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Der neue Roman von Beat Portmann: Was in einer Nacht alles geschehen kann

Im Roman des Luzerners Beat Portmann lernen drei umherschweifende junge Menschen Wichtiges über sich selber.
Arno Renggli
Beat Portmann. (Bild: PD)

Beat Portmann. (Bild: PD)

Nach der Lektüre von «Über Nacht» fragt man sich: Warum ist Beat Portmann, 43-jähriger Schriftsteller und Musiker aus Emmenbrücke, bisher kaum über die Innerschweiz hinaus bekannt? Denn dieser Text ist wundervoll – stilistisch von unprätentiöser Eleganz, inhaltlich voller toller Figuren, Gedanken und Atmosphären.

Portmann erzählt von einer Nacht und drei Leuten um die dreissig, die in ihrer Jugend der 1990er-Jahre verhaftet sind. (So errechnet man, dass die Story in den späten Nullerjahren spielt.) Da ist erstens Nora, Lokaljournalistin und von Schriftstellerei träumend. Zweitens ihr Nachbar Matthias, schüchterner Jazz-Pianist. Drittens Frank Landsteiner, Chansonnier, gefühlsechter Frauenschwarm und Archetypus des ewigen Jünglings.

Eigentlich sollte Nora im Auftrag der Regionalzeitung zur Premiere eines Volkstheaters fahren, beschliesst dann aber, sich mit Matthias und Frank durch die Nacht treiben zu lassen, von Lokalität zu Lokalität, hinein in auch alkoholgeschwängerten Tiefsinn. Skurrilen Figuren begegnen sie, wie sie sich nur nächtens manifestieren. Nora notiert alles, um es als «erlebende Erzählerin» dereinst literarisch auszuschlachten. Frank techtelt und mechtelt bei jeder Gelegenheit, derweil Matthias vor allem am Staunen ist, was da alles über ihn kommt. Und wir staunen mit.

Die Nacht als Antithese zur Erwachsenenwelt

Dabei sind die Erlebnisse nicht nur von sanfter somnambuler Surrealität: Die Begegnung mit Franks Vater, der sich verächtlich von der Welt abgewandt hat, legt die Tragweite familiärer Fragilität offen. Und eine Hundeleiche führt zu durchaus realer Action mit der Polizei.

Aber die Grundstimmung ist die einer Nacht, von der man wünscht, dass sie niemals endet, wie Portmann schreibt. Die Nacht als Antithese zum Tag «mit all seinen Behauptungen der Erwachsenenwelt». Dies führt zum Hauptthema des Buches: Jener Sehnsucht der Figuren nach ihrer Jugend, die bei Tageslicht betrachtet vorbei ist. «Es stimmt», räumt Portmann ein, «dass das Buch nostalgisch ist. Nora, Matthias und Frank spüren, dass etwas zu Ende geht.» Auch musikalisch hängen sie den 1990ern nach, zusätzlich altem Jazz, einer Zeit «wo Musik noch Relevanz hatte, Identität schuf und nicht nur Konsumgut war», wie Portmann sagt.

Es passt perfekt zur Geschichte, dass Nora und ihre Begleiter mit viel Verspätung doch noch an die Theaterpremiere gehen. Der Hauptdarsteller war dort ein Held ihrer aller Kindheit, Darsteller einer sie prägenden Kindergeschichtenfigur. Fast unausweichlich wird diese Begegnung zur Enttäuschung: Der Schauspieler ist ein widerwärtiger Mensch geworden, der mit seiner Kinderfigur nichts mehr zu tun haben will.

Denn die Nacht sorgt nicht nur für Irrungen, für die Verwischung von Realität und Imagination, sondern auch für Klarheit. Etwa darüber, was wichtig, was nun zu tun ist. Oder nicht. Nora etwa wird den ungeliebten Zeitungsjob los und schriftstellert. Am Ende des Buches sieht man, dass bereits etwas daraus geworden ist: Songtexte für eine Band namens Landsteiner.

Zum Buch gehören auch eine Band und eine CD

Damit schlägt Beat Portmann die Brücke zu seiner Figur Frank und zu sich selber: Die Band gibt es seit kurzem tatsächlich, mit CD und Beat Portmann als Songschreiber und Geiger. Die deutschsprachigen Songs mit Titeln wie «Strassen» oder «Schlaflos» und der Roman ergänzen sich gegenseitig, werden auf einer Bühne zur Gesamt­performance, die nächstes Jahr schweizweit zu sehen sein wird. Und offensichtlich ist Portmann dem Lebensgefühl seiner Figuren, obschon es auch mit einer Spur Ironie schildernd, selber nicht abgeneigt. «Es geht nicht darum, sich dem Erwachsenwerden zu verweigern», sagt der verheiratete Vater von zwei Schulkindern. «Aber sich etwas zu erhalten von der Neugier und Begeisterungsfähigkeit, die wir in unserer Jugend hatten.»

Beat Portmann: Über Nacht. Edition Bücherlese, 175 S. Beat Portmann stellt sein Buch am Donnerstag, 7. November, 20.00 in der Jazzkantine Luzern vor. Frank Landsteiner und Band spielen Songs von ihrer neuen CD. VV: 041 210 19 19, www.hirschmatt.ch. Infos zu Band/CD: www.landsteiner.ch/musik

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