Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Festivalbesucher sind überfüttert, selbst coole Bands ziehen nicht mehr

Mit dem Auftritt des Rap-Grossmeisters Kendrick Lamar am Zürich Open Air geht die Festivalsaison zu Ende. Anders als das Wetter ist die musikalische Bilanz etwas durchzogen.
Michael Graber
Zuerst kam am Zürich Open Air Kendrick Lamar dann folgten Blitz und Donner. (Bild: Joel C. Ryan/AP)

Zuerst kam am Zürich Open Air Kendrick Lamar dann folgten Blitz und Donner. (Bild: Joel C. Ryan/AP)

Und dann ist der Open Air Sommer vorbei. Kendrick Lamar spielt «All the Stars» und der Himmel öffnet seine Schleusen. Ein heftiges Gewitter entlädt sich über dem Gelände des Zürich Open Airs. Schnell ist das Gelände wie leergefegt, alle drängen sich unter die Zelte. Zuvor hat sich Lamar durch ein sehr solides Set geackert.

Der 31-jährige Amerikaner tut dies ohne viel Show und Schnörkel. Wieso auch? Er hat keine Lücken zu füllen: Auch wenn er nicht restlos begeistert an diesem Abend, er hat eine wahnsinnig beeindruckende Präsenz. Wenn er – sehr stilecht im Oasis-T-Shirt – seine punktgenauen Lines rappt, dann verfehlt das seine Wirkung nie. Die Band, etwas versteckt am Bühnenrand, doppelt die Beats, groovt, bleibt aber stets im Hintergrund. King Kendrick braucht Platz.

Kendrick Lamar: Eine Ausnahmetalent mit Pulitzerpreis

Kendrick Lamar ist der Rapper der Stunde und das schon seit einigen Stunden. Er ist technisch ein Ausnahmekönner und beherrscht wie kein Zweiter die nötige Prise Ernsthaftigkeit. Auch in den Momenten, in denen das Publikum johlt und jeden seiner Sätze mitrappt, verfällt Lamar nicht der Euphorie. Er steht über solchen Dingen. Da ahnt man das drohende Gewitter zwar bereits, aber weggehen ist keine Option.

Lamar setzte mit seinem Konzert auch eine Schlusspunkt unter die Open-Air-Saison. Zwar geht die heute mit dem Konzert der Toten Hosen auf der Luzerner Allmend noch in die Nachspielzeit, aber die grossen Festivals sind alle durch. Anders als beim Wetter, fällt die Bilanz des Open-Air-Sommers durchzogener aus. Mehrere grosse Festivals hatten Mühe, alle Tickets wegzubringen.

Am offensichtlichsten war das in St. Gallen, aber auch bei anderen Open Airs waren Lücken auf Zeltplätzen und Publikum auszumachen – da und dort wird gar gemunkelt, dass einzelne Festivals am Schluss einfach «ausverkauft» gemeldet haben, um im nächsten Jahr einen psychologischen Vorteil zu erzielen.

Es fehlten die ganz grossen Namen

Was auffällt: Die meisten Programme waren dieses Jahr recht unspektakulär. Neben Eminem (in Frauenfeld) und Kendrick Lamar (in Zürich) fehlten die richtigen Knallernamen. Dafür gab es viel vom Immergleichen: Angus & Julia Stone spielten etwa am Gurten, am Open Air St. Gallen und in Montreux. Ed Sheeran spielte lieber zweimal alleine im ausverkauften Letzigrund. Und die allermeisten Acts hatte man bereits im letzten Sommer an einem der grossen Festivals gesehen. Ivo Amarilli hat für das Schweizer Radio und Fernsehen die Berichterstattung rund um den Open-Air-Sommer organisiert und alle grossen Festivals besucht. Auch sein Fazit ist durchzogen: Er stellt zunehmend eine «Übersättigung» fest. «Oft geht es den Leuten schlicht nicht mehr um die Musik», so Amarilli. Krassestes Beispiel war für ihn Nine Inch Nails in St. Gallen:

«In St.Gallen da konntest du problemlos bis in die erste Reihe durchlaufen und überall wurde geredet statt zugehört.»

Da sei eine Verdrossenheit spürbar, findet Amarilli. Er glaubt zudem auch, dass einige Festivals am Publikum vorbei programmieren: «Ich finde es ja löblich, dass es den Bookern immer noch wichtig ist, dass man coole Bands bucht, aber eigentlich trifft man damit den Geschmack des Publikums selten.» Ein gutes Beispiel sei für ihn etwas das Gampel-Festival, «die positionieren sich als grosse Party und buchen entsprechende Bands – das funktioniert.» Besonders beeindruckt haben Amarilli dieses Jahr Hecht: «Egal wo und wann die spielten, die hatten das Publikum immer nach wenigen Minuten im Sack.»

Was auch sehr gut funktioniere, seien die Spartenfestivals. «Das aufmerksamste Publikum habe ich in Frauenfeld gesehen», sagt Amarilli. Da werde mitgerappt, getanzt und man sei bei der Sache.

«In Frauenfeld kommen die Leute tatsächlich noch wegen der Musik.»

Gleiches gelte, mit leichten Abstrichen, auch für das Zürich Openair. Das sei ein klassisches Stadtfestival, «da kommen die Leute gezielt für einen Act und gehen nachher wieder nach Hause.» Zumindest dann, wenn das Gewitter aufgehört hat.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.