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Sie hat die Kontakte für den Erfolgsfilm «Rue de Blamage» geknüpft

Christina Caruso (56) hat mit Aldo Gugolz den Film «Rue de Blamage» über die Baselstrasse realisiert. Im Rahmen der Innerschweizer Filmpreise an diesem Wochenende wird sie für das Drehbuch ausgezeichnet.
Pirmin Bossart
Christina Caruso an der Baselstrasse mit «Rue de Blamage»-Protagonist Joe Birrer. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 22. Februar 2019)

Christina Caruso an der Baselstrasse mit «Rue de Blamage»-Protagonist Joe Birrer. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 22. Februar 2019)

Mit ihrem klangvollen Namen könnte sie eine Popsängerin sein. Oder eine Schauspielerin. Christina Caruso, ausgebildet Theaterpädagogin, ist beim Film gelandet, allerdings hinter der Kamera. Zusammen mit dem Regisseur Aldo Gugolz hat die engagierte Luzernerin seit 2007 eine Reihe von Dokumentarfilmen realisiert. «Wir sind ein Team», hält sie fest. Nur nach aussen hin, wenn es um Repräsentation oder um Gesuche an die Geldgeber gehe, müssten sie mit klar abgegrenzten Funktionen auftreten. «Aber was immer wir machen, ist nur in einer engen Zusammenarbeit möglich.»

Anders als bei den meisten Spielfilmen, wo die Handlung Szene um Szene und manchmal Einstellung um Einstellung festgelegt wird, ist bei Dokumentarfilmen der Spielraum einer ­Herangehensweise viel grösser. Christina Caruso zieht ein zerfleddertes Heft aus der Tasche. Es ist gefüllt mit handschrift­lichen Notizen, Ideen, Telefonnummern, Skizzen, Gedanken. Sie lächelt. «Hier ist festgehalten, was mich während der Recherchen beschäftigt und umgetrieben hat. Eigentlich ist dieses Heft unser Drehbuch.»

Das Heft ist aber nur die skizzenhafte Verdichtung einer Arbeit, die sich von der Idee des Vorhabens bis zu dessen Endprodukt über vier Jahre hingezogen hat. Als Drehbuchautorin ist sie nicht im stillen Kämmerlein gesessen und hat sich einen Plot ausgedacht. Sie war im Quartier unterwegs, hat Leute getroffen, Beziehungen zu möglichen Protago­nisten aufgebaut, Schauplätze recherchiert, sich mögliche Handlungsstränge überlegt, in enger Zusammenarbeit mit Regisseur Aldo Gugolz.

Recherchieren und Vertrauen schaffen, das sei ihre eigentliche Arbeit als Drehbuchautorin gewesen, sagt Caruso: «Ich war immer vor Ort, habe Kontakte hergestellt, die Leute begleitet. Ohne diese Basis ist es nicht möglich, eine Nähe zu den Menschen herzustellen, wie sie in unseren Filmen zum Ausdruck kommen soll.» Deswegen brauchten solche Filme auch Zeit. «Wir arbeiten sehr langsam. Vieles lässt sich nicht voraussehen, es kann immer Unvorhergesehenes passieren. Auch das ist Bestandteil des Drehbuchs.»

Themen aus dem eigenen Lebensumfeld

Die Idee, einen Film über die Baselstrasse zu drehen, hatte Christina Caruso. «Wenn ich etwas mache, ist das immer ein Thema aus meinem Lebensumfeld.» Als Co-Leiterin des Kinder- und Jugendtreffs St. Karl arbeitet sie regelmässig mit Kindern und Jugendlichen aus dem BaBeL-Quartier, wo Menschen aus über siebzig Nationen zu Hause sind. «Mich interessieren Menschen, ihre Lebensumstände und ihre Milieus. Mit meiner sozialen Arbeit im Treff habe ich einen Bezug zum Quartier bekommen.» Aus diesem Alltag heraus begann sie dann auch zu recherchieren und nach geeigneten Protagonisten zu suchen.

Sie lernte Christoph Fischer kennen und seine Idee, für den Kreuzstutz-Kreisel eine Skulptur des Strassenarbeiters Heinz zu gestalten. «Für mich war schnell klar, dass dies den roten Faden geben würde. Einen zentralen Baustein, um den herum wir die weiteren Begegnungen und Situationen darstellen könnten.» Am Ende musste das gedrehte Material verdichtet und auf eine Linie gebracht werden. «Schweren Herzens» hätten sie vieles wieder gestrichen, was sie auch im Kasten hatten. «Das erforderte stundenlange Diskussion. Es war bei aller Schwierigkeit auch ein spannender Prozess.»

Neuer Film über Freiräume geplant

Begonnen hatte die filmische Zusammenarbeit mit Gugolz 2007. Caruso leitete damals in Zug eine Theatergruppe von Menschen mit einer Behinderung. Der erste gemeinsame Film, «Wir zwei» (2009), war eine Liebesgeschichte von zwei jungen Leuten, die sich bei einem dieser Theaterprojekte kennen gelernt hatten. Gugolz und Caruso gründeten die Firma «Revolumenfilm». In der Folge entstanden ein paar weitere Dokumentarfilme, darunter auch kleinere Auftragsarbeiten. Aktuell in Arbeit hat Gugolz den Film «Kühe auf dem Dach» über einen Tessiner Alphirten und Sohn von Hippieeltern, bei dem Caruso als Co-Produzentin engagiert ist.

In den letzten Monaten hat Christina Caruso über ihren Sohn ein neues Lebensumfeld kennen gelernt: junge Menschen, die sich ihr Leben ausserhalb der üblichen Konsumzwänge möglichst autonom einrichten und dabei Wert auf Gemeinschaft und eine nachhaltige Lebensweise legen. Es sind Menschen, wie sie im Eichwäldli und in anderen einfachen Unterkünften oder auf Wagenplätzen anzutreffen sind. «Es interessiert mich, wovon diese jungen Menschen träumen, wie sie ihre Ideen leben und ihre Lebensformen entwickeln. Und wieweit es überhaupt noch Freiräume bei uns gibt, die dieses Leben zuzulassen.»

Es ist ein Thema, das sich Caruso und Gugolz für ihren nächsten gemeinsamen Film vorgenommen haben. Sie sei bereits am Recherchieren, sagt Caruso. «Erste Filmaufnahmen haben wir gemacht. Aber wir sind ganz am Anfang und wissen noch nicht, ob wir das Projekt realisieren können.» Die Chancen stehen gut. Es ist wiederum ein Funke aus ihrem persönlichen Lebensumfeld. Und sicher gibt es schon ein neues Heft, das sich mit ersten Notizen füllt.

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