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Vom Überleben und Altern mit Würde - Ein kritischer Blick auf Geschichte und Gegenwart

Lesbar Zeitkritik
Hansruedi Kugler

Wie man schreibend das 20. Jahrhundert überlebt

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99 Biografien auf 360 Seiten? Unmöglich! Ausser man greift sich ein zentrales Moment heraus. Hans Magnus Enzensberger konzentriert sich auf die Frage, wie man mit seinem Schreiben überlebt – im von Staatsterror und Kaltem Krieg beherrschten 20. Jahrhundert. Denn sie wollen nur eines: Schreiben. Manche Schriftsteller riskieren mit ihrem Freiheitsdrang Kopf und Kragen. Andere verheddern sich trotzig in Diktatoren-Bewunderung, Eitelkeiten und Posen. Viele von Enzensbergers Kürzestporträts sind brillante Miniaturen: Etwa von Nobelpreisträger Knut Hamsun, der stur Adolf Hitlers Tod öffentlich betrauerte und sich damit bei seinen nor­wegischen Landsleuten verhasst machte. Mit russischen Autoren wie Pasternak oder Bulgakow, die im Stalinismus sich verrenken mussten, geht er respektvoll um. Andere verachtet er offen: Etwa den DDR-Dichter und Minister Johannes R. Becher («Er wäre ja gern ein Dichter geworden»). Erschütternd, wie Imre Kertesz nur schreibend das Überleben des Holocaust überlebt. Freimütig, oft persönlich blickt Enzensberger auf die Schriftsteller – und legt ein kurzweiliges, pointiert kommentierendes Lesebuch vor.

Hans Magnus Enzensberger: 99 Überlebenskünstler. ­Litera­rische Vignetten aus dem 20. Jahrhundert. Suhrkamp, 366 S., Fr. 37.–

Brillantes Plädoyer für das Altern

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Die gespenstischen Botox-Gesichter sind dem Musiker und Kulturvermittler Urs Frauchiger ein Gräuel. Und hebt an zum stilistisch brillanten, vergnüglichen und tiefsinnigen Lob des Alt­werdens. Der 82-Jährige sieht mit gelassenem Witz Gebrechen, Gedächtnisverlust und Potenzschwäche. Aber was das Alter für Gewinn bringt! Verlangsamung lässt einen die in der Hektik übersehene Schönheit sehen und hören. Die Eile macht dem Flanieren Platz: «Wir hatten keine Ahnung von unserer Stadt.» Er, der eine Krebserkrankung überstanden hat, kam ironischerweise in den Therapiestunden zum Lesen des «Grünen Heinrich». Er kritisiert die Banalisierung des Lebens und die Reduktion auf den«aktiven Senior» und fordert einen einfühlsamen Umgang mit Sterbewilligen, umschifft ein Bekenntnis für oder wider Sterbehilfe – und macht es damit zu unser aller Frage.

Urs Frauchiger: Woran um Himmelswillen sollen wir noch sterben? elfundzehn, 100 S., Fr. 27.–

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