Nachruf
Wie Siegfried seinen Schweizer Magierfreund sprachlos machte

Der berühmte Magier Siegfried ist am Mittwoch mit 81 Jahren verstorben. Sein Schwyzer Berufskollege Peter Marvey erinnert sich an ihn.

Peter Marvey, Schwyz
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Freunde: Siegfried Fischerbacher (links) und Peter Marvey.

Freunde: Siegfried Fischerbacher (links) und Peter Marvey.

Bild: PD

Siegfried war für mich so etwas wie der grosse Magier-Bruder. Besser kennen lernte ich ihn erst nach der dramatischen Tiger-Attacke auf seinen Duo-Partner Roy im Jahr 2008. Es hatte sich herumgesprochen, dass ich meinen Trick mit der fliegende Kutsche in Puerto Rico zeigte. Siegfried reiste extra an, besuchte die Show, erst inkognito, am zweiten Abend dann als Siegfried.

Es war seit langem seine erste Reise alleine, ohne Roy, ohne Angestellte, ohne Team. Für ihn eine ganz neue Erfahrung. Vielleicht war es auch die erste Reise zu sich selber, nachdem er sich über Jahre immer um Roy kümmern musste. Nun wollte er selber Auto fahren, ohne Chauffeur. Er wollte lernen, wie man das Auto tankt, einkauft, all die normalen Dinge eben, die über Jahrzehnte seine Entourage ausgeführt hatte.

Auf Anhieb verstanden wir uns prächtig. Neue Ideen interessierten ihn brennend; über die Jahre fragte er immer wieder danach. Er war witzig und erzählte unglaubliche, aber auch lustige Storys aus seinem Leben und hatte immer einen Spruch auf Lager. Im Foyer nach der Show schnappte er sich gleich mal meine neue Flamme Vivi und tanzte mit ihr übers Parkett – Salsa natürlich. Zusammen fuhren wir durch San Juan, wir assen aus demselben Teller, schlenderten durch die Altstadt, und er erzählte von den wilden Zeiten, wie er und Roy vor vielen Jahren mit den Tigern an die Strände von Puerto Rico baden gingen.

«Du kannst auftreten, wo und wann Du willst»

Mehrere Male besuchte er mich zu Hause in Feusisberg im Magic-House und ich ihn in Las Vegas. Bei mir wollte er immer «Leberli» essen, das bekam er in den USA nicht und erinnerte ihn an seine Kindheit in Rosenheim, Deutschland. Einmal sagte er: «Peter, ich beneide Dich. Du kannst auftreten, wo und wann Du willst, bist niemandem Rechenschaft schuldig.»

Ich war sprachlos. Träumt doch jeder Illusionist von einer Mega-Show in Las Vegas, wie Siegfried & Roy sie hatten. Ja, dieser Traum ging für Siegfried & Roy in Erfüllung. Aber es war härteste Arbeit ohne Pause, über Jahrzehnte. Nur die Show zählte. Und als sie sich nach vielen Jahren erstmals einen, dann zwei Frei-Tage pro Woche aushandeln konnten, wussten die beiden nicht, was sie mit ihrer Freizeit anfangen sollten.

Die Gäste von den Löwen fernhalten

Unvergesslich auch der allerletzte Bühnenauftritt von Siegfried & Roy 2009 im Casino Bellagio in Las Vegas. Ein Benefizanlass der beiden für eine Hirnklinik in den USA. Siegfried bat mich, auszuhelfen und eine meiner Illusionen auszuleihen.

Wir waren in der Garderobe vor dem Auftritt, Roy war gezeichnet vom Unfall, aber unverwüstlich und voller Schalk. Und Sigi – wie ich ihn nannte – rauchte mal wieder zu viel. Plötzlich ging es auch darum, zu schauen, dass die Presse und geladenen Gäste, welche plötzlich hinter die Bühne stürmten, den Tigern nicht in die Quere kommen. Siegfried war natürlich sehr nervös. Ich versuchte, alles wegzuräumen, was ihn hätte aufregen können.

Die grossen Entscheide hat Siegfried nie wirklich bewusst abgewägt, sie passierten einfach. «It was destiny», sagte er oft; Englisch sprach er inzwischen besser als Deutsch. Zusammen mit Roy hatte er nicht nur Las Vegas nachhaltig verändert, sondern auch die Magie. Vor seinem 80. Geburtstag rief er mich an und meinte, er möchte eigentlich lieber nicht die grosse Party schmeissen. Ein knappes Jahr später, im letzten Mai, verstarb sein Partner Roy. Nun sind die beiden wieder zusammen. Lebewohl, grosser Bruder!