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Regisseurin Bettina Oberli: «Mich interessieren Leute, die ihr Leben umkrempeln»

Die Zürcherin Bettina Oberli sagt, dass Filme von Frauen über Frauen im Zuge von #MeToo gefragt sind. Im Interview spricht sie über ihren neuen Film «Le vent tourne». Darin wird eine Bäuerin durch eine Liebesgeschichte aus der Bahn geworfen.
Interview: Andreas Scheiner
Filmemacherin Bettina Oberli will nicht nach Hollywood.

Filmemacherin Bettina Oberli will nicht nach Hollywood.

Frau Oberli, waren Sie nie versucht, «Die Herbstzeit­losen 2» zu machen?

Nein. Es gab zwar Angebote, Produzenten kamen auf mich zu, die das gerne gemacht hätten. Aber ... nein.

Weshalb nicht?

Weil ich nicht so kalkuliert Filme machen kann. Andere können das vielleicht. Für mich ist «Die Herbstzeitlosen» ein Film, der für sich steht. Diese Geschichte ist erzählt.

Hollywood war nie ein ­Thema?

Ich weiss nicht, ob ich in dem System arbeiten könnte. Ich kenne Leute, die in Hollywood sehr unglücklich geworden sind. Man ist dort schnell ersetzbar; wenn der Erfolg ausbleibt, ist man weg. Das würde mich stressen.

Gab es Angebote?

Die gab es, auch aus Deutschland. Ich habe vieles abgesagt. Solange ich meine eigenen Projekte machen kann, mache ich lieber die.

Was für Angebote zum Beispiel?

Matthias Schweighöfer (deutscher Schauspieler, Produzent und Regisseur) hat mir ein Projekt geschickt. Und in Amerika geistern immer noch die «Herbstzeitlosen» herum.

Ein Remake?

Ja, die Sache ist gerade wieder etwas aktueller geworden, denn im Zuge der #MeToo- und Gleichstellungsdebatte sind Stoffe gesucht über Frauen, mit Frauen, von Frauen.

Würden Sie so ein Remake selber inszenieren wollen?

Wenn bestimmte Schauspieler dabei wären, würde ich es vielleicht machen. Aber sicher nicht um jeden Preis. Ich weiss nicht, ob es eine gute Idee wäre. Eigentlich möchte ich lieber weiter­gehen, mich beschäftigen jetzt andere Sachen.

Windräder, zum Beispiel?

Ich finde Windräder wunderschön, mich faszinieren sie. Aber nicht zuletzt im Jura gibt es Leute, die gegen Windräder kämpfen. Ich weiss nicht, was die Leute ­daran so provoziert. Von irgendwoher muss der Strom ja kommen.

Ihr neuer Film handelt von einem Paar, das seinen Hof im Jura mit einer Windturbine autonom machen will. Aber die Frau verliebt sich in den Ingenieur, der das Windrad errichtet.

Mit «Le vent tourne» wollte ich einen Film über eine Frau machen, die meint, genau zu wissen, was sie will. Dann wird sie aus der Bahn geworfen. Ich kenne dramatische Geschichten aus dem Umfeld meiner Grosseltern, die auf dem Land lebten. Meistens haben sie nicht nur mit Einflüssen von aussen, sondern auch mit einer unglücklichen Liebe zu tun.

Es fällt auf: In Ihren Filmen werden die Menschen oft aus ihrem geordneten Leben gerissen.

Das hat vielleicht mit meiner Biografie zu tun und mit dem Land, in dem ich lebe. Wir sind keine Krisenregion, alles scheint stabil, wahrscheinlich erzähle ich deshalb Geschichten, in denen die Dinge auseinanderfallen.

Fühlen Sie sich eingeengt in der Schweiz?

Mein Vater arbeitet in der Entwicklungshilfe, als Arzt. Ich bin in Samoa aufgewachsen und mir war immer klar: Die Welt ist wirklich gross. Aber ich lebe sehr gerne in Zürich. Eingeengt? Nein, ich empfinde keine Enge, ich fühle mich frei hier.

Diese Figuren, die ihr Leben umkrempeln – das sind also nicht Sie?

Vielleicht mache ich diese Filme, damit ich nicht selber mein Leben umkremple. (lacht) Ich kenne beides: Ich mag es harmonisch, will Sicherheit, will es gut haben. Aber ich kenne auch das Gefühl, einen radikalen Bruch machen zu wollen.

Weshalb machen Sie eigentlich Filme?

Es hilft mir, das Leben zu verstehen, Sachen zu verarbeiten, Perspektiven zu wechseln. Manchmal komme ich mir vor wie ein Wissenschafter, der einer Formel auf der Spur ist: Er denkt noch unter der Dusche darüber nach, das ist bei mir genauso.

Wann sind Sie am glücklichsten beim Filmemachen?

Wenn das, was ich mir vorgestellt hatte, plötzlich da ist. Damit ­meine ich nicht den gesamten Film, sondern einzelne Momente. Wenn ich als Regisseurin zwei, drei Momente habe, die genau das treffen, was vorher in meinem Kopf war: Das ist das Beglückendste. Es hat viel mit den Schauspielern zu tun. Ich arbeite sehr gern mit den Schauspielern, und wenn ein Schauspieler gut spielt, dann könnte ich weinen vor Glück.

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