Luzern

Schüür-Chef Liembd: «Wir sind froh, hilfreich sein zu können»

Schüür-Geschäftsleiter Marco Liembd schaut auf den ersten Monat des Probenhaus-Projekts zurück.

Stefan Welzel
Drucken
Teilen

Seit einem Monat bietet das Luzerner Konzerthaus Schüür mit finanzieller Unterstützung der Albert Koechlin Stiftung Musikerinnen und Musikern die Möglichkeit, den grossen Saal für Proben zu nutzen. Mit professionellem Equipment können Auftritte vorbereitet oder Songs für Videos oder digitale Kanäle eingespielt werden. Zudem gibt es Workshops für Veranstalterinnen und Techniker. Schüür-Geschäftsleiter Marco Liembd zieht eine erste Projekt-Bilanz.

Marco Liembd ist zufrieden mit dem bisherigen Rücklauf seines Angebots.

Marco Liembd ist zufrieden mit dem bisherigen Rücklauf seines Angebots.

Eveline Beerkircher (Luzern, 10. Oktober 2017)

Seit Mitte November läuft Euer Probenhaus-Projekt: Wie war bisher der Rücklauf?

Marco Liembd: Sehr gut. Wir hatten sehr positive Reaktionen von Künstlerseite wie auch von Stadt und Kanton. Letztere haben es anderen Institution und Bands ermöglicht, bei uns Gutscheine fürs Proben einzulösen.

Wie viele Bands haben Ihr Angebot wahrgenommen?

Bis jetzt sind es 25. In nächster Zeit hat es noch Platz für neun weitere.

Und wer kam alles? Können Sie ein paar Namen nennen?

Unter anderem Long Tall Jefferson, Mothers Pride und Blind Butcher. Aber auch das 21st Century Orchestra nutzte unseren Saal zum Proben. Und Alois spielten eine Liveshow für das Eurosonic-Festival ein, für welches sie dieses Jahr nominiert sind. Wir sind froh, hilfreich sein zu können, damit die Band ihren Beitrag an das lediglich digital stattfindende Festival leisten konnte. Gerade jetzt brauchen Künstler solche Orte, wo sie solches bewerkstelligen können.

In der aktuellsten Verordnung des Bundesrates hiess es, nur noch professionelle Künstler und Sportler sollen proben und spielen können. Bei Euch war das definierte Verhältnis im Probenhaus zwischen etablierten Profis und Newcomern bei 50:50. Wie sieht es diesbezüglich nun aus?

Das Verhältnis ist nach wie vor 50:50. Wir versuchen, das beizubehalten. Es stellt sich allgemein die Frage, wie man Professionalität definiert. Ich setze mich dafür ein, Kulturschaffen – auch wenn eben oftmals nur in Teilzeit praktiziert wie bei vielen Bands – als Berufstätigkeit wahrzunehmen und gesellschaftlich als solche zu etablieren. Nun kommen bei uns auch die Nachwuchskräfte in den Genuss, unter professionellen Bedingungen zu arbeiten, und das mit einem messerscharfen, erprobten Schutzkonzept. Das ist so alles auch mit dem Kanton abgesprochen.

Und wie sieht es bei der Nachfrage für die Workshops aus?

Die ersten vier haben schon stattgefunden. Acht weitere sind aufgegleist. Diese brauchen durch das Eruieren der Bedürfnisse der Teilnehmer etwas mehr Vorlaufzeit. Was wir zusätzlich in den Workshops anbieten können, ist das Vermitteln unseres Know-hows im Umgang mit dem Corona-19-Gesetz und der Kultur-Ausfallentschädigung. Hier haben wir uns bisher immer wieder intensiv mit den Verantwortlichen vom Kanton zusammengesetzt. Jetzt können wir diese Erfahrungen an Kulturschaffende weitergeben.

Wie lange fährt ihr mit dem Probenhaus-Projekt weiter?

Geplant ist es bis Ende März. Wenn wider Erwarten schon vorher Veranstaltungen möglich sind, dann versuchen wir, eben Programm und Proben sowie Workshops möglichst reibungsfrei unter einen Hut zu bringen.

Ist es vorstellbar, das Proben-Angebot auch nach der Coronazeit aufrechtzuerhalten?

Eigentlich haben wir das schon immer gemacht. In einem laufenden Betrieb gibt es dafür aber deutlich weniger Termine. Und bisher haben wir unser Angebot nicht so gross und in Verbindung mit Workshops aufgezogen. Aber ich kann mir absolut vorstellen, diese Möglichkeit auch in Zukunft zu bieten – einfach mit einer deutlich begrenzteren Anzahl an Tagen, an denen sich das einrichten lässt.