WORLD BAND FESTIVAL: Grosse Musik – cool präsentiert

Zum Abschluss gab es wieder ein «Tattoo on Stage». Internationale Brass-Formationen zeigten die vielen Seiten von Militärmusik auf. Und der Festivaldirektor freut sich schon aufs kommende Jahr.

Susanne Holz
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Mit vollem Einsatz: das Orchester der Suworow-Militärakademie Moskau am «Tattoo on Stage» im KKL. (Bild: Philipp Schmidli (30. September 2017))

Mit vollem Einsatz: das Orchester der Suworow-Militärakademie Moskau am «Tattoo on Stage» im KKL. (Bild: Philipp Schmidli (30. September 2017))

Susanne Holz

susanne.holz@luzernerzeitung.ch

Das Finale vorweg: Allein für die Performance der «Highland Cathedral», dieser 1982 von zwei Deutschen komponierten Dudelsackmelodie, lohnt es sich jedes Jahr von neuem, das «Tattoo on Stage» zu besuchen. Wenn alle Blasmusikformationen zusammen die Bühne des KKL betreten und gemeinsam dieses wunderbar ernsthafte Stück Musik wahr werden lassen, dann ist Gänsehaut garantiert. Zuerst nur Dudelsäcke und Pauken, und dann setzen die vielen Bläser ein, ist diese dezent pathetische Melodie immer wieder hinreissend und eine Wucht. Grosse Musik, für die es Samstagabend zum Abschluss des 19. World Band Festival Standing Ovations gab, während langsam die Luftschlangen von der Decke wirbelten.

Standing Ovations gibt es beim diesjährigen «Tattoo on Stage» schon zuvor: So begeistert zeigt sich das Publikum vom Auftritt des Orchesters der Suworow-Militärakademie Moskau, dass es spontan aufsteht und den russischen Musikern für ihre perfekte und humorvolle Performance applaudiert. Seit seiner Gründung 1937 hat dieses Orchester einen exzellenten Ruf zu verteidigen – Samstagabend im KKL ist ihm das sicher gelungen: mit Tempo und Tanzschritten, hellen Querflöten und dynamischen Trommeln.

Eine ganz besondere Zusage für das Festival 2018

«Musik verbindet, that’s it. Egal, aus welchem Land sie kommt», freut sich am Sonntagmorgen auch Werner Obrecht, Direktor des World Band Festival, über die Musiker aus Moskau. Absolut top seien die Kadetten gewesen. Überhaupt freut sich Obrecht über eine gelungene 19. Ausgabe des internationalen Blasmusik-Events: «Die Bilanz ist sehr positiv. Wir hatten extrem gute Konzerte und haben die Zielvorgabe von 20000 Besuchern sogar noch etwas übertroffen. Das freut uns natürlich sehr.»

Sechs von zwölf zu bezahlenden Konzerten seien ausverkauft gewesen, darunter auch das «Tattoo on Stage». «Und bei der Eröffnung, die draussen stattfand und gratis war, durften wir bei bestem Wetter über 2000 Zuhörer begrüssen.» Seine persönlichen Highlights des diesjährigen World Band Festival? «Sicher die Brass-Gala mit der Black Dyke Band aus England und das ‹Tattoo on Stage›.»

Dass dieses Jahr keine Dudelsackspieler aus Grossbritannien beim «Tattoo» ihre Aufwartung machten, sondern «nur» solche aus der Schweiz – ein Wermutstropfen für den Festivaldirektor? «Nein», findet Werner Obrecht, «wir haben nur jedes zweite Jahr Dudelsackformationen aus Schottland da, und dieses Jahr hatten wir mit der Band Of The Royal Air Force College eine musikalisch hochstehende Brass-Formation aus Grossbritannien im Programm.» Man müsse auch ans Budget denken. Zudem stehe die Swiss Midland Pipe Band für tadellose Dudelsackmusik. Der Festivaldirektor ist bester Dinge und freut sich, im Hinblick auf das kommende 20. World Band Festival schon etwas Schönes verraten zu dürfen: «Heute Morgen um ein Uhr habe ich ein Mail aus Neuseeland erhalten – mit der Zusage der New Zealand Army Band für 2018, einer der besten Tattoo-Formationen der Welt.»

Sogar Einlagen mit Stepptanz

Und dieses Jahr? Sind das Zusammenspiel und die einzelnen Auftritte beim «Tattoo on Stage» ebenfalls hochklassig. Nicht nur die Kadetten aus Moskau wissen zu überzeugen, auch die Flora Band Rijnsburg begeistert mit schnellen Stepptanz-Einlagen und einer überraschend flotten Interpretation der eigentlich so ehrfürchtigen «Auld Lang Syne». Mit den Fascinating Drums machen Trommler aus Westberlin hochkonzentriert Druck und lassen die Trommelstöcke tanzen.

Die Lucerne Marching Band unterhält mit Udo-Jürgens-Melodien und «Tagen wie diesen» – das ist immer gut. Die Swiss Midland Pipe Band darf sich über Bravo-Rufe freuen, die Band Of The Royal Airforce College über ein «Wow» ob ihrer jazzigen Töne. Die Showband.CH, 50 Mann stark, fasziniert mit einer sehr einfühlsamen Interpretation von «Against All Odds», während die Tambouren der Militärmusik RS 16-2/17 mit ihrem eigens fürs «Tattoo» geschrie­benen Trommelstück «Final Countdown» glänzen – cool und zu 100 Prozent präsent.