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Figurentheater Luzern: Wenn die grossen Monster immer kleiner werden

Die neuen Leiterinnen des Figurentheaters Luzern zeigen in der letzten Premiere noch einmal die ganze Vielseitigkeit und Möglichkeiten ihrer Puppenspiele. Und bieten ein grosse Vergnügen, nicht nur für die Kinder.
Roman Kühne
Jacqueline Surer und zwei der Monster. (Bild: PD)

Jacqueline Surer und zwei der Monster. (Bild: PD)

Was für ein Schlucken, Schnappen, Fressen und Schlingen! Grösser und grösser werden die Monster, die dem armen Jungen Louis nachstellen. Doch – und dies ist überraschend – werden die Ungeheuer auf der Bühne selber immer kleiner.

Denn wie kann man einen roten, riesigen Grabscher darstellen? Mindestens so hoch wie ein Haus und dick wie ein Berg soll die Bestie sein. Dies sprengt natürlich klar den Rahmen der «Box» neben dem Luzerner Theater, wo am Samstag die Premiere von «Der Tag an dem Louis gefressen wurde» stattfand.

Das letzte Monster wird durchs Fernrohr beobachtet

Es ist das letzte Spiel der Saison des Luzerner Figurentheaters. Und die beiden neuen Leiterinnen Sybille Grüter und Jacqueline Surer ziehen noch einmal alle Register ihrer Theaterkunst. Sie lösen das Problem der immer grösser werdenden, kinderfressenden Alpträume elegant. Das letzte Monstrum wird aus der Ferne von den Tanten der Kinder, ihres Zeichens Lehrerinnen an der Monsterschule, durch das Fernrohr beobachtet. So genügt eine kleine Kartonfigur – der grosse rote Grabscher – der den noch kleineren schwarzen Chätscher jagt. Mit heutigen Mitteln wäre ein bombastischer Schluss auch auf der Kinderbühne realisierbar. Doch anstelle einer Riesenfigur oder eines überladenen Show-Effekts wird das Ende ganz der Fantasie der Zuschauer überlassen.

Spielerinnen interagieren mit den Puppen

Überhaupt spielen die beiden Akteurinnen immer wieder mit solchen Zwischenebenen, brechen geschickt die Wahrnehmung auf der Bühne entzwei, übertragen die Handlung quasi in eine andere Dimension. Es ist ein Spiel mit Nähe und Distanz. Ein Wechsel zwischen der visuellen Wirklichkeit und ihrer Spiegelung. So springen die sich jagenden Biester und die hinterhereilende Schwester Lilli nicht in einen Fluss, sondern direkt in ein Schattentheater. Ein magischer Ort, untermalt von Walklängen, wo im Lichte von Taschenlampen schemenhaft die Haie, Fische und Figuren tanzen.

Oder der Augenblick der Rettung, wo Lilli wagemutig in den Bauch der verschiedenen Fresser steigt. Hier ist es eine Art Scherenschnitt, der des Mädchens Weg in die Schlunde zeigt. Poetisch und witzig zugleich. Auch das Spielen selber findet auf verschiedenen Ebenen statt. Sybille Grüter und Jacqueline Surer interpretieren die beiden Tanten der Kinder direkt. Interagieren mit ihren Handpuppen hinter dem Tuch oder unmittelbar vor dem Publikum, locker zusammen mit ihnen auf den Kisten sitzend.

Utensilien brauchen sie, ausser Boxen und den gekonnt gemachten Schaumgummipuppen, keine. Wie schon in anderen Produktionen – in «Hotzenplotz» vom Oktober reichte eine Wäscheleine als Bühnenrequisit – vertrauen die beiden Frauen ganz auf die Kraft des Spiels, setzen gestalterische Mittel reduziert ein.

Witz, der sich auch an Erwachsene richtet

Dabei fehlt es durchaus nicht an Witz, der sich teils an die Kinder, teils aber auch an die Erwachsenen richtet. Wenn die eine Schwester der anderen «Kuschelpädagogik» in Bezug auf die Monster vorwirft und diese mit «Druck erzeugt nur Gegendruck» kontert, so scheint diese Diskussionen fast aus dem Lehrplan 21 gegriffen.

Vor allem ist ihre Interpretation des Kinderbuches des Engländers John Fardell jedoch ein Erlebnis und Vergnügen für die kleinen Zuschauerinnen und Zuschauer. Dass ein Kind die ganze Fresserei nicht ertrüge, muss wohl keine Sorge sein. Zu süss und fröhlich ist die ganze Monsterschar. Zu poetisch, ja teils fast abstrakt findet das Schlingen und Jagen statt. Am Schluss applaudieren die Kinder begeistert.

«Der Tag, an dem Louis gefressen wurde». Noch bis und mit Sonntag 24. März, Box neben Luzerner Theater. www.luzernertheater.ch

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