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US-Kino kopiert europäische Filmhits

Weil’s so schön war, gleich noch mal: Remakes gibt es schon fast so lange wie das Kino. Gleich drei Neuverfilmungen bekannter Stoffe laufen in unseren Kinos. Ein Muss ist keines dieser Remakes – doch in der Vergangenheit gab es auch tolle Beispiele.
Geri Krebs
Im Remake von «Honig im Kopf» spielt Nick Nolte (rechts) statt Dieter Hallervorden den dementen Grossvater. (Bild: Warner Bros.)

Im Remake von «Honig im Kopf» spielt Nick Nolte (rechts) statt Dieter Hallervorden den dementen Grossvater. (Bild: Warner Bros.)

Der erste, der es gemacht hat, war Alfred Hitchcock: Der Master of Suspense verfilmte 1956 selber einen eigenen Film neu: «The Man Who Knew Too Much», das Drama um das entführte Kind eines Millionärsehepaars, 1934 mit Peter Lorre und Edna Best in den Hauptrollen, inszenierte er 1956 unter dem gleichen Titel neu. Dieses Mal in Farbe und in den USA und mit James Stewart und Doris Day in den Hauptrollen. Er schuf damit einen der grössten Hits seiner ganzen Karriere. Das Original sei das Werk eines begabten Amateurs gewesen, begründete Hitchcock seinen Entscheid, sich für einmal zu wiederholen – und das Resultat gab ihm recht, der Film ist eines der raren Beispiele dafür, wie ein Remake das Original überragt.

Hitchcock bleibt unübertroffen

«Was Hitchcock konnte, kann ich auch», mag sich der Norweger Hans Petter Moland gesagt haben, als er vom US-Produzenten Michael Shamberg (er produzierte unter anderem Quentin Tarantinos «Pulp Fiction») das Angebot erhielt, seinen Rachethriller «Einer nach dem anderen» von 2014 unter dem Titel «Hard Powder – Cold Pursuit» in den USA neu zu verfilmen. Während das Original in Molands Heimat angesiedelt war und mit Stellan Skarsgard (als rächender Schneepflugfahrer) und mit Bruno Ganz (als serbischem Mafiapaten) mit zwei grossen Europäern prominent besetzt war, spielt das Remake in den winterlichen Rocky Mountains. Mit dem seit Jahren auf Action-Rollen abonnierten Liam Neeson als Rächer und Tom Jackson als – indianischem – Mafiaboss, sowie Tom Bateman als unerbittlichem Konkurrenten von letzterem, entfesselt Moland ein so blutiges wie schwarzhumoriges Spektakel. Im Unterschied zum norwegischen Original droht die Story jedoch angesichts von Action-Overkill bald einmal leerzulaufen. Grösser, schneller, blutiger, scheint die Devise zu sein in einem Film, bei dem Dynamik und Dramaturgie bisweilen auf der Strecke bleiben.

Missglückter US-Honig im Kopf

Ein Naturgesetz bei Remakes: Mehr Geld als beim Original. Das gilt besonders für eine Tragikomödie, bei der ebenfalls der Regisseur des ursprünglichen Films erneut Regie führt – und die man im Gegensatz zu Hans Petter Molands Rachethriller nur als missglückt bezeichnen kann. Die Rede ist von Till Schweigers Alzheimerdrama «Honig im Kopf», bei dem 2014 Dieter Hallervorden als demenzkranker Grossvater an der Seite von Schweigers Tochter Emma die Herzen von Millionen berührte.

Den Film, der seinerzeit allein in der Schweiz fast eine halbe Million Eintritte verzeichnete, hat Schweiger mit Nick Nolte als Grossvater und Noltes realer Enkelin Lane in den Hauptrollen aufwendig neu verfilmt und ­dabei die Sensibilität, die das Original auszeichnete, zu Gunsten einer Abfolge grobschlächtiger Gags verpuffen lassen.

«Intouchables» war in den USA kein Erfolg

Lagen bei Moland und Schweiger gerade mal vier Jahre zwischen Original und Remake, so liegen bei einem weiteren Film, der punkto Erfolg diese bei weitem in den Schatten stellt, immerhin sieben Jahre dazwischen. Und es handelt sich dabei um ein Werk, bei dem man sich wundern muss, warum das Remake nicht schon vorher realisiert wurde: «Intouchable» des französischen Regieduos Eric Toledano/Olivier Nacache aus dem Jahr 2011. Die ­Komödie um einen gelähmten Millionär (François Cluzet), der sich für einen schwerenötigen Afrikaner als Pflegehelfer entscheidet (grossartig: Omar Sy) und sich mit diesem anzufreunden beginnt, begeisterte weltweit das Publikum. Der Film war eine der erfolgreichsten europäischen Produktionen überhaupt, erzielte international ein Einspielergebnis von fast einer halben Milliarde Dollar.

US-Schauspieler sollen Erfolg bringen

Allerdings war er in Europa weit erfolgreicher als in den USA, was nun wohl der Hauptgrund gewesen sein dürfte, warum er nun unter der Regie von Neil Burger unter dem Titel «The Up­side» mit Bryan Cranston und Kevin Hart in den Hauptrollen und Nicole Kidman als Assistentin des Millionärs in den USA neu verfilmt wurde – nachdem es zuvor bereits ein indisches und ein argentinisches Remake mit allerdings nur jeweils nationaler Kinoauswertungen gegeben hatte. «The Upside» verhält sich nun zum Original ähnlich wie «Hard Powder – Cold Pursuit» zu «Einer nach dem andern»: Es ist opulenter, die Tränendrüsen werden häufiger bedient, die Protagonisten agieren knalliger – doch ein wirklicher Mehrwert entsteht gegenüber dem Original nicht.

Da bleibt auf ein Remake eines weiteren Films hinzuweisen, das sich nun schon seit fast einem halben Jahr in den Kinos hält und das als bereits vierte Verfilmung eines 1937 erstmals realisierten Stoffes sich als unverwüstlich erweist: «A Star is Born». Im Gegensatz zu den genannten Filmen schafft es Bradley Coopers erster Film unter eigener Regie, eine alte Geschichte nicht nur ins Jetzt zu transportieren, sondern sie auch wirklich glaubwürdig neu zu erzählen – so als hörte man sie zum ersten Mal.

Hinweis
«Hard Powder – Cold Pursuit» läuft bereits in den Kinos, «The Upside» startet am 14.3, «Honey in the Head» am 21.3.

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