Wohin geht der Weg der Frauen?

Im Kunstpavillon widmen sich sechs Künstlerinnen dem Thema Frau. Inklusive Tabubruch, Kitsch und Selbstreflexion.

Susanne Holz
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Wie ist es, eine Künstlerin zu sein? Knapp 30 Jahre nach dem ersten Frauenstreik in der Schweiz? Wie geht es den Frauen heute – in sexueller Hinsicht, gesellschaftlicher Hinsicht, politischer Hinsicht? Mit genau solchen Fragen befasst sich die Ausstellung «Positionen zeitgenössischer Künstlerinnen», die derzeit im Kunstpavillon an der Sälistrasse gezeigt wird. Kuratiert wird die Ausstellung sowohl von den von vier Frauen geführten Kunsträumen o.T. Raum für aktuelle Kunst als auch von PTTH:// (früher Pavillon Tribschenhorn).

Sarah Mühlebach, Kuratorin von PTTH://, erzählt: «Als wir die Ausstellung zu planen begannen, realisierten wir noch gar nicht, dass wieder ein Frauenstreik kommt.» Umso aktueller sind die «Positionen zeitgenössischer Künstlerinnen» nun aber. Beispielsweise möchten die Kuratorinnen wissen: «Was zeichnet heute das Schaffen von Künstlerinnen aus, die sich mit ihrer Rolle als Frau in der Gesellschaft und im zeitgenössischen Kunstbetrieb befassen?»

Sarah Mühlebachs Antwort lautet: «Es ist ein bewusstes Schaffen in einem Feld, das lange vom männlichen Blick dominiert war. Lange Zeit wurden Frauen nur als Sujet auf Bildern berücksichtigt, nicht aber als Künstlerinnen anerkannt.»

Die Kuratorin freut sich schon sehr auf den Talk zur Finissage am 21. September, zusammen mit den Künstlerinnen und Gästen. Zur Debatte steht, was heute noch spürbar ist von den feministischen Bewegungen früherer Jahre, und was gar wieder hoch aktuell ist.

«Was nicht perfekt ist, wird gefiltert»

Und welche Fragen zum Frausein greifen die sechs Künstlerinnen – zwei von ihnen übrigens aus Luzern – im Alter zwischen 25 und 69 Jahren auf? Mühlebach: «Ein grosses Thema ist der weibliche Körper, seine Darstellung und seine Zensur in den sozialen Medien. Frauen verspüren die Erwartung, einem bestimmten Schönheitsideal zu entsprechen. Was nicht ­perfekt ist, wird gefiltert.»

Auf diesen Perfektionswahn macht die Luzernerin Maura Wittmer aufmerksam. Eigens für die Ausstellung entwickelte sie die Arbeit «LIKE», in der sie sich fotografisch und installativ mit ihrer eigenen Haut als Statement gegen gesellschaftliche Normen beschäftigt. Auch aus Luzern ist Shannon Zwicker: Interessiert an Körperlichkeit, zeigt die Malerin Grossformatiges, das die Grenzen zwischen Kitsch, Abstraktion und Figuration auslotet.

Muda Mathis und Sus Zwick wiederum, beide aus Basel, machen in ihrer 2-Kanal-Videoinstallation «Olga und Olga und die koreanische Grossmutter» eine Reise nach Sachalin und in die Vergangenheit zweier Emigrantinnen aus der Sowjetunion. Fotografisch nähert sich Anna-Tia Buss (Lausanne) dem Thema Frau. Ihre Art, das Gefühl von Weiblichkeit in unserer Gesellschaft zu hinterfragen, brachte ihr 2018 eine Nomination für den Prix Photoforum ein. Und nicht zuletzt fasziniert die Zürcherin Alina Kopytsa mit ihren textil-basierten Arbeiten, die sich mit Tabubrüchen, Vergnügen und Spass beschäftigen – mit der Sexualität der Frau.

Hinweis

«Positionen zeitgenössischer Künstlerinnen» von o.T. Raum für aktuelle Kunst und PTTH://. Im Kunstpavillon, Sälistrasse 24, Luzern. Bis 21. September, geöffnet Do/Fr 16–19 Uhr; Sa 14–17 Uhr. Finissage und Talk am 21. September um 16 Uhr.