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Festival Strings spielen ständig «auf der Stuhlkante»

Die Festival Strings Lucerne sind gegenüber vergleichbaren Kammerorchestern stark unterfinanziert. Wie können sie trotzdem ihren Betrieb aufrechterhalten – selbst mit Starsolisten wie Jan Lisiecki nächste Woche?
Urs Mattenberger
Starsolisten trotz Unterfinanzierung: Das ehemalige Wunderkind Jan Lisiecki tritt diese Woche mit den Festival Strings auf.

Starsolisten trotz Unterfinanzierung: Das ehemalige Wunderkind Jan Lisiecki tritt diese Woche mit den Festival Strings auf.

Gegenüber städtischen Sinfonieorchestern mit festangestellten Musikern und langfristigen Subventionsverträgen müssen alternative Orchester ständig um ihre Finanzierung kämpfen. Daran erinnerten vier Basler Orchester, die zusätzliche Mittel verlangten. Ohne diese könnten sie die Mindestlöhne laut Vorgaben des Schweizerischen Musikverbandes nicht bezahlen. Das ist mit Blick auf die Festival Strings Lucerne interessant, die in etwa dem Basler Kammerorchester vergleichbar sind. Dieses hatte die Forderung zusammen mit der Basel Sinfonietta, dem Barockorchester La Cetra und dem Ensemble Phoenix gestellt, unter die jährlich 1,3 Millionen Franken Programmfördergelder des Kantons aufgeteilt werden.

Aber das Kammerorchester Basel erhält von der öffentlichen Hand insgesamt 785000 Franken – rund viermal mehr als die 160000 Franken Strukturkostenbeitrag, die die Festival Strings Lucerne je hälftig von Stadt und Kanton Luzern erhalten. Auch die mit den Strings noch besser vergleichbare Camerata Bern erhält 700000 Franken Strukturbeiträge, die Camerata Zürich 405000 Franken.

Drastische Unterschiede

Noch drastischer sind die Unterschiede im Langzeitvergleich. Bis 2007 erhielten die Festival Strings noch je 85000 Franken von der Stadt, dem Kanton und der Musikhochschule Luzern. Dann fiel der Betrag der Musikhochschule weg und nach Umstrukturierungen der Kulturförderung das vor allem international tätige Orchester fast durch sämtliche lokalen Fördermaschen. Der finanzielle Absturz wurde nur knapp abgewendet: Die Stadt wandelte ihre Subvention in Beiträge aus dem Kultur-und-Sport-Fonds um, der Kanton sprang, nachdem die Agglo­gemeinden die Übernahme des kantonalen Förderbeitrages verweigert hatten, mit 80000 Franken aus dem Swisslos-Fond wieder ein. Vor zehn Jahren hatten die Festival Strings also noch ähnliche finanzielle Voraussetzungen wie die oben genannten Kammerorchester. Aber während deren Beiträge deutlich anstiegen, gingen jene an die Festival Strings um rund einen Drittel zurück. Wie kann das Orchester damit – neben weiteren Engagements – Auslandtourneen und eine Konzertreihe im KKL durchführen? Dass weiterhin sinfonische Besetzungen und Starsolisten drinliegen, bestätigt das Konzert von kommender Woche: Da spielt das Orchester sinfonische Kammermusik (Schuberts «Der Tod und das Mädchen») und kammermusikalische Sinfonik mit Chopins erstem Klavierkonzert und dem ehemaligen Wunderkind Jan Lisiecki am Flügel.

Musiker «unter Tarif» bezahlt

Christoph Mauruschat bestätigt, dass auch bei den Strings die Musiker «unter Tarif» bezahlt werden. Im administrativen Bereich werden Minilöhne bezahlt und wurde der Marketingetat auf ein Minimum zusammengestrichen. Überleben können die Strings nur mit «Selbstausbeutung», stellt Mauruschat lapidar fest. Um ­Kosten einzusparen, wird «das unterste Mass an Proben» angesetzt: «Das muss aber nicht die Qualität mindern. Weil die Konzerte unterprobt sind, sitzt jeder Musiker auf der Stuhlkante und müssen alle immer absolut kreativ reagieren. Das kann die künstlerische Qualität sogar fördern.»

Trotzdem: Weil die Grundkosten nicht durch Subventionen abgedeckt sind, müssen dafür private Zuwendungen verwendet werden, mit denen man Sonderprojekte wie CD-Aufnahmen co-finanzieren möchte. «Wir haben die Herausforderung angenommen, mit den Mitteln zu wirtschaften, die uns zur Verfügung gestellt werden. Aber das ist ein Tanz auf dem Vulkan», sagt Mauruschat. «Bis jetzt ist das gut gegangen. Aber es kann finanziell auch einmal nicht aufgehen, weil wir ohne Netz und doppelten ­Boden arbeiten.»

Im Rahmen einer Evaluation des Kantons Luzern im Kulturbereich hat Mauruschat den Wunsch deponiert, dass die «Förderung durch die öffentliche Hand auf ein vergleichbares Niveau mit den anderen Schweizer Kammerorchestern von internationalem Rang angehoben» werde.

«Eines der brillantesten Kammerorchester weltweit»

Dass die künstlerische Entwicklung unter Konzertmeister Daniel Dodds das rechtfertigen würde, bestätigt der Erfolg auf Tourneen. Renommierte internatio- nale Zeitungen sprechen da von einem der «brillantesten Kammerorchester, die zurzeit in der Welt existieren». Spielen auf der Stuhlkante lohnt sich also nicht nur finanziell – für die öffentliche Hand –, sondern vorübergehend tatsächlich auch künstlerisch.

Konzert: Festival Strings Lucerne mit dem Pianisten Jan Lisiecki: Donnerstag, 2. Mai, 19.30, KKL Luzern.

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