Irene Bisang stellt bei Benzeholz Meggen aus: Was macht der Vogel auf dem Lippenrot?

Irene Bisang widmet sich in ihrer aktuellen Ausstellung der runden Form, der Stärke der Frau und der Ironie in allen Dingen.

Susanne Holz
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Irene Bisang im ersten Stock der Galerie Benzeholz in Meggen - inmitten ihrer Ausstellung «Whirled Peas».
13 Bilder
«Karotte», «Rübe», «Jaune» – so heissen diese Aquarelle auf Papier von rechts nach links.
Eine Assemblage aus dem Fundus an gesammelten Gegenständen aus dem Atelier der Künstlerin – zu sehen im Dachgeschoss der Galerie Benzeholz.
«Zaubermädchen» und Paradiesvogel. Und das Vögelchen auf dem Lippenstift.
Unter dem Dach der Galerie: «Grace», ein Werk in Eitempera und Öl auf Leinwand.
«Explosion», «Birnenschnecke» und «On Fire», von rechts nach links, Acryl und Tusche auf Leinwand.
Die Assemblage unterm Dach. Der Vogel und das Licht.
Eindeutig zweideutig. Ein Lob der Frau.
Pralinen aus Gips unterm Dach.
Murmeln im Glas unterm Dach.
«Abendstille», Eitempera und Öl auf Leinwand.
«Infinity Snowman». Eitempera und Öl auf Leinwand.
«Grosser Wasserfall». Eitempera und Öl auf Leinwand.

Irene Bisang im ersten Stock der Galerie Benzeholz in Meggen - inmitten ihrer Ausstellung «Whirled Peas».

Bild: Dominik Wunderli (Meggen, 1. Oktober 2020)

Hier ein putziger kleiner Vogel, der auf einem Lippenstift ein Plätzchen gefunden hat. Da ein Skelett, das Feuer speit. Hier ein kleines Monster, das doch fürsorglich wirkt. Dort eine Schwangere, die am Sandstrand einen Handstand macht. Hier figurative Ölmalerei, dort Abstraktion in Aquarell. Irene Bisangs Ausstellung «Whirled Peas» bei Benzeholz in Meggen zeigt die Vielseitigkeit dieser Luzerner Künstlerin. Und auch das Verspielte, das der 39-Jährigen zu eigen ist.

«Whirled Peas», zu Deutsch so viel wie «verwirbelte Erbsen», klingt ausgesprochen wie «World Peace», «Weltfrieden». Absicht? Die Künstlerin lächelt verschmitzt: «Ja, durchaus.» Schlussendlich gehe es ihr bei dieser Ausstellung aber auch um die runde Form – und um die Stärke der Frau.

Gemalter Jesus und ein lila Aschenbrödelschuh

Bisang, die in Luzern und Leipzig Kunst und Malerei studierte und die ihr Atelier seit einigen Jahren in der Viscosistadt in Emmenbrücke hat, sagt von sich selber:

«Ich bin eine entspannte Arbeiterin. In meinem Atelier entstehen meine Bilder oft aus einer Laune heraus.»

Verspielt und entspannt. So mutet auch die Assemblage aus dem Fundus an gesammelten Gegenständen der Künstlerin an, die bei Benzeholz im Dachgeschoss zu sehen ist. Eine fantastische Mischung aus einem gemalten Jesus mit Schildkröte, einem Aschenbrödelschuh in Violett und Gold, Wasserperlen im Glas, einer Mini-Elfe auf einem Mini-Stuhl, einer roten Clownsnase, kleinen Vögeln und sehr vielem mehr. Irene Bisang, eine Sachensucherin? Man kann sich vorstellen, welche Quelle an Inspiration dieser gesammelte Fundus aus kleinen Kostbarkeiten für die Künstlerin ist, wenn sie sich in ihrem Atelier aufhält – zwischen all den zufällig entdeckten Kleinigkeiten, die unsere Welt bunt machen.

Ein feiner Humor, der hintergründig aufscheint

Bunt ist er zwar nicht, der Paradiesvogel im ersten Stock der Ausstellung. Aber schön blau, königsblau. Gemalt in Acryl und Tusche auf Leinwand, ist er ein echter Blickfang. Angereichert mit dem feinen Humor der Künstlerin, der in so einigen Werken hintergründig aufscheint. So auch bei dem grösseren Acrylwerk an der Wand gegenüber, das in leuchtenden orangenen Tönen einen Wasserfall zeigt. Man ist versucht, das Werk kitschig zu finden, bis man die fein transportierte Ironie erkennt, mit der hier auf allzu idyllische Landschaftsmalerei verwiesen wird. Oder nur zu erkennen meint?

Denn in dieser Künstlerin steckt wohl ein entspannter Schelm, der den Betrachter gerne überrascht – und auch in ernsten Dingen das Leichte sucht.

Ausstellung Irene Bisang: «Whirled Peas». Benzeholz, Raum für zeitgenössische Kunst, Meggen. Bis 1. November 2020 in der Seestrasse in Meggen. Geöffnet: Do/Sa/So von 14 bis 18 Uhr. www.benzeholz.ch

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