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Was macht einen guten Tänzer aus? Schöne Schritte alleine reichen nicht

Der Kinofilm «The White Crow» bringt das Leben des Ausnahmetänzers Rudolf Nurejew auf die Leinwand. Nichts für Tanzfans.
Julia Nehmiz
Starkes Kinodébut: Oleg Ivenko als Rudolf Nurejew. Bild: Praesens

Starkes Kinodébut: Oleg Ivenko als Rudolf Nurejew. Bild: Praesens

Eine armselige Holzhütte, durch die der Wind pfeift. Die Kinder schlafen alle in einem Bett, auch Klein Rudolf: Rudolf Nurejew, der Ausnahmetänzer, geboren 1938 in der Transsibirischen Eisenbahn, aufgewachsen in ärmlichsten Verhältnissen in Ufa, einer russischen Grossstadt nahe dem Ural. Nach seiner spektakulären Flucht in den Westen avancierte er zur Tanzlegende des 20. Jahrhunderts, revolutionierte das Ballett und definierte die Rolle des Mannes im Tanz neu.

Schauspieler und Regisseur Ralph Fiennes bringt jetzt das Leben des Ausnahmetänzers als Biopic auf die Leinwand. Im jungen ukrainischen Tänzer Oleg Ivenko hat Fiennes einen überraschend Nurejew-ähnlichen Darsteller gefunden, der auch in Szenen abseits des Ballettsaals überzeugt. Fiennes steht auch in seiner dritten Regiearbeit vor der Kamera: In «The White Crow» spielt er Nurejews Ballettlehrer Alexander Puschkin (und spricht dabei fliessend russisch). Mit schütterem Haar, sanftem Lächeln und Bauchansatz ist er Nurejews einziger Vertrauter an der berühmten Leningrader Waganowa-Akademie.

Der Kinofilm kulminiert mit der Flucht

Fiennes lehnt seinen Film an die Nurejew-Biografie von Julie Kanavagh und konzentriert sich dabei auf die ersten fünf Kapitel des umfangreichen Buches. Nurejews spätere Weltkarriere blendet er aus. Sein Film erzählt in Rückblenden Episoden aus Nurejews Kindheit in Ufa (Fiennes dreht diese Szenen in Schwarz-Weiss), aus seiner Ausbildung an der Leningrader Kirow-Akademie. Mittelpunkt des Films ist allerdings das Paris-Gastspiel der Kirow-Compagnie 1961, an dessen Ende Nurejew am Flughafen aus der Enge des sowjetischen Systems flieht.

Hier entwickelt der Film einen Sog, eine Kraft, die vorher in der sprunghaften Erzählweise unterging. In Paris nimmt sich Fiennes Zeit, zu erzählen, baut Spannung auf, die in der Fluchtszene am Flughafen kulminiert. Immer wieder findet Fiennes schöne Bilder, in denen er auch das aufbrausende, rohe Wesen Nurejews aufleben lässt. Der titelgebende Ausdruck «Weisse Krähe» war Nurejews Spitzname als Kind, er war anders als seine Klassenkameraden, passte sich trotz Hänseleien nicht an.

Der Tanz soll eine Geschichte erzählen

Fiennes zeigt, wie unersättlich Nurejew trainiert, um besser zu werden. Als Ballettlehrer Puschkin ist es an Fiennes, seinem Schützling das Wesen des Tanzes näherzubringen. Dass es beim Ballett nicht auf schöne Schritte ankommt. «Wir widmen der richtigen Bewegung zu viel Zeit», sagt Puschkin. Dabei gehe es um den Inhalt. «Welche Geschichte wollen wir erzählen?» Wenn man nichts zu erzählen habe, habe man keinen Grund zu tanzen.

In der berührenden Lehrer-Schüler-Szene zeigt sich aber auch exemplarisch eine Schwäche des Films: Über Tanz wird gesprochen. Dass Nurejew einen eigenen Tanzstil entwickelte? Wie er den Tanz revolutionierte? Das kann er nur in wenigen Sätzen seiner Pariser Freundin Clara Saint (Adèle Exarchopoulos) erzählen. Zeigen kann er es nicht.

The White Crow (GB / F / SRB 2019) 127 Min. Regie: Ralph Fiennes. Ab 29.9. im Kino.

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