Wolhusen: Das einzige Festival mit Schönwettergarantie

Alle Festivals wollen «etwas Besonderes» bieten, meistens misslingt es. Beim Winterfestival Wolhusen ist schon die Location sehr besonders.

Michael Graber
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Headliner am Samstagabend: Manillio. (Bild: Mirjam Kluka)

Headliner am Samstagabend: Manillio. (Bild: Mirjam Kluka)

Draussen klopft langsam, aber sicher der Frühling an die Scheibe, drinnen ist es längst Sommer. Ein tropischer Sommer. Wir sitzen im Tropenhaus in Wolhusen, zwischen Sträuchern, Bananenbäumen und anderen Stauden und Pflanzen, im Hintergrund macht sich das Gastro-Team bereit für den Abendservice. Das Glashaus oberhalb von Wolhusen ist längst nicht nur eine beliebte Adresse für Schul-Exkursionen, sondern auch für gemütliche Nachtessen in einem etwas anderen Ambiente.

Und eben auch Konzertlokal. Zumindest manchmal. Besonders am Winterfestival. An einem Wochenende werden die Temperaturen nicht nur via Heizung hochgeschraubt, sondern auch mit heisser Musik. Dieses Jahr kommen unter anderem die Hochkaräter Manillio und Philipp Fankhauser an das Festival.

«Bremse oder Vollgas»

Mir gegenüber sitzen noch mehr oder weniger tiefenentspannt Iris Schwarzentruber und Dominik Unternährer. Schwarzentruber ist Präsidentin des Kulturvereins Comebäck, und Unternährer ist dort zuständig für die Kommunikation. Der Verein organisiert das Festival mittlerweile zum 21. Mal – zum 2. Mal im Tropenhaus. «Vor zwei Jahren steckten wir etwas im Loch», gibt Schwarzentruber zu. Ein Besucherrückgang und sonstige Unzufriedenheiten schlugen aufs Gemüt. «Entweder machen wir etwas Neues, oder wir hören auf», sei damals das Motto gewesen, so Unternährer. «Bremse oder Vollgas», nennt es Schwarzentruber. Es wurde «Vollgas». Vom Saal des «Rösslis» im Dorf zog das Festival eben in das Tropenhaus um. Beide Tage waren ausverkauft. Die Energie kehrte zurück.

«Es war ein Glücksfall für alle Beteiligten», sagt Unternährer. Die Anfrage beim Tropenhaus sei just zu dem Zeitpunkt gekommen, als sich das Haus kulturell öffnen wollte. Mittlerweile finden dort immer wieder Konzerte statt, das Winterfestival bleibt aber die einzige Fremdveranstaltung im Konzertbereich. Bald steht unter anderem Bombino ebenfalls im Tropenhaus auf der Bühne. Der Künstler, der unter anderem schon am B-Sides und am Blue Balls aufgetreten ist, spielt dort passend zur Themenausstellung «Afrika».

Auf schmalen Wegen

Für das Winterfestival werden eigens eine Bühne und aufwendiges Ton- und Lichtmaterial hochgefahren. Die Hauptbühne ist im Essbereich, eine zweite befindet sich im Kino des Tropenhauses. Zwischen diesen Bühnen kann man frei wechseln und läuft dabei auf schmalen Wegen durch all die exotischen Pflanzen und Stauden. Es duftet anders, und man wähnt sich zumindest ein bisschen in einer anderen Welt. Mittlerweile behauptet ja beinahe jedes beliebige Festival, man wolle «einfach ein spezielles Erlebnis» bieten, meistens bleibt es dann allerdings einfach bei der werbewirksamen Floskel. Das Winterfestival kann dieses Versprechen aber ziemlich sicher einhalten.

Schwarzentruber und Unternährer sind sichtlich und hörbar stolz auf ihr Festival. Der Vorverkauf läuft gut. Sie sind guter Dinge, da man am Schluss wieder zwei ausverkaufte Tage hat. Dazu trägt sicherlich auch der Charme des Tropenhauses bei. «Wir müssen und möchten auch Leute ausserhalb von Wol­husen anlocken. Das ist mit dieser Location sicherlich einfacher», sagt Schwarzentruber. Zwar ist das Fassungsvermögen etwas kleiner als früher im «Rössli»-Saal, aber es bewegt sich mit rund 450 Plätzen immer noch im guten Schweizer Durchschnitt – für das Konzert von Philipp Fankhauser wird der Raum bestuhlt.

Neben allerlei Kulturinteressierten ist das Winterfestival auch vielen ehemaligen Wolhusern Anlass, ins Dorf zurückzukommen. Schwarzentruber und Unternährer sind in Wolhusen aufgewachsen, haben ihre Zelte mittlerweile in der Stadt aufgeschlagen. Damit sind sie im Verein eher die Regel als die Ausnahme. Statt zwei Strassen zu Fuss, kommen manche mit dem Zug an die Sitzungen.

Moderate Preise

«Wir wollen unbedingt etwas für Wolhusen machen», sagt Schwarzentruber. Zwar habe es auch schon Überlegungen gegeben, das Winterfestival in einer anderen Gemeinde, oder gar in der Stadt, durchzuführen, diese seien aber schnell zerschlagen worden. «Das Winterfestival gehört einfach zu Wolhusen», so Unternährer.

Durch die Vernetzung in der Gemeinde sei es auch einfacher, Sponsoren und Gönner zu finden. Das macht es wiederum leichter, faire Ticketpreise zu ermöglichen. 80 Franken für beide Tage und 38 (Samstag) beziehungsweise 47 Franken (Sonntag) sind für ein Festival heutzutage äusserst moderat. Zumal man das tropische Klima noch gratis dazukriegt. Das Catering macht übrigens das Team vom Tropenhaus gleich selber. Auch da darf man sich also auf einige exotische Spezialitäten für den Gaumen freuen, und neben Bier und Süssgetränken hat es natürlich auch viele Cocktails auf der Karte.

Aber ist denn ein Festival in einem Tropenhaus überhaupt noch ein Winterfestival? Unternährer und Schwarzentruber lachen. Es sei ja auch längst nicht an allen Sommerfestivals wirklich immer Sommerwetter. Und spätestens wenn man die Türen nach draussen wieder öffne, sei man zurück im Winter. «Für uns war immer das Datum wichtiger als die Jahreszeit», sagt Schwarzentruber.

Vorher dominiert Fasnacht

Es sei heute schwierig, ein Datum zu finden. Vorher dominiert die Fasnacht die Agenden, nachher beginnt bald der Reigen an Festivals. Daher wird das Winterfestival auch künftig Winterfestival heissen – trotz über zwanzig Grad.

Es ist vielleicht auch das einzige Festival in der ganzen Schweiz mit einer Schönwettergarantie. Darauf kann man ruhig einen Caipirinha trinken. Oder vielleicht auch gleich zwei.

Lässt den Sonntag gemütlich ausklingen: Philipp Fankhauser.

Lässt den Sonntag gemütlich ausklingen: Philipp Fankhauser.