Wenn Kunst mit Kunst spielt – so echt ist die Sammlung

Die diesjährige Sammlungsausstellung befasst sich mit Begriffen wie Kopie und Fotorealismus. Das ist so komplex wie lehrreich.

Susanne Holz
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Zweimal Fotorealismus von Franz Gertsch. Links «Jean Frédéric Schnyder» (1972, zweifarbige Lithografie). Rechts: Luciano Castelli I (1971, Dispersion auf Leinwand).

Zweimal Fotorealismus von Franz Gertsch. Links «Jean Frédéric Schnyder» (1972, zweifarbige Lithografie). Rechts: Luciano Castelli I (1971, Dispersion auf Leinwand).

Bild: Jakob Ineichen (Luzern, 26. Februar 2020)

Kopie, Readymade, Appropriation, Fotorealismus, Naturalismus – wer die diesjährige Sammlungsausstellung besucht, kuratiert von Alexandra Blättler, der wird wahrhaft klug. Anhand von Werken aus der Sammlung und anhand von Leihgaben geht die sehr ambitionierte Ausstellung auf alle diese Begrifflichkeiten ein. Auf sieben Räume verteilt, spürt das Museum Phänomenen wie Imitation, Reproduktion und Wiederholung nach. Und zeigt: Es ist doch alles echt!

Indem die Ausstellung Kunstwerke verschiedener Epochen zusammenbringt, macht sie deutlich: Es wird schon immer kopiert, zitiert und imitiert. Und um es dem Betrachter einfacher zu machen, werden die lexikalischen Begrifflichkeiten genau erklärt. Nicht zu missverstehen ist natürlich der Begriff der Kopie. So präsentiert die Sammlungsausstellung gleich drei Kopien grosser Werke: eine Kopie von da Vincis «Mona Lisa», eine Kopie von «Las Meninas» von Velazquez (ab Juni) und eine Kopie eines Familienbildnisses von Frans Hals.

Die Kopie als Hommage an ein Vorbild

Kopie wie Appropriation – also Aneignung eines anderen Kunstwerks als Zitat – ist das gezeigte Werk von Sebastian Utzni, das in einer Vielzahl an Gemälden das viel zitierte Werk «L`origine du monde» von Gustave Courbet präsentiert. Ist die Kopie einer «Mona Lisa» eher als Hommage an ein Vorbild zu verstehen, so sind andere Zitate, wie das von Utzni, ironisch gemeint oder sie thematisieren das Phänomen der Reproduktion in verschiedenen Medien. Alexandra Blättler: «Sebastian Utzni untersucht beispielsweise, wie Gustave Courbets ‹L`origine du monde› publiziert und reproduziert wird.»

Utzni zeige die Rezeptionsgeschichte dieses Gemäldes auf – «bis heute ein kaum übertroffenes Werk der Provokation» –, indem er angeschnittene Seiten aus Zeitung, Katalog und Comic reproduziere.

Schöne Beispiele für Naturalismus und Fotorealismus wiederum geben die gezeigten Werke von Robert Zünd (1826–1909) und Franz Gertsch ab. Während Zünd eine möglichst genaue Imitation der Natur anstrebte und detailgetreu jedes Laubblatt wiedergab, bezog sich Gertsch auf Fotografien von Menschen aus seinem persönlichen Umfeld, als er in den Siebzigern junge Luzerner Künstler in fotorealistischen Bildern verewigte. Eindrucksvoll ist das grossformatige Gemälde, das den jugendlichen Luciano Castelli zeigt – es ist, als wäre er im Raum. Und natürlich sind auch Readymades ein Thema: Alltagsgegenstände, zur Kunst erklärt. Es gibt viel zu entdecken in dieser Sammlungsausstellung, die den Begriff Kunst wahrhaftig auseinandernimmt.

Hinweis: «Alles echt! Werke aus der Sammlung»: 29.2. bis 22.11. 2020. Unterwegs mit der Kuratorin: 1.3., 11 Uhr, Rundgang mit Alexandra Blättler. Enthüllung: 25.3., 18 Uhr, Künstler Sebastian Utzni verrät die ganze Wahrheit über Gustave Courbets «L`origine du monde». Programm total: www.kunstmuseumluzern.ch