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WEIHNACHTSKONZERTE: Englischer «Messias» war himmlisch gut

Nach Christmas-Adventskonzerten wurde im KKL Weihnachten ganz klassisch musikalisch vorgefeiert: Nach dem King’s Consort & Choir mit Händels «Messias» hatte das Bach-Ensemble Luzern mit dem Weihnachtsoratorium das Schlusswort.
Fritz Schaub
Die Interpreten des King’s Consort & Choir boten den «Messias» in vollendeter historischer Praxis dar. (Bild: Roger Grütter (22. Dezember 2017))

Die Interpreten des King’s Consort & Choir boten den «Messias» in vollendeter historischer Praxis dar. (Bild: Roger Grütter (22. Dezember 2017))

Fritz Schaub

kultur@luzernerzeitung.ch

Nach all den Christmas-Events der letzten Tage mündete die weihnächtliche Reihe am Freitagabend in jene beiden Werke, die man wohl als die ultimativen Weihnachtskonzerte betrachten kann. Im Falle des «Messias» von Georg Friedrich Händel erlebte man im Rahmen des Lucerne Chamber Circle eine Aufführung, wie man sie selten auf solch hohem Niveau erleben kann.

Gewiss durfte man von den Interpreten des King’s Consort & Choir eine Aufführung auf Top-Niveau erwarten, weiss man doch um den Stellenwert des «Messias» in England und die führende Rolle englische Interpreten gerade auf dem Gebiet der historischen Aufführungspraxis. Aber die hohen Erwartungen wurden noch übertroffen, auch wenn der KKL-Konzertsaal nur bis auf den zweiten Rang einigermassen besetzt war. Ist eine gewisse Hörmüdigkeit angesichts des überreichen Angebots an mit Weihnachten zusammenhängenden Konzerten die Ursache? Oder schreckten die im Vergleich zu den regionalen Konzerten relativ hohen Eintrittspreise ab?

Piano-Kultur und sprühende Vitalität

Die Anwesenden jedenfalls hörten ein Ensemble, das alle Trümpfe der historischen Aufführungspraxis ausspielte: tiefer gestimmte historische Instrumente, die dadurch ermöglichten flüssigeren Tempi, die virtuosen Verzierungen der instrumental geführten Gesangsstimmen von Interpreten, die alle in der Alten Musik (und teils auch in der ganz modernen) heimisch sind, das Spiel einer kleinen Besetzung mit Dynamik, leuchtenden Klangfarben, Kontrasten und Akzenten statt einer überrumpelnden Masse.

Die Zuhörer erlebten eine nur in den Abschnitten 2 und 3 leicht gekürzte und trotzdem kaum mehr als zwei Stunden beanspruchende Aufführung, die in jedem Zug fesselte, berührte und auch unterhielt. Dabei erinnerte man sich an die Tatsache, dass die Konzerte in Dublin, dem Uraufführungsort 1742, als «Grand Musical Entertainment» angekündigt wurden. Tatsächlich verleitete der quicklebendige Robert-King-Chor und Orchester in den lebhaften Abschnitten immer wieder zum swingenden Rhythmus. Trotz der kleinen Besetzung und obwohl man noch selten so viele Pianissimi im «Messias» gehört hat, entstand nie der Eindruck, dieser «Messias» sei unterbesetzt und fülle den Saal nicht.

«Hallelujah» nicht einziger Höhepunkt

Aufführungen mit Laienchören, zumal in einer deutschen Übersetzung, haben manchmal Mühe mit der Länge des Oratoriums, nehmen Kürzungen vor oder lassen etwa den letzten Teil weg. Das Werk endet dann mit dem «Hallelujah», was ein beeindruckender Schluss ist. Dies hat jedoch die fatale Wirkung, dass das Werk zu sehr auf diesen Hymnus zugespitzt wird, der ohnehin Gefahr läuft, durch TV-Werbungen und Hollywood-Filme aus dem Kontext gerissen zu werden.

Wie vieles hörte man auch diesen Satz mit ganz neuen Ohren, weil er unpathetisch, mit Betonung der Klangfarben und des Rhythmus, aus dem Werk herauswuchs und durch die förmlich explodierende Bass-Arie und das vorangehende Tenor-Rezitativ im triumphierenden Jubel bereits vorbereitet wurde. Zudem ist gerade der dritte und letzte Abschnitt neben dem ersten, dem prophetischen Teil, der wichtigste des Werks, das in der majestätischen Schlussfuge nochmals eine Steigerung erlebte.

Denn die Passion Christi wird im Gegensatz zu J. S. Bach im mittleren Teil eher kurz behandelt. Aber auch dort verliehen das Orchester und der Chor, die sich in gleich kleiner Besetzung gegenüberstanden und klanglich wie stilistisch ideal aufeinander abgestimmt waren, und die vier hervorragenden Solisten das charakteristische Gepräge. Dieses war besonders emotional aufgeladen und bildete zur alttestamentlichen Wucht und zu den pastoralen oder in mystisches Licht getauchten Abschnitten des ersten Teils einen wirkungsvollen Kontrast. Im tosenden Beifall waren auch Bravo-Rufe zu vernehmen.

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