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Was einen Luzerner Traditionschor umtreibt

Der Konzertchor Luzern hat den Dirigentenwechsel erfolgreich vollzogen. Mitglieder sagen, was grosse Chöre noch immer attraktiv macht.
Urs Mattenberger
120 Individuen vereint zum Kollektiv: Der Konzertchor Luzern beim letztjährigen Auftritt im KKL Luzern. (Bild: Corinne Glanzmann, 21. Oktober 2018)

120 Individuen vereint zum Kollektiv: Der Konzertchor Luzern beim letztjährigen Auftritt im KKL Luzern. (Bild: Corinne Glanzmann, 21. Oktober 2018)

Das wachsende Freizeitangebot hat bekanntlich auch die Chorlandschaft verändert. So liegen Projektchöre, die ihre Programme in kurzen, intensiven Probephasen erarbeiten, seit Jahren im Trend. Denn in ihnen kann auch mitsingen, wer sich nicht das ganze Jahr für eine Probe pro Woche binden will.

Umso erstaunlicher ist, dass sich gerade die beiden grössten Traditionschöre mit über 100 Sängern in der Region erfolgreich halten – auch über die heiklen Dirigentenwechsel hinweg. Vor Jahren schaffte das der ehemalige Lehrerchor, der heute als Konzertchor Klangwerk Luzern mit Formen experimentiert, in die sich auch Projektsänger integrieren können. Und auch der Konzertchor Luzern hat den Wechsel vom Chorgründer Peter Sigrist zum neuen Dirigenten Philipp Klahm vor einem Jahr problemlos vollzogen.

Menschheitsappell mit 120 Sängern

Dass langjährige Chormitglieder mit dem Dirigenten gehen, war zwar zu erwarten. «Aber wir konnten die Abgänge vollständig mit neuen Sängern kompensieren», sagt Bernadette Kurmann, die Medienverantwortliche des Konzertchors: «So wirken im Chor nach wie vor rund 120 Sängerinnen und Sänger mit.»

Das sind beste Voraussetzungen für das zweite Konzert unter der Leitung von Klahm. Denn auf dem Programm stehen anspruchsvolle Werke von Ludwig van Beethoven, dessen Messe in C-Dur und die Fantasie für Klavier, Chor und Orchester. Sie enthält die Urform des Freudenhymus aus Beethovens neunter Sinfonie. Und gerade solchen Menschheitsappellen geben 120 Sängerinnen und Sängern den nötigen Schub.

Volker Appel Ergotherapeut (Bild: PD)

Volker Appel
Ergotherapeut (Bild: PD)

Ist es das, was neben den sozialen Kontakten das Singen in grossen Chören attraktiv macht? Kurmann fragte bei vier Chormitgliedern nach. Dass man in einem Chor an etwas teilhaben kann, das die eigenen Möglichkeiten übersteigt, taucht als ein Grund für das Faszinosum Chor immer wieder auf. «Es ist ein unglaublich schönes Gefühl, gemeinsam an etwas Grossartigem mitgewirkt zu haben», sagt der Ergotherapeut Volker Appel, der seit 25 Jahren im Konzertchor singt. Selbst nach dieser langen Zeit im Chor ist er vor den Auftritten im KKL «immer wieder nervös». Umso mehr liebt er «die Stimmung nach der Aufführung, diese Entspannung und Erleichterung, wenn alles gut gelungen ist».

Vom Wald und Kindergarten bis ins KKL

Individuen, die zum Kollektiv anwachsen – das fasziniert ­ auch den Chemielehrer Robert Humbel: «Jedes Chormitglied muss auf sich, die Umgebung und den Dirigenten achten, und erst zusammen entsteht etwas Neues. Da erlebe ich mich als kreativer Teil eines grossen Ganzen.»

Simona Brauchli Sozialpädagogin (Bild: PD)

Simona Brauchli Sozialpädagogin (Bild: PD)

Ein zweiter Punkt sind die Glücksgefühle, die das auslöst. «Wenn wir ein Werk besser singen und die Töne sitzen und sich aneinanderreiben, dann spüre ich manchmal ein Kribbeln im Bauch», sagt die Sozialpädagogin Simona Brauchli: «Das ist ein wunderbares Gefühl.» «Singen macht mich total glücklich», sagt kurz und bündig die Kindergärtnerin Isa Glanzmann, die deshalb auch ausserhalb des Chors oft singt – «daheim, im Wald, im Kindergarten».

«Erste Probe ist das Highlight des Chorjahres»

Ein weiterer Punkt ist, neben den sozialen Kontakten, die Musik selber, die das Chorsingen zur Kunst erhebt. «Oft frage ich mich, wie es nur möglich war, dass sich jemand solch grossartige Werke ausdenken kann», sagt Simona Brauchli, die Klassik schon im Kinderchor liebte.

«Das grosse Highlight des Chorjahres ist für mich die ­ erste Probe zusammen mit dem ­Orchester, den Solistinnen und ­Solisten», bringt Isa Glanzmann auf den Punkt, was im Chor alles zusammenkommt: «Wenn ich da mitten in der Musik bin und eintauche, fliessen immer wieder die Tränen, weil es mich so sehr beglückt.»

Hinweis: Konzertchor Luzern, Camerata Musica Luzern, Leitung Philipp Klahm, Werke von Beethoven (Coriolan, Messe in C, Chor­fantasie: Sonntag, 13. Oktober, 11.00, Konzertsaal KKL. Vorverkauf: 041 226 77 77.

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