Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

WORLD BAND FESTIVAL: Am Ende kam das Friedensversprechen

Mit dem «Tattoo on Stage» war Zapfenstreich – nach 13 Anlässen in neun Tagen. Die Zuhörer erlebten ein Finale mit einigen Längen, aber auch viel Tempo und grossem Gefühl.
Susanne Holz
Das imposante Finale beim «Tattoo on Stage» im KKL Luzern brachte richtig viel Personal auf die Bühne. (Bild: Philipp Schmidli)

Das imposante Finale beim «Tattoo on Stage» im KKL Luzern brachte richtig viel Personal auf die Bühne. (Bild: Philipp Schmidli)

Man sagt den Schweizern gerne eine gewisse Langsamkeit nach. Doch beim diesjährigen «Tattoo on Stage» als Finale des 18. World Band Festival waren es allerdings vor allem die einheimischen Formationen, die für Tempo sorgten. So das erst diesen Juli in Aarau in Dienst getretene Rekrutenspiel 16-2/2016, das Stone Mountain Hill Drum Corps aus Schwyz oder nicht zuletzt die Lucerne Marching Band. Letztere verscheuchte einige trübe Gedanken, die beim einen oder anderen womöglich aufgekommen waren angesichts der Häufung militärischer Klänge.

Beinahe ausverkauft war der Konzertsaal des KKL am Samstagabend. Kein Wunder, traf man im Eingangsbereich einen bestens gelaunten Werner Obrecht an. Der Festivaldirektor war sich zu diesem Zeitpunkt fast sicher, nach den 13 Anlässen in neun Tagen auf knapp 21 000 Besucher zu kommen und die Zielsetzung damit zu erreichen. Obrechts persönliche Glanzlichter des Festivals waren der «Live!»-Event auf dem Europaplatz zum Festivalbeginn. Dann der Auftritt des Ten­thing Brass Ensemble aus Norwegen am letzten Mittwoch: «Die Damen aus Skandinavien waren übrigens zum ersten Mal in der Schweiz», sagte er stolz.

Lichter sorgen für Romantik

Und nun das Finale. Nicht wenige Konzertbesucher – darunter viele junge Leute – finden sich in der Pause an den grossen Fensterfronten des Konzerthauses ein und geniessen die träumerische Sicht auf bunte Jahrmarktlichter. Die Romantik kommt angesichts verdichteter Militärmusik im ersten Teil des Konzerts vielleicht etwas zu kurz. Obwohl: Die Lichteffekte im Konzertsaal sind schlicht schön. Der Auftakt mit «Amazing Grace» und der Stockbridge Pipe Band aus Schottland verspricht prickelnde Wehmut – löst dieses Versprechen angesichts seiner Kürze und nur dreier Spieler im Fokus allerdings nicht ganz ein. Ein Blickfang ist die Royal Marine Band aus England. Weisse Helme und Trommler wie Zinnsoldaten. Lila Licht auf rot-schwarze Uniformen. Strenge Rhythmik, die beeindruckt, sich aber etwas in die Länge zieht. Umso flotter wirkt das Schweizer Rekrutenspiel 16-2/2016. Die Männer sorgen für Dynamik – auch mit ihren Beinen. Und mit einer Schauspieleinlage. Einer Trompete, die sich hochschraubt. Einer Percussion mit Power.

Der grosse Applaus des Publikums ist verdient – genauso wie der für das Stone Mountain Hill Drum Corps aus Schwyz. Diese Formation gründet auf einer Fasnachtsidee und hat die Rhythmik in den Trommelstöcken. Das Corps agiert virtuos – auch in einer Performance, in der jeder einzelne Musiker immer wieder wie in Sekundenstarre verharrt.

Vielseitig ist die niederländische Showband Juliana: mit Wagner, Parademärschen, Beyoncé und Amy Winehouse. Doch der Funke springt nicht ganz über – wohl auch wegen einer ungelenken tänzerischen Darbietung. Dafür begeistert die Lucerne Marching Band. Die Paradeformation der über 100-jährigen Feldmusik Luzern steigt ein mit dem gewichtigen «Conquest of Paradise». Es folgen diverse Hits aus mehreren Jahrzehnten. Die Luzerner hopsen und sitzen und spielen – aber immer mit Schwung.

Martialische Klänge nach der schottischen Grazilität

Kurz vor dem Auftritt der mit Spannung erwarteten Suworow- Kadetten aus Moskau gibt es noch eine bezaubernde Überraschung aus Edinburgh: der Auftritt der Stockbridge Pipe Band. Fünf Tänzerinnen in Schottenrock und Karostrümpfen tanzen auf Zehenspitzen. Sie tun das so grazil und anmutig zu «Scotland the Brave» oder der «Traditional Scottish Suit», dass es einem ganz leicht ums Herz wird. Mag sein, dass es der Kontrast zu dieser Leichtigkeit ist, der die plötzlich einsetzenden Trommelwirbel der russischen Kadetten einfach nur kämpferisch wirken lässt. Ein Aleppo-Moment, der aus der Bahn werfen kann.

Beim Finale aller Formationen ertönt die 1982 komponierte Dudelsackmelodie «Highland Cathedral». Sie klingt wie ein ganz grosses Friedensversprechen. Grosser Klang, der davonträgt und erlöst. Alles wird gut.

Susanne Holzkultur@luzernerzeitung.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.