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Wollt ihr mich veräppeln?

Die Kulturredaktorin Julia Stephan über eine unerwartete Erleuchtung im Restaurant.
Julia Stephan
Julia Stephan, Kulturredaktorin (Bild: Nadia Schärli/LZ)

Julia Stephan, Kulturredaktorin (Bild: Nadia Schärli/LZ)

Neulich in einem Luzerner Restaurant. Ein älteres Ehepaar setzt sich gegenüber und debattiert auf der Einbahnstrasse: Der Mann spricht, die Frau schweigt. Der einordnende und in seiner Argumentationslinie einigermassen abenteuerliche Kommentar des Rentners zum Syrien-Konflikt hallt durch den Raum. Ich blicke in das versteinerte Gesicht der Frau und sehe: Sie ist beschämt.

Doch ihr kommunikativer Gatte ist noch nicht fertig, verbeisst sich zwischen Süsskartoffel und Spargel gleich ins nächste Thema, als sein Blick auf den Nachbartisch fällt, wo eine Studentin ihr MacBook aufgeschlagen hat.

«Weisst du was, Iris? In Zürich, da hat’s so einen riesigen lichtdurchfluteten Raum mit ganz vielen solcher Äppels», ruft er begeistert in einem Dialekt, mit dem seine Herkunft zweifelsfrei in der Region Mostindien lokalisiert werden kann.

Da legt sich die Stirn der Frau in tiefe Falten. Offensichtlich hat sie entschieden, nicht mehr länger in den sauren Apfel zu beissen und sich die Reden ihres Mannes widerspruchslos anzuhören. «Das heisst Appel, nicht Äppel», zischt sie durch die Zähne. Ihr Gatte verschlimmbessert sich lauthals und auf der Stelle. «Ja, genau, Iris. Lauter Appels hats da, ganz viele Appels.»

Erst nach diesem Erlebnis ist mir die Bedeutung des Verbes «veräppeln» so richtig aufgegangen: Jemandem eine Lüge plausibel zu erzählen, ist eine Kunst, die man am besten beherrscht, wenn man selber an sie glaubt.

Julia Stephan

julia.stephan@luzernerzeitung.ch

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