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WEINSTEIN-AFFÄRE: Der 5. Oktober hat eine wahre Lawine ausgelöst

In den letzten Wochen und Monaten haben mehrere Dutzend einflussreiche Männer ihren Job verloren. Filmproduzent Harvey Weinstein war der erste. Die #MeToo-Debatte gibt vielen Frauen den Mut, das Schweigen zu brechen.
An der alljährlichen Bonfire Night ging heuer Harvey Weinstein in Flammen auf. (Bild: Jack Taylor/Getty (4. November, Edenbridge, England))

An der alljährlichen Bonfire Night ging heuer Harvey Weinstein in Flammen auf. (Bild: Jack Taylor/Getty (4. November, Edenbridge, England))

Alles fing damit an, dass die US-amerikanische Schauspielerin Ashley Judd (49) dem einflussreichen Filmproduzenten Harvey Weinstein (65) sexuelle Belästigung vorwarf. Sie berichtete davon, wie Weinstein sie vor zwei Jahrzehnten zu einem angeblichen Arbeitsmeeting auf ein Hotelzimmer bestellt habe. Dort sei er ihr im Bademantel entgegengetreten und habe Judd gefragt, ob sie ihm eine Massage geben könne oder ob sie ihm beim Duschen zusehen wolle.

Der Artikel, am 5. Oktober in der «New York Times» erschienen, hat nicht einen Stein ins Rollen gebracht, sondern eine regelrechte Lawine ausgelöst. «Wir Frauen sprechen untereinander seit langem über Harvey. Es ist an der Zeit, diesen Diskurs öffentlich zu machen», sagte Judd.

Angelina Jolie zog nach («Ich hatte eine schlimme Erfahrung mit ihm in meiner Jugend und habe deshalb beschlossen, nie wieder mit ihm zu arbeiten»). Léa Seydoux zog nach («Er ist so gross und dick, dass ich viel Kraft brauchte, um mich zu widersetzen»). Und viele, viele andere. Seither werden fast täglich neue Vorwürfe gegen Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Wirtschaft publik gemacht, und die #MeToo-Debatte beherrscht die Medien.

Heute sind sie ­ weg vom Fenster

Angefangen hat es aber eben in Hollywood mit Harvey Weinstein. Am 12. Dezember erreichte die Affäre einen neuen Höhepunkt: In ihrem ebenfalls in der «New York Times» publizierten Artikel «Harvey Weinstein Is My Monster Too» erzählt die arrivierte mexikanische Schauspielerin Salma Hayek (51), wie sie Nein sagen musste. Immer wieder Nein. Und wie diese vielen Neins ihr Herzensprojekt, den Film «Frida» (2002) über die mexikanische Künstlerin Frida Kahlo, gefährdeten. Denn Weinstein, dessen damalige Firma Miramax den Film produzierte, liess ein Nein nicht gelten: «Und mit jeder Zurückweisung bekam ich Harveys machiavellistische Wut zu spüren», schreibt Hayek.

Über 30 Jahre lang soll Weinstein Frauen sexuell belästigt und vergewaltigt haben. Ihr Schweigen hat er sich mit Drohungen oder Geld gesichert. Heute ist er weg vom Fenster, und man dachte, tiefer kann man nicht fallen. Bis Kevin Spacey (58) kam. Die fünfte Staffel der Erfolgsserie «House Of Cards» läuft auf Netflix, eine sechste ist geplant. Doch der Sender hat die weitere Zusammenarbeit mit Spacey aufgekündigt. Ridley Scott hat ihn gar aus seinem Film herausgeschnitten, nachdem die Vorwürfe immer mehr und lauter wurden.

#MeToo ist ­ «Person des Jahres»

Das «Time Magazin» widmete die Dezemberausgabe den «Brecherinnen des Schweigens» – Ashley Judd, Taylor Swift, Susan Fowler, Adama Iwu –, die Social-Media-Bewegung #MeToo ist seine «Person des Jahres». Denn die Fälle von Weinstein, Spacey, Moderator Charlie Rose, Regisseur Brett Ratner, Hip-Hop-Mogul Russell Simmons und wie sie alle heissen, zeigen ein Muster: Es sind Männer, die ihre Machtposition in einer Branche mit grosser Konkurrenz über Jahrzehnte systematisch ausgenutzt haben. Die Fakten­lage ist klar, Zweifel gibt es in diesen Fällen keine.

Nichtsdestotrotz, Weinstein hat grossartige Filme produziert («Sex, Lies, and Videotape», «Pulp Fiction», «Good Will Hunting» und, und, und), und mit Kevin Spacey geht einer der herausragendsten Charakterdarsteller Hollywoods verloren. «House Of Cards» ohne Spacey? Vorerst noch mit, aber man sieht die neuen Episoden mit anderen Augen.

Eine institutionalisierte Kultur des Missbrauchs, des Schweigens und der Angst wurde aufgedeckt. Die Strukturen bleibend zu verändern, die ein solches Verhalten überhaupt möglich machen, wird hoffentlich nicht Jahrzehnte dauern.

Regina Grüter

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