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Im Luzerner Kleintheater wird an einer Utopie getüftelt

Im Kleintheater läuft während 100 Stunden ein Theatermarathon der besonderen Art.
Flavia Bonanomi
(Bild: Corinne Glanzmann, Luzern, 15. Oktober 2019)(Bild: Corinne Glanzmann, Luzern, 15. Oktober 2019)
(Bild: Corinne Glanzmann, Luzern, 15. Oktober 2019)(Bild: Corinne Glanzmann, Luzern, 15. Oktober 2019)
(Bild: Corinne Glanzmann, Luzern, 15. Oktober 2019)(Bild: Corinne Glanzmann, Luzern, 15. Oktober 2019)
(Bild: Corinne Glanzmann, Luzern, 15. Oktober 2019)(Bild: Corinne Glanzmann, Luzern, 15. Oktober 2019)
(Bild: Corinne Glanzmann, Luzern, 15. Oktober 2019)(Bild: Corinne Glanzmann, Luzern, 15. Oktober 2019)
(Bild: Corinne Glanzmann, Luzern, 15. Oktober 2019)(Bild: Corinne Glanzmann, Luzern, 15. Oktober 2019)
(Bild: Corinne Glanzmann, Luzern, 15. Oktober 2019)(Bild: Corinne Glanzmann, Luzern, 15. Oktober 2019)
(Bild: Corinne Glanzmann, Luzern, 15. Oktober 2019)(Bild: Corinne Glanzmann, Luzern, 15. Oktober 2019)
(Bild: Corinne Glanzmann, Luzern, 15. Oktober 2019)(Bild: Corinne Glanzmann, Luzern, 15. Oktober 2019)
9 Bilder

Im Luzerner Kleintheater läuft ein Marathon

So hat man das Kleintheater noch nie gesehen: Mitten im Zuschauerraum ragen ungeahnte Bühnenelemente aus dem Boden, und in der Bar stehen Bildschirme, auf welchen Bilder von Überwachungskameras übertragen werden. Überall wimmelt es von Menschen, und plötzlich ist man sich nicht mehr sicher, wer nun zum Kollektiv gehört und wer ebenfalls Besucherin ist.

Die Gleichzeitigkeit von verschiedenen Theater- und Musikstücken weckt die Assoziation einer Musikschule, in welchem sich die Klänge verschiedenster Räume zu einem Teppich künstlerischen Schaffens verweben. Das Theater ist an diesem Abend ein Raum der kollektiven Weiterentwicklung, eine wohlige Umgebung für Träumerinnen und Forscher.

Kuriositätenkabinett und Forschungslabor

Die 11 Mitglieder des Kollektivs Die Seilschaft sind denn auch nicht nur für die Aufführungen hier; sie haben sich regelrecht eingenistet und leben im Gesamten vier ganze Tage in den Räumlichkeiten des Kleintheaters. So verrät schon das Bühnenbild, dass hier nicht nur gearbeitet, sondern auch geschlafen und geträumt wird: Hohe himmelbettartige Netze, die unwillkürlich an fluoreszierende Quallen erinnern, schweben über einer Ansammlung von Matratzen, auf welchen sich zu Beginn der Performance die Schauspielenden räkeln, auf ihren Handys herumtippen und irgendwann in eine tiefgründige Diskussion über den Ursprung und den Sinn des Lebens versinken.

Mikroskope, Bücher und Schreibgelegenheiten, die im ganzen Theater verteilt sind, sollen den Eindruck erwecken, dass hier jede und jeder eine Forscherin und ein Forscher sei; und das Kleintheater ein Labor. Doch, wie der Titel verrät, auch ein Archiv: ein Raum, in welchem Gedanken, Erinnerungen, Geschichten und Ideen gesammelt und verwahrt werden für eine allfällige Weiterentwicklung und Wiederaufnahme. Gemütliche Sofas laden zum Verweilen ein, und das ganze Theater mutet wie eine Kuriositätensammlung an: Da sind Post-Its und Hellraumprojektoren, man trifft auf Sängerinnen, Klavierspieler und leere Aquarien, macht Abstecher in die Räume hinter der Bühne und darf Symphonien schreiben, Postkarten gestalten und auf die Wände, Tische und Bänke kritzeln.

Doch die Urzelle ist auch eine Utopie, denn das Kollektiv und die Zuschauerinnen und Zuschauer können sich innerhalb der Wände des Kleintheaters ihre Welt so erschaffen, wie sie ihnen gefällt. Die Performance steht im Zeichen des Austausches zwischen den Theaterschaffenden und dem Publikum sowie den Zuschauern untereinander. Und tatsächlich dauert es nicht lange, bis die Besucher sich mit einem Notizbuch auf die Kissen am Boden setzen oder mit Leimstift und Schere alte Notenblätter zerschneiden und neu zusammenkleben.

Sechs bis hundert Stunden

Während die Zuschauerinnen und Zuschauer mit dem Kauf eines Tickets ein Guthaben von sechs Stunden zur Verfügung gestellt bekommen, welche sie sich selbst einteilen dürfen, spielt, forscht und wirkt das Theaterkollektiv insgesamt hundert Stunden ununterbrochen im Kleintheater. Sie schlafen und essen dort, es wird Musik gemacht, Neues erschaffen und Altes neu beleuchtet. Welchen dieser Aspekte die Besucher an einem Abend selbst erkunden wollen, ist ihnen ganz selbst überlassen, denn es findet weder eine Tour noch eine Aufführung im eigentlichen Sinne statt. Es geht darum, für einige Stunden komplett in eine andere Welt einzutauchen; eine Welt mit Ablaufdatum.

Hinweis

Noch heute bis Freitag, jeweils 18 bis 24 Uhr. www.kleintheater.ch

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