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Kino-Film: Wenn sich das Ich im Gemeinschaftsgefühl auflöst

Im persönlichen Dokumentarfilm «Der nackte König» denkt der Regisseur Andreas Hoessli laut nach. Das ist oft erhellend.
Regina Grüter
Die polnische und die iranische Revolution waren Massenerhebungen. Im Iran waren 20 Prozent der Bevölkerung beteiligt. (Bild: Vinca Film)

Die polnische und die iranische Revolution waren Massenerhebungen. Im Iran waren 20 Prozent der Bevölkerung beteiligt. (Bild: Vinca Film)

1978 kam Regisseur Andreas Hoessli mit einem Forschungsstipendium nach Polen. Heute, 40 Jahre später, reflektiert der ehemalige Osteuropa-Korrespondent in «Der nackte König – 18 Fragmente über Revolution» über das Wesen von Volksaufständen und «den Versuch, ein neues Lebensgefühl im Gedächtnis festzuhalten».

Damals erfuhr Hoessli durch die Berichte des berühmten polnischen Reporters Ryszard Kapuściński von den Umwälzungen im Iran, der dorthin gereist war, um zu «erfahren, wie die Leute auf der anderen Seite der geteilten Welt leben», jenseits des «Eisernen Vorhangs». Kapuściński wie Hoessli hegten Sympathien für den Untergrund und weckten das Interesse des Geheimdiensts.

Unglaublich interessante Gesprächspartner

In seinem essayistischen Dokumentarfilm bringt Regisseur Andreas Hoessli die iranische, 1979, und die polnische Revolution, 1980 zusammen. Historiker Frank Bösch hatte jüngst dasselbe getan und spricht von einer Zeitenwende, wie Aram Mattioli, Geschichtsprofessor an der Universität Luzern, weiss – da war aber die Idee von Hoessli schon geboren. Mattioli führte durch das Gespräch im Anschluss an die Luzerner Premiere.

Auch für Hoessli ist es eine Zeit von Umwälzungen, und er hat unglaublich interessante Gesprächspartner gefunden und vor die Kamera bekommen, auf beiden Seiten. So etwa Mohsen Rafiqdoost, den ehemaligen Chauffeur von Ayatollah Chomeini, oder Leute, die damals in hoher Position für den polnischen Geheimdienst arbeiteten und «aus dem Nähkästchen plaudern», wie es jemand aus dem Publikum schön formuliert hat. Höchst faszinierend sind die Äusserungen von Masoumeh Ebtekar, heute Vizepräsidentin, die über ihre Rolle als Studentensprecherin während der Besetzung der US-Botschaft reflektiert. Wie man hieran schon merkt, setzt der essayistische Dokumentarfilm vom Zuschauer einiges an Vorwissen voraus, zu viel vielleicht manchmal. Auch gelingt es nicht, die Gründe für diese beiden Volksaufstände gleich plausibel aus Bildern und Worten herauszukristallisieren.

Nicht einfaches, aber lohnendes Kino, das dazu herausfordert, selber nachzudenken und zu erkunden. «Eine tiefgründige, subtile Annäherung an das Thema, die bewegt», um es mit den Worten Mattiolis zu sagen. Mit der wunderbaren, unverwechselbaren Stimme von Bruno Ganz, der Hoesslis Gedanken zwischen Traum und Erinnerung spricht, die den Film mit teilweise verblüffendem Archivmaterial zusammenhalten. Lauter Denkanstösse fürs Publikum.

«Der nackte König» läuft bis zum 25.9. 19 im Stattkino, Luzern.

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