz war. Die inneren Konflikte seiner Protagonisten sind die seinen. Wenn man in ihre Gesichter blickt, sieht man dahinter. Das berührt unmittelbar. Darin liegt die grösste Schönheit von Bergmans Kino.

Filme von Ingmar Bergman im Kino und Fernsehen

«Searching For Ingmar Bergman» von Margarethe von Trotta, ab 19. Juli im Kinok (St. Gallen), ab 2. September im Stattkino (Luzern). Zum 100. Geburtstag von Bergman zeigt 3sat heute Abend: «Ingmar Bergman – Herr der Dämonen» (20.15 Uhr) und «Szenen einer Ehe» (21.15 Uhr). Blu-ray «Ingmar Bergmann – 100th Anniversary Edition» (zirka Fr. 131.–).

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