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WORLD BAND FESTIVAL: Christoph Walter Orchestra – Schnee im September

Das Christoph Walter Orchestra bot klassisches Entertainment – fast wie gehabt. Nur das Orchester war etwas kleiner und der Bandleader etwas schweigsamer als auch schon.
Susanne Holz
Christoph Walter und der Wilde Westen. Die Entertainment-Gala gab sich weltgewandt und farbenfroh. (Bild: Roger Grütter)

Christoph Walter und der Wilde Westen. Die Entertainment-Gala gab sich weltgewandt und farbenfroh. (Bild: Roger Grütter)

Was ist Entertainment? Band­leader, Komponist und Arrangeur Christoph Walter stellte sich diese Frage am Dienstagabend im KKL. Um der zahlreich erschienenen Zuhörerschaft selbstverständlich sogleich zu präsentieren, was gute und leichte Unterhaltung ausmacht: Er lässt sein Orchester das gleiche Stück «ohne Show» und sodann «mit Show» spielen. «Merken Sie den Unterschied?» Der Entertainer grinst, das Orchester durfte seine Muskeln zeigen.

Die Stimmung ist gut an der traditionellen «Entertainment-Gala» des Christoph Walter ­Orchestra im Rahmen des World Band Festival Luzern. Auch wenn der Einstieg etwas betulich war: Ein Alphorn bläst sich durch den Saal, während romantische Bildeffekte das Orchester in Szene setzen und der Bandleader dem Publikum etwas von Sonnenstrahlen am Morgen erzählt. Macht nichts: «Er schwätzt weniger als letztes Jahr», meint in der Pause ein Zuhörer und lacht. «Das ist super.» Gut findet der treue Fan auch das: «Er hat sein Orchester verkleinert – was es aber agiler macht.»

Tänzelnde Leidenschaft: Ein Orchester stellt sich vor

Das Orchester: Es meldet sich der Reihe nach an und zeigt die Qualitäten, für die sein Name steht. Auf Piano, Cello und Gitarre folgen Saxofon, Posaune und Trompete. Nicht lange auf sich warten lässt natürlich auch Stammsolistin Nelly Patty. Ihren Einstieg gibt sie mit Freddy Quinn und «Schön war die Zeit». Passend zum Goldkleid der Solistin flattern goldene Grafikelemente den Bühnen­hintergrund entlang: Auch das ist Entertainment. Patty macht der «Magnifique Salle» ein Kompliment, erweist Edith Piaf ihre Reverenz und präsentiert einen eigenen Song vom ersten Solo-­Album (November 2015). Christoph Walter lässt seine Finger auf den Tasten tänzeln, und die Bläser sorgen für die nötige Leidenschaft.

Das ist erwartbar und vielleicht auch ein bisschen glatt, aber es ist – Unterhaltung. Und während man gerade noch das Quäntchen Tiefe bei Nelly Patty vermisst, freut man sich schon wieder über das originell-virtuose Spiel des Flötisten Amin Mokdad. Dieser hat beständig Spass daran, sein rechtes Knie in Richtung Flöte zu ziehen. Aber nur so weit, dass es nach Tanz aussieht und nicht nach körperlicher Ertüchtigung.

Und dann fängt es plötzlich an zu schneien. Womöglich hat es jemand zu gut gemeint bei der Gestaltung der Visuals. Dass Special Guest Jesse Ritch keine ­Hemmungen bei Mani Matters «Hemmige» zeigt, freut das ­Publikum.

Schlagzeug mit sommer­lichem Temperament

Auch das Duett mit Nelly Patty dürfte gut angekommen sein: «Mängisch bini truurig». Was ­einen aber wirklich traurig stimmen kann, ist der Schnee, der nun die Musiker kontrastiert. Schnee im September. Würde jetzt nicht das Schlagzeug rebellieren und etwas sommerliches Temperament auf die Bühne bringen, wäre man versucht, die Garderobiere nach einer Winterjacke zu bitten und gesenkten Kopfes von dannen zu ziehen. So weit kommts dann aber doch nicht: Die Percussion treibt gekonnt den Winter aus, und auch die Streicher elektrisieren.

In den angeregten Pausen­gesprächen wird anschliessend die «Brillanz der Solisten» gelobt, «das Tempo, die Rasse, die Vielseitigkeit». Aber auch von «seichten Klassikern» ist die Rede. Nun definiert das Publikum, was alles in den Begriff Entertainment passt.

Mit Sicherheit auch das Saxofonsolo, das als Intro in den zweiten Teil des Abends leitet. Auftritt Fabian Capaldi. Mit dem Billy-Joel-Klassiker «New York State Of Mind». Süsse Melancholie verpackt in klare Töne – welch heller Moment, ganz ohne Schnee. Und mit Bravorufen verdankt.

Duellieren mit Temperament und Drama

Natürlich gehört zum Entertainment dieses Abends auch, dass Christoph Walter am Piano vom Fliegen träumt, mit seiner Komposition «Flyin’ to the Skies». Und dass sein Orchester dazu abhebt. Es gehört ausserdem dazu, dass Nelly Patty ihr Décolleté zeigt und zwischendurch Cha-Cha-Cha tanzt. Dass sich zwei Trompeten duellieren. Und dass die neue CD von Jesse Ritch angepriesen wird.

Nicht aussergewöhnlich, aber schön ist der Rausschmeisser des Abends: Mit John Miles und «Music» dürfen alle Musiker noch einmal zeigen, was sie auf dem Kasten haben und was ein «Mit Show» von einem «Ohne Show» unterscheidet: Temperament, Einsatz und Drama. Der Lohn sind verdiente Standing Ovations.

Und der Schnee von heute ist fast schon der Schnee von gestern. Aber nur fast. Die Sache mit den Visuals könnte durchaus noch ein wenig Feintuning vertragen.

Susanne Holzsusanne.holz@luzernerzeitung.ch

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