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«Werft die Juden doch in den See»

Die Oper ist brandaktuell, stammt aber aus dem Jahr 1835 – und wird jetzt in Konstanz auf beklemmende Weise neu entdeckt. Denn «La Juive» von Jacques Halévy spielt zur Zeit des Konzils an diesem Ort.
Rolf App
Die Lutherkirche als Hinrichtungsraum – mit Yana Kleyn und Kristian Benedikt. (Bild: Konzilstadt Konstanz/Ilja Mess)

Die Lutherkirche als Hinrichtungsraum – mit Yana Kleyn und Kristian Benedikt. (Bild: Konzilstadt Konstanz/Ilja Mess)

Dies ist ein Artikel der "Ostschweiz am Sonntag". Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Geht man offenen Blickes durch Konstanz und hat man für einmal nicht nur Augen für die Einkaufstempel, dann kann man sie da und dort sehen: Stolpersteine, die daran erinnern, wo einmal Juden gelebt haben, bevor sie in der ­Nazizeit vertrieben und zumeist auch umgebracht worden sind. Konstanz war auch eine von Juden bewohnte Stadt und ist es heute wieder. 300 Juden wohnen wieder dort, viele eingewandert aus der ehemaligen Sowjetunion. Anfang kommenden Jahres soll eine neue Synagoge eingeweiht werden. «Ich empfinde diesen Bau im Herzen der Stadt als einen Neubeginn für das Judentum, aber auch für Konstanz», sagt Arthur Bondarev, stellvertretender Vorsitzender der Synagogengemeinde.

Wie Halévys «La Juive» nach Konstanz kam

Eine Hommage an die Juden und eine Erinnerung an ihr Schicksal ist jene Oper, die zum Konzilsjubiläum aufgeführt wird und die am Donnerstagabend an drei Schauplätzen der Altstadt Premiere gehabt hat. «La Juive» von Jacques Fromental Halévy ge­-hört zu den grossen Opernerfolgen im Paris des 19. Jahrhunderts, 150000 Francs in Gold hat bei der Uraufführung am 23. Februar 1835 allein die Ausstattung gekostet. Ursprünglich wollte der Librettist Eugène Scribe sie im indischen Goa spielen lassen, dann aber wählte er Konstanz zur Zeit des Konzils als Schauplatz. Den er durchaus kannte. Denn 1826 hatte Scribe als Gast von Hortense de Beauharnais, der Adoptivtochter von Napoleon I. (und Mutter des späteren Napoleon III.), auf Schloss Arenenberg geweilt. Und möglicherweise auch jene Ausstellung zum Konzil gesehen, die 1824 im oberen Konzilssaal eröffnet worden ist.

Privates vermischt sich mit dem Politischen

Der erste Teil von «La Juive» spielt im Hof am Turm hinter dem Kulturzentrum, also in unmittelbarer Nähe zum Münster. Lustige Trinklieder anstimmend, geleitet der Chor dann die Zuhörer zum Concept Store Sankt Johann, einem ehemaligen Kirchenraum, der den Palast der Prinzessin Eudoxie darstellt. Zur letzten Station, der Lutherkirche, gehen wir auf jenem Weg, den der vom Konzil zum Tode verurteilte Jan Hus am 6. Juli 1415 zum Scheiterhaufen gegangen ist. Jetzt trägt der Chor spitze Hüte, und er singt nicht mehr. Was er jetzt hervorstösst, sind jene Verwünschungen, mit denen die katholische Kirche die Juden bedacht hat. Und die Kirche, blutrot ausgeleuchtet, wird zum Hinrichtungsort.

Dass es so enden könnte, hat sich schon früh angedeutet. Denn schon in der ersten Szene will der geschniegelte Stadtvogt Ruggiero (dargestellt von Vladislav Pavliuk) den jüdischen Goldschmied Éléazar (Kristian Benedikt) verhaften lassen. «Werft die Juden doch in den See», stimmt der Chor ein, doch Kardinal Brogny (Tadas Girininkas) hindert sie daran. Er teilt mit Éléazar ein dunkles Geheimnis. Und auch der Reichsfürst Léopold (Francisco Brito) hat ein Geheimnis, denn neben seiner Gemahlin Eudoxie (Justyna Samborska) liebt er Éléazars Tochter Rachel (Yana Kleyn). So überlagern sich Privates und Politisches, allgegenwärtig ist der Hass auf die Juden, den Éléazar von Herzen erwidert.

Was Halévy als grosse Oper angelegt hat, das formt der Regisseur Johannes Schmid zum beklemmendem Kammerstück, zu dessen Intensität Yana Kleyn und Justyna Samboska mit ihrem Spiel und ihren Stimmen Entscheidendes beitragen. Auch ­Tadas Girininkas als zwischen Milde und Rücksichtslosigkeit schwankender Kardinal macht eine sehr überzeugende Figur.

Die Südwestdeutsche Philharmonie spielt in geschickt verkleinerter Besetzung. An den Anfang und ans Ende hat der Dirigent Hermann Dukek Musik von Viktor Ullmann gesetzt, der 1944 in Auschwitz ermordet worden ist. Auch er schlägt eine Brücke zu den Stolpersteinen.

«La Juive» wird bis zum 9. Juli noch zehn Mal gespielt. www.konstanzer-konzil.de

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