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Ausstellung von Rochus Lussi:
Wolf als Sinnbild für den Menschen

Wehrhaft und doch äusserst sensibel geht der Nidwaldner Künstler Rochus Lussi auf die eigenwilligen Räume der Sarner Galerie Hofmatt ein. Geschichten aus dem Panoramabild erfindet er neu: Ereignis um Ereignis.
Romano Cuonz
Rochus Lussi und die Wölfe. Obwohl sie sehr real wirken, geht es dem Künstler nicht um die reine Abbildung. (Bild: Romano Cuonz, Hofmatt Galerie Sarnen, 13. März 2019)

Rochus Lussi und die Wölfe. Obwohl sie sehr real wirken, geht es dem Künstler nicht um die reine Abbildung. (Bild: Romano Cuonz, Hofmatt Galerie Sarnen, 13. März 2019)

Im engen Panoramaraum der Sarner Galerie Hofmatt könnte einem angst und bange werden: Plötzlich sieht man sich drei lebensgrossen Wölfen mit haarklein gearbeiteten Fellen gegenüber. Dahinter – wie ein Dompteur – steht der 54-jährige Stanser Bildhauer Rochus Lussi. Er lächelt, wenn er sagt: «Oft rühmen mich die Leute, dass man bei meinen Werken wenigstens noch wisse, was es sei!»

Doch da würden sie sich täuschen. Eigentlich bilde er gar nicht Wölfe ab. Vielmehr gehe es ihm darum, diesen aus rohen Holzklötzen gearbeiteten Tieren neue Formen und Inhalte zu geben. Ein globales Gesicht gar. Wie er schon im Titel zur Ausstellung verrate, reagiere er dabei mit Ereignissen auf die Räume im alten Haus mit dem grossen Charakter. Konkret: Mit den Wölfen lässt sich Lussi auf die im 17. Jahrhundert entstandene Wandmalerei im Panoramazimmer ein.

Heiligenschein wird zur Waffe

Ein unbekannter Künstler hat dort auch eine Wolfsjagd in Szene gesetzt. Neben dem heiligen Bruder Klaus! Lussi transformiert nun die Ereignisse. Gibt dem Regionalen im Panoramabild ein globales Gesicht. Der Wolf könne, so Lussi, für den Menschen stehen. Für seine Wehrhaftigkeit und für seine Kriege.

Ins Auge stechen auch golden glänzende Objekte, die hinter dem Wolfsrudel in der Ecke des Raumes stehen. «Das sind einzelne Strahlen, die ich Darstellungen von Heiligenscheinen – sogenannten Nimben aus Gotik und Renaissance – entnommen und auf meine Art bearbeitet habe», erklärt Lussi. In der Tat: Durch die Abtrennung und Vergrösserung erhalten die Nimben eine neue Bedeutung. Mit einem Mal werden sie zu Waffen, Speeren, wie sie auch beim Ereignis «Wolfsjagd» zu sehen sind. «Ich vergolde die Nimben und löse sie aus der Kirchengeschichte heraus, setze sie in heutige Geschichten,» sagt Lussi. Ein Heiligenschein, der zur Waffe wird? Die Kirche, welche die Welt und die Menschen immer auch bedroht hat?

Wehrhaftigkeit und Verletzlichkeit

Ein zentrales Motiv in der gesamten Gegenwartsarbeit des Nidwaldner Bildhauers ist die dünne Haut mit ihrer Verletzlichkeit, Empfindsamkeit und dennoch auch Wehrhaftigkeit. Rochus Lussi führt uns in den Galerieraum. Ausgangspunkt für die dortigen fünf Objekte bildet die Elefantenhaut. «Ist der Elefant dickhäutig oder eher dünnhäutig?», fragt sich der Künstler, wenn er die Strukturen dieser Haut erarbeitet. In Reliefs, mit Kettensäge und Trennscheibe, mit Pinsel und Farbe, aus rohem Holz heraus. Fast naturgetreu.

Auch wenn er noch nie einen Elefanten berührt oder in freier Wildbahn gesehen habe, interessiere und beschäftige ihn die Hierarchie und Zärtlichkeit dieser Tiere. Ihr Spüren und Tasten. ­Genau wie die Elefantenhäute nimmt er auch Tierhörner aus ihrer eigenen Geschichte heraus. In Holz fertigt er sie an und hängt sie an den Wänden des Galerieganges auf. Bedrohlich wirken sie. Als Symbol für Wehrhaftigkeit. Doch diese bringe im Gegenzug immer auch Verletzbarkeit mit sich. «Wir sind in einem ständigen Spannungsfeld Täter und Opfer zugleich», kommentiert Lussi.

Verblüfft dürften die Besucher der Hofmatt auf die Installationen in den Kellerräumen reagieren. Im feuchten Seitengang quellen aus Nischen heraus Faltenwürfe von Bettdecken und Kopfkissen. Minutiös aus Holz gearbeitet, schön, visuell und mit der typischen Leichtigkeit von Daunendecken. Doch so etwas gehört doch nicht hierher. «Auch da treibe ich meine Spiele», sagt Rochus Lussi. Auch da gehe es ihm um Schutz und Wärme. «Decken und Kissen sind Speicher der Nacht, die Träume und Intimitäten bewahren und Ereignisse transferieren.»

Boot steht wie in einem trockenen Bachbett

Geradezu poetisch schön ist die Installation im grossen Gewölbekeller. «Keine Galerie der Welt hat einen derart natürlichen Steinboden, den man mit grossen, kräftigen Objekten bespielen kann», sagt Lussi. Für sein Spiel nimmt er nochmals eine Szene aus dem alten Panoramabild auf: das Boot mit den Fischern. Lussi hat es aus einem runden Stamm angefertigt, mit der Kettensäge herausgeschnitten und mit dem Beil geformt. Wie in einem trockenen Bachbett steht es im Keller. Etwas verloren, gesäumt – wie beiläufig – von weiteren, gefährlich golden glitzernden, aus Heiligenscheinen entfernten Waffen. Rochus Lussi, der als Holzbildhauer längst eine Bedeutung über den Innerschweizer Raum hinaus hat, setzt bei seiner zweiten Ausstellung in den Räumen der Hofmatt anschauliche wie symbolisch hintergründige Zeichen.

Rochus Luss: «Ereignisse» in der Galerie Hofmatt, Sarnen. 16. März bis 14. April. Vernissage: 16. März, 17 Uhr. Werke von Rochus Lussi sind bis zum 19. April auch in einer Doppelausstellung in der Peterskapelle und in der Citykirche Matthäus Luzern zu sehen.

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