Was kostet ein Geruch?

Am Luzerner Theater ist am Sonntagabend die Oper «The Stolen Smells» von Simon Wills uraufgeführt worden. Das Stück hat Witz, aber auch etliche Längen.

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Szene aus «The Stolen Smells» (Bild: PD / Ingo Höhn)

Szene aus «The Stolen Smells» (Bild: PD / Ingo Höhn)

Eine Opera Buffa nennt der englische Musiker Simon Wills seinen Einakter «The Stolen Smells» (Die gestohlenen Düfte), ein Auftragswerk des Luzerner Theaters und des Norddeutschen Rundfunks. Die Luzerner Uraufführung inszenierte der Intendant Dominique Mentha. Die musikalische Leitung hatte der Komponist.

Wills hat auch das Libretto seiner Oper verfasst: Ein Bäcker verklagt einen armen Poeten, den unerwünschten Liebhaber seiner Tochter, weil dieser den Geruch seiner Brote genossen hat und nicht dafür zahlen kann. Denn was genossen werden kann, argumentiert der Bäcker, hat einen Wert, und was einen Wert hat, hat auch einen Preis.

Der Dichter wird verurteilt: Wenn er nicht zahlt, wird ihm eine Hand abgehackt. Da springt das Volk ein und sammelt, der Betrag kommt zusammen, die letzten Zechinen spenden die Tochter und die Frau des Bäckers. Dieser muss das Geld aber zurückgeben, denn er hat sein Klimpern genossen und auch dieser Genuss hat - nach seiner eigenen Logik - seinen Preis.

Bild: PD / Ingo Höhn
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Gericht im Walzertakt

Für seine hintersinnige Komödie hat Wills eine Musik komponiert, die sich an Strawinsky, Schostakowitsch und in der turbulenten Markt- Szene an Gershwin orientiert. In den komischen Szenen wuselt es nur so im Orchester, kichern die Holzbläser, setzt das Fagott komische Akzente, verhöhnen die gestopften Trompeten den jammernden Dichter.

Das Tribunal wird im Walzertakt ironisiert und die Bäckerin steigert sich im Zorn auf ihren Mann in eine koloraturenreiche Dacapo-Arie nach barockem Vorbild. Dem Liebespaar hingegen schenkt Wills weit gespannte, gefühlvolle Kantilenen.

Das alles ist handwerklich gut gemacht, pfiffig instrumentiert, doch es trägt nicht über zwei Stunden Spieldauer. Besonders der erste Akt hat Längen. Die Mittel wiederholen sich und verlieren ihre Wirkung.

Bremstrommeln im Orchester

Da müsste die Szene einspringen. Werner Hutterlis Bühne - eine drehbare textile Hausfassade, an der sich auf zwei Stockwerken unterschiedliche Räume öffnen lassen - gäbe auch den Raum für komödiantische, quirlige Aktion. Menthas Personenführung aber fehlt es an Ideen, Witz und Leichtigkeit.

Dafür wird insgesamt ausgezeichnet gesungen. Todd Boyce gibt den Bäcker mit kernigem, doch weichem Bariton. Carlo Jung-Heyk Cho als Dichter überzeugt mit einem leicht und sicher geführten, ausgesprochen schön timbrierten Tenor.

Das Luzerner Sinfonieorchester gibt der Partitur Drive und Farben. Besonders gefordert ist das fantasievoll besetzte Schlagzeug, das neben dem üblichen Instrumentarium unter anderem zwei Bremstrommeln aus der Auto-Werkstatt umfasst.

Das Publikum der Premiere reagierte mit freundlichem Applaus. Im Februar geht die Produktion für zwei Aufführungen nach Hamburg; dann dirigiert Thomas Hengelbrock das NDR-Sinfonieorchester.

sda