Treulose Väter
Wenn Väter ihre Familie verlassen

Zum ersten Mal hat Stanislas Wawrinka (25) Stellung genommen zu seiner Flucht vor der Familie. Ich wasche keine dreckige Wäsche in der Öffentlichkeit, sagt er. Und lässt durchblicken, dass nicht die Koliken seiner Tochter die Trennung veranlassten.

Claudia Landolt
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«Ich habe noch ein paar schöne Jahre Tennis vor mir», sagte Stanislas Wawrinka zum «Blick». Offenbar kann sich der Tennis-Romand nun besser auf seine Tenniskarriere konzentrieren, da er nicht zugleich Familienvater ist (sein muss). Die gemeinsame Tochter Alexia sei ein Kolikbaby gewesen, sagte Stans Noch-Ehefrau Ilham Vuilloud (36) in einem Interview. Die Spekulationen gingen los: waren es die durchgeschrienen Tage und Nächte, die dem Profisportler die Nerven raubten? Seine Partnerin, die er als reife Frau kennen lernte und nun angesichts eines Schrei-Bays zu einer überforderten Mutter mutierte? Oder war es das Korsett Familie, das ihn, den Spitzensportler, zu sehr einschnürte?

Ein Indiz dafür, dass wohl einfach schlicht die Liebe verloren ging, ist Stanislas' Aussage zu bewerten: «Vor meinem Viertelfinal bei den US Open habe ich immer gute Matches gespielt, diese aber meistens verloren», so der Professional zu «Blick». «Die Frustration wurde drückend. Jetzt fühle ich mich von einem Gewicht befreit.» Sich einzugestehen, dass die Liebe vorbei ist - mit 25! -, doppelt schwer, wenn ein Kind im Spiel ist. Denn der böse Part, den wird immer er tragen. Sportlich zumindest scheint ihm die Trennung neue Flügel verliehen zu haben. Zuvor in Indien und auch nun in Australien spielt er souverän. «Blick» schrieb, der Spieler wirke jetzt befreit, losgelöst, glücklich.

Häufig: Von der Familienidylle flüchtende Sportler

Stanislas Wawrinka ist nicht der erste Sportler, der seine Frau und sein Baby verlässt. Überhaupt scheint der Drang, woanders, aber nur nicht zu Hause zu punkten, bei Sportlern und Jungvätern in spe besonders ausgeprägt zu sein.

Schlagzeilen machte die deutsche Torwartlegende Oliver Kahn, als er seine damalige schwangere Frau Simone mit einer Barfrau betrog. Zwei Wochen nach Geburt seines jüngsten Kindes liess er Simone sitzen.

Und Englands Fussball-Rüpel Wayne Rooney betrog seine Frau, als diese im fünften Monat schwanger war.

Kaum zu toppen ist auch Tiger Woods, der in fünf Jahren Ehe rund 121 Gespielinnen ausserehelich beglückte.

Der abgebrühteste Herzensbrecher von allen war Boris Becker. Er vergnügte sich in der Besenkammer (angeblich war es «nur» der Treppenabsatz des Londoner Nobel-Japaners «Nobu» mit Angela Ermakowa), als seine damalige Frau Barbara mit dem zweiten Sohn Elias in den Wehen lag.

Panik vor der Verantwortung

Anders aber als Wawrinka, der stets als introvertiert, bescheiden und treu galt, trieb diese werdende Väter schlicht die Angst um. Und wohl auch der eigene narzisstische Anteil, der befürchtet, von einem Ungeborenen enthront zu werden. Panik vor der Verantwortung ist das eine, aber Sie fragen sich auch, ob das Kind beim Sex verletzt werden könnte, ob ihre Frau sie noch begehrt, wie sie mit dem veränderten Körper umgehen sollen, und was sich in der Zukunft alles für sie ändern wird. Sie fürchten sich, ab Geburt nur noch die Nummer Zwei im Leben ihrer Partnerin zu sein. Nicht zu vergessen: Für Männer ist der Sex in der Beziehung häufig ein Gradmesser für die Qualität der Partnerschaft - und wenn der Sex ausbleibt, und das ist insbesondere in der Früh-Schwangerschaft nicht selten der Fall, heisst das eben für manchen, dass auch die Beziehung am Ende ist.

Ein Kind bringt die innere Ordnung des Erwachsenen durcheinander, schreibt die Fachzeitschrift «Psychoanalyse aktuell». Das Gleichgewicht der Befriedigungen, die der Vater für sich und mit seiner Partnerin gefunden hat, wird partiell ausser Kraft gesetzt. Die eigene Toleranz und die Belastbarkeit des Paares werden auf die Probe gestellt - ob sich das mit dem Leben als Spitzensportler vereinbaren lässt? Dinosaurier, Vulkane, Legoburgen, Märchen und Riesen werden mir zur lustvollen Beschäftigung, als sei es das erste Mal in einem Erwachsenenleben. Hand aufs Herz: Nicht jeder ist dafür geschaffen.

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