Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

WOERDZ LUZERN: Das letzte Wort ist gefallen

Am Samstagabend schloss das Spoken-Word-Festival mit dem Starauftritt von PJ Harvey. Bleibende Eindrücke hinterliessen aber eher Laurie Anderson und der Berner Autor Michael Fehr.
Julia Stephanjulirzeitung.ch
Etwas zu sehr nur Monolog? PJ Harvey im Krienser Südpol. (Bild: Franca Pedrazzetti (Kriens, 22. Oktober 2016))

Etwas zu sehr nur Monolog? PJ Harvey im Krienser Südpol. (Bild: Franca Pedrazzetti (Kriens, 22. Oktober 2016))

Julia Stephan

Sänger sind Dichter. Denn was sonst ist Dichtung im Ursprung, wenn nicht Gesang? Beim Spoken-Word-Festival Woerdz weiss man um diese Definition nicht erst seit Bob Dylans Ritterschlag zum Literaturnobelpreisträger, wie Literaturjournalist Beat Mazenauer in seiner stilsicheren und klugen Anmoderation im Krienser Südpol verkündete. Kein Wunder, steht etwa der ebenfalls für den Nobelpreis gehandelte Leonard Cohen bei den Festivalmachern schon länger auf der Wunschliste.

Diese Biennale der Bühnenliteratur hatte von Anfang an ein offenes Ohr für all jene Künstler, die zwischen Literatur und Musik keinen kategorischen Schlagbaum runterlassen, sondern hüben wie drüben ausdrucksstark sind. 2014 beehrte US-Rocklegende und Lyrikerin Patti Smith Luzern. Dieses Jahr standen ihre Landsfrau Laurie Anderson, die britische Musikerin PJ Harvey oder der Berner Autor Michael Fehr für diesen Künstlerschlag.

Märtyrertod im Fernsehsessel

Gelungen sind dem Festivalteam Abende, denen man die kluge Kuratierung anhörte. Störend war nur die Veranstaltungslänge. Trotz organisatorischer Anpassungen wirkten die Abende immer noch überfrachtet. Die als Rattenschwanz den Hauptacts nachgelagerten, vom Woerdz in Auftrag gegebenen Werkaufträge («Die fünfte Landessprache») hätten mehr Aufmerksamkeit verdient.

Trotz verschiedener Formate wie etwa Slam-Poetry-Slapstick, Stand-Comedy, Kabarett, Konzert, klassische Lesung oder Multimedia-Show stellten sich spannende Querbezüge ein. So stand der Donnerstagabend mit zwei Mitgliedern der Autorengruppe «Bern ist überall» (Gerhard Meister, Guy Krneta) und Stargast Laurie Anderson (wir berichteten in der Ausgabe vom Samstag) im Zeichen der philosophischen Sprachreflexion. Gerhard Meisters Charaktere stehen an einer Verkehrskreuzung, ohne zu merken, dass ihre Existenz nichts ist als ein einminütiger Loop, der sie für ewig an die Kreuzung festnagelt, oder sterben den Jesus-Märtyrertod unfreiwillig im Fernsehsessel. Im Gedicht «Kleines Museum der wenig bedichteten Dinge» aus dem Band «Eine Lichtsekunde über meinem Kopf» besingt Meister Dinge, an der die Lyrik normalerweise vorbeidichtet: Anstelle des erotisch besetzten Ohrs setzt er das Ohrloch, anstelle der Eigernordwand die Eigersüdwand.

Die Kunst des Nichterzählens

Auf die Spitze mit metasprachlichen Spielereien trieb es Guy Krneta. Der Berner erzählte von der Kunst des Nichterzählens. Programmfüllend. Und die Baslerin Patti Basler, die als Slam- Poetin mit ihrer derben, sich selbst nie schonenden Direktheit schon manchen Slam gewann, führte mit dem Pianisten Philippe Kuhn durch ein Kabarett, das dank der Kakofonie der 26 Schwei­zer Schulsysteme eine vergnüglich-schräge Note bekam. Baslers Lieblingssubjekt: eine Lehrerin – «ein Berg von einer Frau» – der sie unter Verwendung bekannter Bergnamen erotische Gebirgsöffnungen andichtete. Da paarte sich bitterböser Humor mit Sinn für Poesie. Eine Stimme mit Zukunft, gegen die das Spoken-Word-Kollektiv «Die Eltern», ein Zusammenschluss von Mamas und Papas gewordenen Slam-Poeten, am Samstagabend nicht mithalten konnte. Zu sehr schielten witzige Anekdoten aus dem Erziehungsalltag auf den Effekt.

In der konventionellsten Lesung des Festivals las am Samstagabend Bestsellerautor Tim Krohn («Aus dem Leben einer Matratze bester Machart»). Sitzend und ohne Showeinlagen trug er eine Passage aus seinem unveröffentlichten Roman «Zum Paradies» vor, in dem Adam dem Schöpfer die Sprachhoheit entreisst. Geistreich.

Ebenfalls konventionell, doch unter den Erwartungen, blieb der Auftritt des britischen Musikstars PJ Harvey. Zwischen 2011 und 2014 hatte sie mit dem Fotografen Seamus Murphy die Kriegszonen Kosovo und Afghanistan sowie die Kriegsschaltstelle Washington bereist. In Kriens las sie aus dem Gedichtband «The Hollow Of The Hand». Darin beobachtet die Künstlerin Kosovarinnen in verlassenen Strassen und afghanische Jungen, die sie um Dollars bitten. Statt mit den Ländern in einen Dialog zu treten, bleibt es beim Monolog. Sieht so eine Auseinandersetzung aus?

Michael Fehr überzeugte einmal mehr

Am meisten beeindruckt haben die Eigenwilligen. Die am Donnerstag mit einer Multimediashow auftretende Laurie Anderson ebenso wie der Berner Autor und Sänger Michael Fehr. Wie schon an den Stanser Musiktagen nutzte der Präzisionskünstler, begleitet vom Luzerner Gitarristen Manuel Troller, mit seiner Reibeisenstimme die vielen Ahs und Ohs des Blues für seine lyrischen Sprachspiele. Hier bekommt Sprache eine eigene Stimme.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.