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Interview

«Wir dürfen Dinge, die Journalisten nicht dürfen»: der satirische Jahresrückblick unseres Karikaturisten Silvan Wegmann

Seit 22 Jahren zeichnet Silvan Wegmann für Schweizer Zeitungen, darunter auch für Publikationen von CH Media. Für seine Arbeiten hat der gebürtige Solothurner sowohl im Ausland als auch in der Schweiz mehrere Auszeichnungen erhalten.
Patrik Müller
Alexandre «Alex» Ballamman, «La Liberté».
Bénédicte, «24heures»
Félix «Valott» Vallotton, «24heures».
Félix «Valott» Vallotton, «24heures».
Vincent L'Epée, Arcinfo & Le journal du Jura
Tom «TomZ» Künzli, «TagesWoche».
Tom Werner, «Zentralschweiz am Sonntag»/«Ostschweiz am Sonntag».
Patrick Chappatte, «NZZ am Sonntag.»
Sandro Fiscalini
Silvan «Swen» Wegmann, CH Media
Felix Schaad, «Tages-Anzeiger».
Felix Schaad, «Tages-Anzeiger».
Marco «Karma» Ratschiller, «Nebelspalter».
Christoph Biedermann
Juerg Kühni
15 Bilder

2018 – ein ausgezeichnetes Jahr!

Im Interview spricht «Swen», wie der 49-Jährige seine Illustrationen unterschreibt, über Donald Trumps Frisur, die neuen Bundesrätinnen – und sagt, warum er sich Nachwuchssorgen macht.

Silvan Wegmann, war 2018 ein gutes Jahr?

Für Karikaturisten auf jeden Fall. Es war das zweite Jahr von Donald Trump. Und der verdient sich jeden Monat unseren Titel «Mitarbeiter des Monats». Es gibt zurzeit in der Politik zwar viele haarsträubende Figuren, aber Trump schlägt sie alle. Er ist eine wandelnde Karikatur. Und die Frisur ein Traum.

Was, wenn Trump den Coiffeur wechselt?

Wir Karikaturisten zahlen ihm den Haarschnitt beim alten Coiffeur. Wir würden für ihn Geld sammeln! Ein Gipfeltreffen mit Kim wäre mit neuer Frisur einfach nicht mehr dasselbe.

Die mächtigste Frau der Welt, Angela Merkel, tritt als Parteichefin und später auch als Kanzlerin ab. Ein Verlust für Sie?

Nicht unbedingt. Ihr Gesicht ist schwierig darzustellen, weil die Furchen nicht überzeichnet werden können. Zum Glück gibts noch die Merkel-Raute. Die hat uns gerettet.

Ein Jahres-Thema waren der Klimawandel und der Hitzesommer. Attraktiv für Ihre Zunft?

Mässig. Der Klimawandel ist ein schleichender Vorgang, das macht die Umsetzung für Cartoons schwierig. Und nicht nur für uns: Dass in der Politik wenig passiert, hat denselben Grund. Denn die Menschen merken nicht, dass sich wirklich etwas verändert. Die Erderwärmung geschieht sehr langsam.

Die Medienbranche sorgte 2018 für negative Schlagzeilen in eigener Sache: Es wurde fusioniert, eingestellt, gespart. Spüren Sie das?

Es war das erste Jahr, in dem die Medienkrise bei den Karikaturisten richtig zum Thema geworden ist. Profilierte Karikaturisten haben ihre Jobs verloren – unter anderen bei der Basler «Tageswoche» und «Le Matin». Viele von uns machen sich Gedanken: Haben wir noch genügend Aufträge in den nächsten Jahren? Braucht es uns noch?

An Themen mangelt es nicht.

Ebenso wenig am Interesse der Leserschaft. Der «Nebelspalter» gewinnt zwar als eines der wenigen Printmedien Leser, aber auch er muss auf die Finanzen achten . . . Ich mache mir darum Nachwuchssorgen: Es gibt kaum noch politische Karikaturisten unter 40.

Leiden vermeintlich verzichtbare Beiträge wie Karikaturen in der Medienkrise besonders?

Bei uns offensichtlich schon, in Ländern wie Frankreich oder den USA ist das aber kein Thema. Dort ist eine Zeitung ohne Karikaturen keine Zeitung. Aber mir ist klar: Eine Karikatur ist etwas Teures, da nicht nur eine zeichnerische Arbeit, sondern auch Denkarbeit dahintersteckt.

Warum sind Karikaturisten wichtig?

Weil sie Dinge dürfen, die Journalisten nicht dürfen. Sie weisen spitz auf ein Thema hin und überzeichnen. Das bewirkt oft mehr als lange Texte. Übrigens auch bei Politikern. Die nehmen uns wahr – und ertragen Satire meist erstaunlich gut. Auch polarisierende Figuren wie Andreas Glarner (SVP) und Christian Levrat (SP), die Freude haben, wenn wir sie drannehmen. Sie können darüber lachen. So wie die Leser auch. Und wenn wir nichts mehr zu lachen haben – was dann?

Sie sind seit 22 Jahren im Geschäft. Sind Sie und Ihre Kollegen in dieser Zeit politischer geworden?

Die ganze Szene ist politischer geworden, eindeutig. Wir tauschen uns auch immer intensiver aus. Über die Landesgrenzen hinaus. Bei einer deutschen Zeitung, die einen Karikaturen-Preis aus finanziellen Gründen einstellen wollte, sprang eine andere Zeitung als Partner ein, dass er erhalten bleibt.

«Fake News» ist zu einem Generalvorwurf an kritische Medien geworden. Ein Problem für Sie?

Lustigerweise hat die Glaubwürdigkeit von Karikaturen von dieser Debatte eher profitiert. Karikaturisten gelten zu Recht als kritische und unabhängige Geister. Sie lassen sich von niemandem vereinnahmen. Die Leute denken sich: Wenn der Karikaturist etwas zeichnet, steckt sicher etwas dahinter. Solche Reaktionen erhalte ich immer öfter. Wahrscheinlich wirkt hier auch «Charlie Hebdo» nach: Unser Beruf ist wichtiger geworden.

Je ernster die Zeiten, umso wichtiger die Karikaturen?

So ist es mit der Satire generell. Und war es historisch immer.

Zur Innenpolitik. Zufrieden mit den beiden neuen Bundesrätinnen?

Sehr. Viola Amherd und Karin Keller-Sutter lassen sich tipptopp zeichnen.

Wie lernen Sie, Figuren darzustellen, die neu in die Politarena treten?

Ich studiere verschiedene Bilder, schaue mir im TV Interviews und Auftritte an. Da entdecke ich Macken, die sich zeichnerisch umsetzen lassen.

Gibt es Themen, zu denen Sie nie zeichnen?

Wenn es Tote gibt, zeichne ich zumindest unmittelbar danach nichts dazu. Und dann gibt es noch etwas zweites: Offensichtlich lustige Vorgänge in der Politik eignen sich meist nicht für Karikaturen. Wenn die Realität schon überspitzt ist, fehlt mir die Idee.

Hinweis: «Gezeichnet 2018» heisst die aktuelle Ausstellung im Museum für Kommunikation in Bern. Sie ist ein begehbarer Jahresrückblick auf die wichtigsten Ereignisse der letzten zwölf Monate. 50 Schweizer Karikaturisten und Cartoonisten stellen ihre witzigsten Pressezeichnungen aus. www.mfk.ch

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