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Wie ein knallig-pinker Kaugummi

Der Kino-Film «Rafiki» vermittelt Lebensfreude und die Besonderheit der ersten Liebe auch durch farbige Wäsche, die ­zwischen den Häusern trocknet. Diese kenianischen Filmemacher denken nicht schwarz-weiss.
Regina Grüter
Keck und zurückhaltend: Ziki (rechts) berührt ihre Freundin in der Kirche vor allen Leuten. Das ist Kena unangenehm. (Bild: Trigon-Film)

Keck und zurückhaltend: Ziki (rechts) berührt ihre Freundin in der Kirche vor allen Leuten. Das ist Kena unangenehm. (Bild: Trigon-Film)

Die sorgfältig gestaltete Titel­sequenz des kenianischen Spielfilms «Rafiki» gibt den Takt vor. Eine junge Frau skatet zum Dance­hall-Beat der Rapperin Muthoni Drummer Queen durch die lebendigen Strassen Nairobis. Es wird Fussball gespielt, Messer werden geschliffen, Kinder gehen zur Schule; es wird gearbeitet, gekocht, gespielt.

Das ist rhythmisch, farbig, jung und frisch. Slopes heisst das Quartier, in dem Kena (Samantha Mugatsia) lebt; ein Mikrokosmos um eine grosse Wohnsiedlung mit rosaroten und orange-beigen Häusern, eigener Kirche, Schule und Läden. Treffpunkt ist Mama Atims Kiosk-Café, ein ­Wagen mit ein paar Tischen und Stühlen vorne dran. Hier spielt Kena mit ihrem besten Freund, dem Töfftaxifahrer Blacksta, Karten. Es wird geredet und viel gelacht, wie das bei uns eben auch nicht anders ist. Und hier wirft Kena ein Auge auf Ziki (Sheila Munyiva), die mit zwei Freundinnen irgendwelche Tänze einstudiert. Kurzum, die Stimmung ist fröhlich bis ausgelassen. Um die zu kippen, braucht es nur einen Schwulen, der bei Mama Atim etwas kaufen will.

Die Gesellschaft ist zutiefst homophob, das hat man begriffen, und man weiss, jetzt bahnt sich zwischen diesen zwei jungen Frauen eine Liebesgeschichte an.

Rafiki bedeutet ­ Freund auf Suaheli

Bubblegums sind meist pink. Der Geschmack hält nicht lange, aber man kann damit die grössten Blasen machen – einfach nur, weil es Spass macht. Es gibt auch Bubblegum-Schnüre, die haben noch Türkis und Gelb drin. Ziki hat in ihre Zöpfe genau diese Farben eingeflochten, pink sind ihre Lippen. Zufall? Regisseurin Wanuri Kahiu, geboren 1980 in Nairobi, hat das Projekt «AfroBubbleGum» initiiert, «ein Medienunternehmen, das lustige, wilde und frivole afrikanische Kunst unterstützt, kreiert und in Auftrag gibt».

Lustig, oder besser fröhlich, und im besten Sinne wild an ­«Rafiki» ist die Erzählweise. Frivol ist der Film nie. Im Gegenteil ist diese erste Liebe zwischen diesen unterschiedlichen Mädchen von einer zarten Verspieltheit. Wo die Väter politische Konkurrenten sind, die depressive Mutter sich an die Vergangenheit klammert und die Kirche das letzte Wort hat, müssen sie sich ihre Freiräume schaffen. Neu ist an dieser «verbotenen Liebe» für unsere Verhältnisse sonst nichts, für das Herkunftsland so gut wie alles. Von den Träumen junger Kenianer handelte auch «Nai­robi Half Life». Tosh Gitonga aber zeichnete die kenianische Hauptstadt als faszinierenden Moloch.

Rafiki bedeutet Freund auf Suaheli. Mit dem unverfänglichen Rafiki würden gleichgeschlechtliche Paare aber auch ihren Partner, ihre Partnerin vorstellen, denn eigentlich darf es so etwas in Kenia, wie in vielen anderen afrikanischen Ländern auch, ja gar nicht geben. Die Finanzierung des Films gestaltete sich ­wegen seines homosexuellen Themas äusserst schwierig. Das Kenyan Film Classification Board hat «Rafiki» deswegen und wegen «der klaren Absicht, gesetzeswidrig lesbische Liebe in Kenia zu fördern» verboten.

Schliesslich konnten im Ausland Geldgeber gefunden werden, die Kahiu ihre «schöne afrikanische Liebesgeschichte» erzählen liessen. Und «Rafiki» wurde in die renommierte Sektion «Un certain regard» nach Cannes eingeladen.

Ihr Film sei als Ode an die Liebe, als Botschaft der Liebe zu verstehen. Das oberste Gericht Kenias hat im Februar eine Anhörung zur Legalisierung der Homosexualität. Das Gesetz, das diese verbietet, stammt noch aus Kolonialzeiten. «Rafiki» ist ein hoffnungsvoller Film mit einem hoffnungsvollen Schluss. Denn auch wenn das Thema innerhalb von Cast und Crew auf tief verwurzelte Vorurteile stiess, so Kahiu, bringe der Film Gespräche über Liebe, Wahl und Freiheit in den Vordergrund.

«Rafiki» läuft ab 30. Januar in den Kinos Stattkino (Luzern) und Mythen-Forum (Schwyz).

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