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Klang Meggen: Wenn Musik und Natur verschmelzen

Die Klang Musiktage wurden von dem international bekannten Mandelring Quartett mit Musik aus Wien, Mailand und Prag eröffnet. Die herausragend gespielten Kompositionen wurden auch visuell perfekt ergänzt.
Gerda Neunhoeffer
Das Mandelring Quartett eröffnete «Klang Meggen». Die Aufnahme entstand vor dem Konzert, im Hintergrund Schloss Meggenhorn mit Kapelle und Pilatus. (Bild: Pius Amrein, 14. Juni 2019)

Das Mandelring Quartett eröffnete «Klang Meggen». Die Aufnahme entstand vor dem Konzert, im Hintergrund Schloss Meggenhorn mit Kapelle und Pilatus. (Bild: Pius Amrein, 14. Juni 2019)

Man kann sagen: Alle Jahre wieder. Nicht nur zwischen Weihnachten und Neujahr haben sich die Klang Musiktage auf Schloss Meggenhorn seit 2006 etabliert, auch im Juni findet das kleine, erlesene Kammermusikfestival bereits zum achten Mal statt.

Auch diesmal verbinden sich Ausblick, festlich geschmückter Saal und Musik mit ausgesuchten Künstlern zu einem Erlebnis für alle Sinne. Inzwischen gibt es viele dieser kleinen Festivals rund um den Vierwaldstätter See, und alle haben ihren ganz eigenen Charakter. In Schloss Meggenhorn ist man besonders nah bei den Musikern, denen das offenbar auch sehr gut gefällt.

Das Mandelring Quartett, das selber seit dreiundzwanzig Jahren ein Kammermusikfest auf Schloss Hambach in Neustadt an der Weinstrasse veranstaltet, ist zum zweiten Mal zu Gast. Fabio di Casola, künstlerischer Leiter der Klang Musiktage, spielt nächste Woche mit dem Mandelring Quartett beim Hambacher Musikfest – musikalische Freundschaft länderübergreifend.

Drei Geschwister und ein Bratschist harmonieren

Macht man von Kindheit an zusammen Musik, ist das die Basis für intensives, blind gelingendes Verständnis. Bei den Geschwistern Schmidt – Sebastian und Nanette (Violinen) sowie Bernhard (Cello) – ist das vom ersten Ton an hörbar. Und Bratschist Andreas Willwohl passt sich perfekt in den besonderen Klang ein, der das Quartett auszeichnet.

Was beim Eröffnungskonzert der Klang Musiktage am Freitagabend neben den aussergewöhnlichen Interpretationen richtig familiär wirkt, sind die Einführungen in die Werke. Da sprechen die Musiker abwechselnd wie zu ihren Freunden und würzen ihre Worte mit Musikbeispielen; das ist herzerfrischend und macht die Nähe, in der man im Halbkreis um die Künstler sitzt, noch intimer. So mag es gewesen sein, als Mozart seine Quartette dem älteren Freund Haydn vorspielte, dem er sechs davon widmete. Und von denen Haydn zu Mozarts Vater Leopold gesagt hat: «Ich sage Ihnen vor Gott, als ehrlicher Mann, Ihr Sohn ist der grösste Komponist, den ich von Person und dem Namen nach kenne.»

Aus Lieblichkeit entstehen auch Schmerz und Reibung

Das Mandelring Quartett beginnt seine Reise Wien–Mailand–Prag mit Mozarts Streichquartett Es-Dur KV 428. Und gleich ist man gefangen vom dichten Unisono-Beginn, der elf Töne umspannt, aus denen sich die Melodien im ersten Satz entwickeln. Dieses Allegro non troppo lebt von Hell-Dunkel-Kontrasten, die das Quartett intensiv ausspielt. Im Andante con moto verstärkt sich die kühne Harmonik weiter, und wie sich aus dem lieblich gesanglichen Beginn schmerzvolle Chromatik Bahn bricht, das tönt gleich intensiv durch alle Instrumente.

Da sind die Reibungen wirklich dissonant und werden dicht gespielt. Da entstehen Klänge, die weit über Mozart hinausweisen und sich sin Puccinis «Crisantemi» verstärken. Dieser Bezug der Kompositionen aufeinander ist im ganze Konzert spürbar und wird von den Musikern bewusst gestaltet. Dann klingen die lustigen Geigenfiguren im Menuetto ebenso fein ziseliert wie die spritzigen Themen im letzten Satz; diese wirken durch kleine Pausen noch temperamentvoller und weisen auf Dvořák hin.

Die Trauermusik von Giacomo Puccini lebt von an Wagner erinnernder Intensität und heftigen Dissonanzen. Das Mandelring Quartett spielt exzessiv und lässt impressionistische Klänge über der Trauer schweben. Und wie danach durch die kurz geöffneten Fenster Vogelgezwitscher in den Saal klingt, ist das die perfekte Überleitung von Mailand nach Prag zu Antonín Dvořák. Auch der Blick auf See und Berge passt wunderbar zum Streichquartett Es-Dur op. 51 des böhmischen Komponisten.

Wie eine Zusammenfassung von Mozart und Puccini erklingt die Musik nun. Auch hier betören die Mittelstimmen von Nanette Schmidt und Andreas Willwohl mit Schmelz, Sebastian Schmidts erste Violine fügt sich wunderbar ein, und Bernhard Schmidts volltönendes Pizzicato atmet Weite ebenso wie seine Kantilenen. Da sieht man Landschaften vorüberziehen, in denen Dvorak seine Fülle an Themen entwickelte; mit Leidenschaft spielt das Quartett den Ideenreichtum aus.

Beim Apero auf der Terrasse kann man sich mit Musikern und Zuhörern austauschen. Und auf die Frage nach dem Namen des Quartetts erfährt man: «Das ist der Name der Strasse in Neustadt, wo wir aufgewachsen sind.»

Es hat noch Karten für Sonnatg, 16. Juni.

11 Uhr: Schubert Oktett mit dem «Schweizer Oktett».

17.45 Uhr: «Der Klang der Vögel» mit «Le donne virtuose».

www.klang.ch, 041 250 79 02.

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