Kunst
Ausstellung in der Galerie Müller Luzern: Wenn Steine das Denken fliessen lassen, wird graue Welt bunt

Die Künstlerin Stella Pfeiffer entlockt dem Sujet Stein Landschaften und Welten. Vermeintlich Starres wird bewegt – und fordert uns heraus.

Susanne Holz
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Frau der Steine. Stella Pfeiffer zeichnet «Landschaften in Stein». Aktuell zu sehen in der Galerie Müller.

Frau der Steine. Stella Pfeiffer zeichnet «Landschaften in Stein». Aktuell zu sehen in der Galerie Müller.

Bild: Nadia Schärli (Luzern, 18. Mai 2021)

Die Künstlerin Stella Pfeiffer kann so wundervolle Sätze formulieren, dass man darüber beinahe ihre Kunst vergisst. Beim Gespräch über ihre Ausstellung «Landschaften in Stein», zu sehen in der Galerie Müller in der Luzerner Haldenstrasse, sagt die gebürtige Bernerin etwa: «Zeichnen ist für mich Denken.» Seit einigen Jahren setzt sich Stella Pfeiffer mit dem Sujet Stein auseinander, mehrere Werkzyklen hat sie dazu bereits entwickelt. Die Künstlerin findet: «Als denkender Mensch befinde ich mich ebenso in einer Spannungskonstellation wie ein vermeintlich statischer Stein, der innerhalb dynamischer Prozesse doch umgeformt wird.»

Stella Pfeiffer zeichnet «Landschaften in Stein».

Stella Pfeiffer zeichnet «Landschaften in Stein».

Bild: Nadia Schärli (Luzern, 18. Mai 2021)

Steine faszinierten die auf einem Bauernhof bei Bern aufgewachsene Künstlerin schon immer. «Steine sind omnipräsent», sagt die 52-Jährige, «aber man achtet nicht auf sie – ausser vielleicht in den Ferien.» Steine generierten jedoch Assoziationen.

«Und Wahrnehmung ist ein dynamischer Prozess, sie wird stets neu konstruiert.»

Darauf ein weiterer wunderbarer Satz: «Wir können der Wirklichkeit gar nicht so habhaft werden.»

«Wie das Erobern von Land auf einem Blatt»

Stella Pfeiffers Zeichnungen formen Steine zu Landschaften, lehnen sich an den Surrealismus an, arbeiten mit dem Unbewussten und mit Erinnerungen. Sie schmeicheln dem Auge nicht auf Anhieb so, wie etwa in Öl gemalte Stillleben es tun. Sie lasse sich gerne von ihren eigenen Zeichnungen überraschen, so Pfeiffer. Eine eigene Welt sei jedes Blatt. Dann formt die Künstlerin einen schönen Satz mehr, der ihr Gefühl beim Zeichnen beschreibt: «Wie das Erobern von Land auf einem Blatt.»

Stella Pfeiffer zeichnet «Landschaften in Stein».

Stella Pfeiffer zeichnet «Landschaften in Stein».

Bild: Nadia Schärli (Luzern, 18. Mai 2021)

Pfeiffers in sich geschlossene Steinwelten auf kleinem Format sind in vielen Schichten gezeichnet, und sie beeindrucken durch ihr vielfältiges Grau. «Eine Buntheit im Unbunten», nennt es die Künstlerin. Dazu passt auch die Zeile aus einem Gedicht von Paul Celan, die Stella Pfeiffer vor Jahren ebenfalls zu ihren Werkzyklen zum Sujet Stein inspirierte: «Es ist Zeit, dass der Stein sich zu blühen bequemt.» Eine weitere Inspiration war die «Steinfrau» von Meret Oppenheim. «Auf mich wirkt sie lebendig», sagt die Luzerner Künstlerin.

Stella Pfeiffer «Landschaften in Stein». Galerie Müller, Haldenstrasse 7, Luzern. Bis 5. Juni 2021. Geöffnet Do/Fr 14–18 Uhr; Sa 13–17 Uhr. Künstlerin anwesend am 27. Mai (14–18Uhr)/5.Juni (13–17 Uhr). www.galeriemueller.ch