Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Konzert im KKL:
Wenn die Klarinette zur Tanzstange wird

Martin Fröst toppt mit seinen Klezmerimprovisationen sogar das Melodiewunder von Mozarts Klarinettenkonzert.
Roman Kühne
Martin Först in Aktion. (Bild: PD)

Martin Först in Aktion. (Bild: PD)

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust. Diese Aussage aus Goethes «Faust» könnte auch vom Klarinettisten Martin Fröst stammen. Denn eigentlich ist er in der klassischen Musik zu Hause. Sieht man ihn jedoch auf der Bühne tänzeln, schwingen und knicken, so wähnt man sich fast an einem Jazzkonzert. Gibt es als Zugabe dann noch Klezmermusik, verwandeln diese jüdischen Volksklänge das KKL endgültig in einen Tanzpalast. Wenigstens auf der Bühne. Dem Publikum bleibt an diesem Freitagabend nur die begeisterte Standing Ovations für das Improvisieren, die rhythmischen Geräusche, die Mehrfachtriller und den zweistimmigen Spielgesang des Klarinettisten.

Doch eigentlich ist Martin Fröst nach Luzern gekommen, um das vielen wohl einzig wirklich bekannte Klarinettenkonzert aufzuführen, dasjenige von Mozart. Fast schade ist es, dass der praktisch ausverkaufte Auftritt im Rahmen der Migros-Kulturprozent-Classics nicht ganz auf den Klezmer setzt. So wie es früher der Klarinettist Giora Feidman machte, der ebenfalls die grossen Säle locker füllte.

Das Orakel und der Märchenerzähler

Natürlich, auch Mozarts Melodienwunder spielt Martin Fröst ausgezeichnet. Nicht umsonst hat er sich schon 2005 mit seiner Aufnahme des Konzerts im Blindtest gegen 49 andere CD-Aufnahmen durchgesetzt. Mit einem unglaublich leichten und runden Ton geht er in die Komposition, schlank in den hohen Lagen, voll und kernig in den tiefen Registern. Beschwörend, einem Orakel gleich, tanzt er um seine Klarinettenstange.

Er ist ein geheimnisvoller Geschichtenerzähler. Seine Kadenz im zweiten Satz ist ein fast regloser Hauch. Gespielt mit dem weiten Bogen der Zirkulations­atmung, einer Bläsertechnik, bei der man gleichzeitig ein- und ausatmet, zieht er die Töne ohne Pause weiter. Der wirbelnde Schluss ist ein technisch perfektes Fliessen von Finger und Artikulation, fast zu selbstverständlich und entspannt. Das viel gespielte Stück erhält so etwas Künstliches, es fehlt teils die Intensität. Ein Gletscherstein, der durch das viele Drehen alle Kanten und Rillen verlor.

Jazz und grosse Sinfonik

Begleitet wird Fröst vom Royal Stockholm Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Sakari Oramo. Diese rahmen das Konzert mit zwei Kompositionen. Zuerst das attraktive Kraftstück «Furioso für grosses Orchester» des Schweizers Rolf Liebermann. Die Musiker spielen die jazzige, an die 12-Ton-Musik angelehnte Komposition mit Feuer und Energie.

Auch in der 1. Sinfonie von Gustav Mahler bringt das Orchester zauberhafte Stellen. Derb zeichnet es den Bauerntanz des zweiten Satzes, inspirierend schwingt das leichte Schleppen des anschliessenden Walzers. Der Schlusssatz ist ein aufregender, stürmischer Wirbel. Nur in den langsameren Stellen vermisst man die letzte Innerlichkeit. Den grossen Applaus verdanken die Musiker mit der Zugabe «Festspel» des schwedischen Komponisten Hugo Alfvén.

Mozarts Klarinettenkonzert erklingt auch im Muttertagskonzert mit Klarinettistin Sabine Meyer und dem Kammerorchester Basel: Sonntag, 12. Mai, 17 Uhr, KKL.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.