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WILLISAU: 43. Jazz Festival Willisau: Erfolg ohne Anbiederung

Auch mit der 43. Ausgabe bleibt das Jazz Festival Willisau seinem Anspruch treu: Zu hören ist eine Reihe ausgesuchter Kostproben aus der aktuellen Jazz- und Improvisations-Szene (30. August bis 3. September). Von einem sich anbiedernden Programm hält Festival-Chef Arno Troxler nichts.
Arno Troxler spricht am Jazz Festival in Willisau zum Publikum. (Bild: Archiv LZ (22. August 2012, Willisau))

Arno Troxler spricht am Jazz Festival in Willisau zum Publikum. (Bild: Archiv LZ (22. August 2012, Willisau))

Von Meinrad Buholzer, sda


Mit viel Geschick hält Arno Troxler - seit er 2010 die Leitung übernommen hat - die Balance zwischen der im Free Jazz begründeten Tradition des Festivals und der Ausweitung auf die zeitgenössische Improvisationsszene sowie elektronisch-rockige Klänge. Der Versuchung, dem schon vor seiner Zeit einsetzenden Publikumsrückgang mit populären Namen entgegenzuwirken, ist er nicht erlegen.

Bemerkenswert ist, dass er mit dieser konsequenten Programmierung bis jetzt Erfolg hat. Es ist Troxler gelungen, den Besucherschwund zu stoppen und, verbunden mit einer Verjüngung des Publikums, wieder mehr Zuhörer in die Festhalle zu locken. Der Mut zur Eigenständigkeit und der Verzicht auf Gefälligkeit hat sich gelohnt. Das Kunststück der "Komposition" des Festivals besteht in diesem Fall darin, das Publikum mit vertrauten Klängen und Musikern abzuholen und ihm zugleich Unvertrautes nahe zu bringen.

Stammgast Andrew Cyrille

Zu den Stammgästen in Willisau gehört der 77-jährige Schlagzeuger Andrew Cyrille, der schon beim ersten Festival von 1975 dabei war, und der in diesem Jahr mit seinem Quartett das Festival mit virtuosem Wohlklang (am Sonntag) abschliessen dürfte. Auch beim Trio BassTromBone (Mittwoch) sind Musiker dabei, die immer wieder in Willisau zu hören waren (Ray Anderson, Mark Helias, Gerry Hemingway), deren Erfahrung und Neugier eine erfrischende Interaktion verspricht.

Der Saxofonist Urs Leimgruber war ebenfalls schon beim ersten Festival dabei, damals aber als Mitglied der Gruppe OM. Zusammen mit Jacques Demierre und Barre Phillips sowie Thomas Lehn (Samstag) entspricht diese Formation am ehesten einem Labor der Klänge. Eine Schule des Hörens durch Reduktion und den Verzicht auf jegliche "Politur".

Fülle dagegen - wenn auch nicht in einem konventionellen Sinne - verspricht das international zusammengesetzte Insub Meta Orchestra mit über 30 Musikern und Musikerinnen (Donnerstag). Es versucht sich in einer unaufgeregten Kollektivmeditation von zunehmender Intensität.

Ungewöhnlich ist der Auftritt einer australischen Gruppe in Willisau: Das Trio The Necks (Donnerstag) hat allein schon durch sein 30-jähriges Bestehen Kultstatus erreicht. Und aus Schweden reist das Frauen-Sextett Attack um die Saxofonistin Anna Högberg (Sonntag) mit einem erfrischend aktuellen Sound an.

Gut vertreten: die Schweizer Szene

Sehr gut vertreten ist im diesjährigen Hauptprogramm die Schweizer Szene. Neben den bereits erwähnten Urs Leimgruber und Jacques Demierre sowie den prominenten Namen im Insub Meta Orchestra spielt zum Auftakt das Quintett Le String'Blö (Mittwoch) seinen lustvollen und lockeren Jazz. Die neun Musiker von Flury and the Nuborns (Freitag) projizieren heutiges Musizieren auf einen alten Sound, inklusive des Knisterns der Schellackplatten - eine Alternative zur gängigen Neuinterpretation der Tradition. Für eine rockige Aufmischung zeitgenössischer Klänge sorgt schliesslich das Trio Kali (Samstag).

Die vielleicht "exotischste" Nummer des Festivals ist das Sam Amidon-Trio (Freitag). Der Amerikaner ist fest in Folk, Country und Bluegrass verwurzelt. Dass er trotzdem für Willisau engagiert wurde, ist seinem eigenwilligen Mix zu verdanken: Er unterlegt den balladesken Songs einen rudimentären, ungeschliffenen, jazzigen Sound.

Neben dem Hauptprogramm in der Festhalle bietet das Festival wiederum drei Konzerte in der Reihe Intimities (u.a. Christy Doran und Hans Koch), fünf Gratiskonzerte auf der Zeltbühne sowie am Freitag und Samstag vier Late Spots.



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