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Ensemble Tammuriata in Sarnen: Weltmusik, geschüttelt und gerührt

Das Ensemble Tammuriata machte in Sarnen aus Renaissance-Tänzen ein aktuelles Weltmusikprogramm.
Urs Mattenberger
Das Ensemble Tammuriata um die aus Sachseln stammende Sängerin Lara Morger begeisterten im Theatersaal des Alten Gymnaisiums Sarnen. (Bild: Philipp Schmidli, 6. Juli 2019)

Das Ensemble Tammuriata um die aus Sachseln stammende Sängerin Lara Morger begeisterten im Theatersaal des Alten Gymnaisiums Sarnen. (Bild: Philipp Schmidli, 6. Juli 2019)

Stellen Sie sich vor, Bundesanlässe wären in den letzten 40 Jahren nicht nur vom Schweizer Armeespiel begleitet worden. Mani Matter hätte die Bundesräte am Rednerpult besungen, Polo Hofers «Kiosk» Schmarotzer aufs Korn genommen, Ruedi Rymanns «Gemsjäger» Schweizer Volkslied-Traditionen beschworen oder Holligers «Alb-Cher» dieses in die Moderne überführt. Und alles wäre zu einer Art musikalischer Schweizer Bibel zusammengeführt worden. Undenkbar!

Umso erstaunlicher ist, dass am spanischen Königshof in Madrid vor 500 Jahren ein solcher «Cancionero» entstand. Vorgestellt wurde er in Auszügen am Samstag im Alten Gymnasium Sarnen vom Ensemble Tammuriata um die aus Sachseln stammende Mezzosopranistin Lara Morger. Die jungen Musiker fanden an der Musikhochschule Freiburg zusammen und stellten sich im Theatersaal erstmals in der Region vor.

Eine Empfehlung fürs «Obwald»-Festival

Das Spektrum von Kunstmusik aus Renaissance und Frühbarock bis zum Latin-Groove venezolanischer Volkslieder entsprach dem aktuellen Trend, Grenzen aller Art zu unterlaufen. Und es hätte wohl vorzüglich ins «Obwald»-Festival hineingepasst, das wiederum nach gemeinsamen Wurzeln unterschiedlicher musikalischer Kulturen suchte (vgl. untenstehenden Artikel).

Das Ensemble Tammuriata zeigte mit seinem Programm «Delitie e contenti» quasi einen historischen Vorläufer für solche Kulturbegegnungs-Programme Eine Grundlage dafür war der durch weitere Stücke ergänzte «Cancionero», wie Lara Morger im sympathischen Kommentaren erklärte: «In diesem wurden während 40 Jahren fortlaufend höfische Musik, Tänze und Volkslieder versammelt, Musik zwischen U- und E-Musik also».

Möglich war das, weil es damals viel mehr Berührungspunkte gab zwischen E- und U-Musik. Das unterstrich das vorzügliche Spiel auf historischen Instrumenten in entsprechender Aufführungspraxis. Lara Morgers schlanke Stimme steigerte sowohl Volkslieder wie frühbarocke Gesänge zu theatralem Lauttheater – mündend in einen Herzstillstand in einem Liebesgeständnis von Purcell, atemlos sich ins Paradies rettend bei Sigismondo d'Indias «Sfere fermate». Und wo man sich mehr stimmliches Volumen gewünscht hätte, machte sie das – etwa in Monteverdis «Si dolce è il tormento» – durch intensive Wortartikulation und frei schweifende Gestaltung wett.

Aber kammermusikalisches Musizieren machte auch die Instrumentalisten zu Solisten. Die Blockflötistin Alessandra Riudalbas hatte zu Beginn mit einem 600 Jahre alten Nachtigallengesang in völliger Dunkelheit an archaische Wurzeln erinnert, in der alle Musik noch Eins war. Später steuerte sie hochvirtuose Höhenflüge bei und öffnete ihr Instrument mit punktgenau zugespitzten und gurrenden Tönen nach allen Seiten. Alma Tedde gab mit dem Barockcello dem verhalten beginnenden Abend dramatische Impulse und fächerte die Farben ihres Instruments vom aufgerauten und angerissenen Ton bis zum betörenden Schmelz in Doppelgriffpassagen auf. David Henkelmanns Cembalo blieb akustisch eher im Hintergrund, überraschte aber mit barockisierenden Introduktionen auch zu den Volksliedern.

Zum Star des Abends freilich wurde der Schlagzeuger David Auli Morales. Schon in der frühen, an neapolitanische Volksmusik erinnernden Weltmusik von Juan del Encina (1486 bis 1529) reizte er das elementare Perkussionsinstrumentarium der Renaissance immer raffinierter und vielschichtiger aus. Endgültig zu fliegen begannen seine Rhythmen, wo er in süffigen venezolanischen Liedern – neben Trommeln – zweihändig mit Rasseln jonglierte, wie ein Zirkusartist. Geschüttelt oder gerührt? Da war die Musik auf phänomenale beides.

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