Lucerne Festival: Windige «West Side Story» auf dem Europaplatz

Ein Open-Air-Konzert ersetzte am Freitag die Inseli-Übertragung der Lucerne Festival-Eröffnung. Das britische Jugendblasorchester wurde leider vom Winde verweht, den paar Hundert Gästen gefiel es trotzdem.

Katharina Thalmann
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Das National Youth Wind Orchestra of Great Britain und Dirigent Glenn D. Price auf dem Europaplatz. (Bild: Manuela-Jans-Koch / LF, 17. August 2018)

Das National Youth Wind Orchestra of Great Britain und Dirigent Glenn D. Price auf dem Europaplatz. (Bild: Manuela-Jans-Koch / LF, 17. August 2018)

Wo vor exakt einem Jahr hundert schlotternde Kulturschaffende still gegen die Sparpolitik des Kantons Luzern protestierten, eröffnete gestern das National Youth Wind Orchestra of Great Britain (NYWO) das Lucerne Festival. Doch warum wurde dieses Jahr auf die Inseli-Übertragung verzichtet?

Wegen der meteorologischen Launenhaftigkeit Luzerns ist der Ertrag wohl schwer kalkulierbar. Und der Aufwand ist gross. Etwas Wehmut schwingt schon mit, erinnert man sich doch gerne an die Grussworte der Bundespräsidenten und Rednerinnen, drinnen im Weissen Saal, die jeweils auch «das Publikum draussen» willkommen hiessen. Oder an das klassisch-respektvolle Gerangel um den besten Platz für den Campingstuhl und die stets griffbereiten Regenpelerinen.

Innert Sekunden schnellten die Handys in die Höhe

Gewisse festivalerprobte Gäste brachten auch gestern Campingstühle und -decken auf den Europaplatz. Anders als auf dem Inseli gab es jedoch auf dem Europaplatz keine Buvette; wer etwas trinken wollte, musste rüber ins World Café. Vermutlich war die ganze KKL-Gastronomie mit dem Eröffnungsempfang im Luzerner Saal beschäftigt. Und auch von Seiten des Festivals gab es zum Konzert weder eine Ansage noch sonst einen eröffnenden Akt. Der beinahe glamouröse rote Teppich nebenan schien mehr Aufmerksamkeit zu geniessen als 75 junge Musikerinnen und Musiker.

Dabei war es eine Freude, dem NYWO zuzuhören. Behutsam und sorgfältig spielten sie, ihr Teamgeist war spürbar und sichtbar. Das Orchester brachte ein buntes Programm angelsächsischer Komponisten mit, wobei Leonard Bernstein die amerikanische Ausnahme war: Kernstück des Programms waren Tänze aus «West Side Story». Innert Sekunden schnellten Dutzende Handys in die Höhe, um die bekannten Melodien zu filmen.

Der Dirigent Glenn D. Price machte vor jedem Stück eine Ansage – hätte der Mann nur ein Mikrofon gehabt! Durch die Geräuschkulisse aus Schiffhörnern, surrenden Drohnen und Windesrauschen verstanden nur gerade die ersten beiden Reihen seine charmanten Kommentare.

Konzerte auf dem Europaplatz sind so einzigartig nicht: Im Jahresverlauf bespielen vor allem das Blue Balls Festival im Sommer, das World Band Festival im Herbst und die SRF-Aktion «Jeder Rappen zählt» den Platz unter dem KKL-Dach.

Summa summarum zeigte sich gestern: Die Wetterunsicherheit für ein Live-Konzert ist wesentlich fataler als für eine Live-Übertragung – und zwar für die jungen Musikerinnen und Musiker, die gegen den Wind anspielen und mit Wäscheklammern um ihre Noten kämpfen mussten. Gerade im «Kindheitssommer» hätte das Jugendorchester mehr Wertschätzung verdient.