WORLD BAND FESTIVAL: Evergreens aus der «Jukebox»

Entertainment ohne stilistische Scheuklappen: Das Christoph Walter Orchestra geht im Bewährten dennoch neue Wege.

Urs Mattenberger
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Trotz Glamour familiäre Ambiance: das Christoph Walter Orchestra im KKL-Konzertsaal. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

Trotz Glamour familiäre Ambiance: das Christoph Walter Orchestra im KKL-Konzertsaal. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

Genau so hatten wir das uns in der Erinnerung vorgestellt: Hoch über dem Christoph Walter Orchestra – mit Streichern, Bläsern sowie Rockband – prangt das Riesenrad, das diesem Dienstagabend im KKL einen Hauch von Varieté gibt. Nicht nur sind auf der kreisrunden Leinwand Filmprojektionen zu sehen – die Soli der Orchestermusiker, die warmherzig strahlenden Augen von Gospelsänger Walter Belcher im Duett mit der Sängerin Nelly Patty oder der mit spitzbübischer Freude dirigierende Bandleader Christoph Walter selbst. Nein, auf den Höhepunkten der Show beginnt auch die Lichterkette rund um die Leinwand zu flimmern, taucht die Bühne in Blitzlichter, lässt die Scheinwerfer im Saal kreisen wie im Popkonzert.

Bekannte Rezepte

Das einzigartige Setting verleiht einmal mehr dem Konzertsaal den Glamour, den man von einer «Entertainment Gala» des World Band Festival erwartet. Aber in der Wiederholung des Einzigartigen betont es auch, wie sehr das Festival wie dieser Abend auf die Wiederholung bewährter Rezepte setzt. Das gilt hier auch für das Programm mit Klassikern aus Pop, Jazz, Volksmusik und dem Repertoire der Unterhaltungsorchester der 70er-Jahre, die Walter mit seinem Orchester wieder aufleben lässt. Wir suchen eben auch in der Musik, was wir bestens kennen und was uns einst lieb geworden ist. Walter findet für diese Art von Programmierung eine griffige Formel: Jene von der «Jukebox», auf welcher wir unsere Lieblingstitel immer wieder abrufen können.

Der Vorteil eines solchen Nostalgie-Programms liegt darin, dass man Klassikern live begegnen kann. Und das in einer Ausdrucksintensität, die die Kraft der Originale in eigenen Arrangements mit dem Reiz des Neuartigen verbindet. Möglich macht es die breite Stilpalette, die diese Besetzung erlaubt und pointiert umsetzt, und das hohe musikalische Niveau, das sich auch in den Soli zeigt.

Das führt schon im ersten Teil zu überraschenden Höhepunkten. Dazu gehörten das mit Balkan-Klezmer angeheizte «Hemmige» von Mani Matter, Belchers mit Latin-Perkussion gespicktes «Delilah» oder der Jazz-Standard «Autumn Leaves»: Ihm gab Patty eine original französische Chanson-Note, bevor sie sich später («Simply the Best») zur Rockgöre wandelte.

Schweizer Worldmusic

Die Kehrseite solcher Nostalgie-Programme bleibt auch so die Gefahr des Déjà-vus. Das galt hier für die Wahl der stimmsatten Solisten wie für die etwas redseligen Moderationen durch Walter selbst. Gegen musikalische Déjà-vus allerdings sicherte sich Walter ab mit neuartigen Arrangements, die auch experimentelle Züge trugen. Da wurde der «Schachersepp», von Walter am Akkordeon wehmütig intoniert, druckvoll aufgepeppt. Roger Konrad grummelte raffiniert ins Alphorn, als wäre es ein Didgeridoo, bevor er den «Ranz des Vaches» mit dem vorzüglichen Flötisten Amin Mokdar zu einer World Music mit einem Hauch von «Titanic» überhöhte. Selbst die Streicher durften nicht – blechern verstärkten – Schmelz beisteuern, sondern hatten mit Vivaldi ihr eigenes Solo und rockten in einer «Gymotion»-Nummer auch mal sportlich los.

Auch wenn nicht alle diese Versuche überzeugten, zeigten sie doch, dass das Christoph Walter Orchestra sich nach fünf Jahren nicht nur erfolgreich etabliert hat, sondern neue Wege weg von der Jukebox-Nostalgie geht. Dass das eine schwierige Gratwanderung ist, bewies die von fetzigen Bläsersounds durchfurchte «Steiner Chilbi»: Da galten die spontanen Jauchzer im vollen Saal ganz dem unbändig sprudelnden Laufwerk der Klarinette. So bot der Abend in der Tat, wie Walter meinte, für alle etwas, und das abschliessende «Dankeschön» im Duett der Solisten gab das Publikum mit Standing Ovations begeistert zurück.