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Skuplturen in Luzern: Nadja Iseli holt hervor, was im Stein schlummert

Trotz Staub und Geduldsproben: Für Nadja Iseli ist Steinbildhauen die schönste Arbeit. Ein neuer Film und ein Buch nehmen mit auf die lange Reise ihrer Skulpturengruppe «Verde Spluga». Diese belebt den Innenhof der Siedlung Brünighof.
Céline Graf
Die Skulpturengruppe «Verde Spluga» steht seit dem Sommer 2018 im Brünighof in Luzern. (Bilder: Hanspeter Lüthi, «Verde Spluga», 2019)Die Skulpturengruppe «Verde Spluga» steht seit dem Sommer 2018 im Brünighof in Luzern. (Bilder: Hanspeter Lüthi, «Verde Spluga», 2019)
Nadja Iseli holte den grünlichen Gneis in einem Steinbruch bei Chiavenna IT.Nadja Iseli holte den grünlichen Gneis in einem Steinbruch bei Chiavenna IT.
Über 30 Tonnen Stein hat die 65-jährige Künstlerin zu Freiluftmöbeln verarbeitet.Über 30 Tonnen Stein hat die 65-jährige Künstlerin zu Freiluftmöbeln verarbeitet.
3 Bilder

Gartenmöbel aus Gneis im Brünighof

Früher Morgen im Brünighof, Tribschenquartier. Das Gras schimmert feucht, Halbschatten tanzt über die rostrote Klinkerfassade und die dunklen Fensterrahmen. Im letzten August bezogen die ersten Mieterinnen und Mieter hier Wohnungen und Gewerberäume. Die allerersten Bewohner aber waren vier Steinskulpturen auf dem Rasen im Innenhof der Neubausiedlung.

Ein Tisch und zwei Quader mit Sitznischen stehen in der einen Hälfte des begrünten Streifens, ein weiterer Quader zum Sitzen in der anderen. Im Café Brünig sitzt die Macherin dieser Freiluftmöbel und schaut aus dem Fenster. «So habe ich es mir vorgestellt», sagt sie, «dass sie aus dem Grün herauskommen.» Als die Steine im Juli 2018 von einem Kran auf den noch unbewachsenen Kiesboden gesetzt wurden, hatten sie eine lange Reise hinter sich. Sie führte von Norditalien über den Splügenpass bis nach Luzern.

Harte Steine sind ihr am liebsten

Der Gneis, der im Splügental abgebaut wird, heisst Verde Spluga wegen seiner grünlichen Farbe. Weil das helle Gestein mit Quarzeinsprengseln gut Licht reflektiert, wählte Iseli es für das Auftragswerk im Brünighof. Sandstein dagegen, der in der Zentralschweiz zu haben ist, wäre zu weich gewesen. Harte Steine wie den Gneis bearbeitet die Bildhauerin und Modellbauerin in ihrem Atelier in Emmenbrücke am liebsten. Sie mag das Wechselspiel zwischen hartem Material, rauen Bruchstellen und weichpolierter Oberfläche.

Die Steine kaufte sie in einem Steinbruch bei Chiavenna auf der italienischen Seite des Splügenpasses. Sieben Mal fuhr sie hin mit ihrem Partner, dem Architekten Hanspeter Lüthi. Bis sie endlich vier Blöcke gefunden hatte, mit denen sie zufrieden war. Der Journalist Meinrad Buholzer war dabei. Er schreibt:

«Nadja Iseli sieht sich um, schaut sich die Blöcke an, von allen Seiten, misst sie ab, berührt sie, streicht über sie hinweg. Von einem zum andern, wieder zurück. Es ist ein Abwägen, ein Vergleichen, ein Abgleichen mit ihren Vorstellungen.»

Buholzers Bericht gehört zur Publikation «Verde Spluga», neben einem Porträt über Nadja Iseli von Sylvia Egli von Matt und reichlich Bildmaterial. Gleichzeitig hat an der Vernissage auch der Dokumentarfilm «Verde Spluga» von Felix Hergert Premiere.

Regisseur beeindruckt von Durchhaltewillen

Der Luzerner Filmemacher agiert als stiller Beobachter hinter der Kamera mit Gespür für Details. Das Sprechen übernimmt vor allem der sanfte bis aufbrausende Jazzsoundtrack von Markus Lauterburg und Hans-Peter Pfammatter. In ruhigem Tempo lernt der Zuschauer das ABC des Steinbildhauens: Sägen, Meisseln, Schleifen, Polieren.

Wegen des klebrigen Steinstaubs, der anfällt, bearbeitet Nadja Iseli grosse Objekte nur draussen. Bei schlechtem Wetter muss sie warten. Ihn habe ihr Durchhaltewille beeindruckt, sagt Felix Hergert. Der Transport der insgesamt über 30 Tonnen schweren Steine liess die Künstlerin und ihre Helfer manchmal an einem Happy End des einjährigen Projekts zweifeln.

Doch die 65-jährige Nadja Iseli denkt nicht daran, das Material zu wechseln. Seit den Neunzigerjahren schafft sie aus Stein kleinere und grössere Werke, oft für den öffentlichen Raum. «Ich bin keine Geologin, aber ich finde die Begegnung mit dem Stein jedes Mal spannend», sagt sie und erklärt:

«Alle haben andere Farbstrukturen und Bewegungen.»

Mit der Hand fährt sie im Brünighof über die Skulpturen, an die sich junges Gras schmiegt. Ab und zu kommt sie schauen, wie es ihnen geht.

Die Filmpremiere und Buchvernissage von «Verde Spluga» ist am 9. Mai von 17 bis 20 Uhr. Ort: Fadenstrasse 20, Bau 724, Eingang C8, Emmenbrücke. Mehr Infos: www.nadjaiseli.ch/buch-und-film

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