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WORLD BAND FESTIVAL: Klarinetten und Flöten jagen sich

Das Blasorchester Stadtmusik Luzern überraschte mit ungewohnten Klängen und spürbarer Spielfreude in «Wind Orchestra Classics».
Gerda Neunhoeffer
Das Blasorchester der Stadtmusik Luzern unter der Leitung von Hervé Grélat. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 23. September 2017))

Das Blasorchester der Stadtmusik Luzern unter der Leitung von Hervé Grélat. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 23. September 2017))

Gerda Neunhoeffer

kultur@luzernerzeitung.ch

Wer hätte gedacht, dass Cartoons und Comics ganz ohne Zeichnung und Farbe spannend sein können? Dass man durch entsprechend komponierte Effekte allerlei Comicfiguren entstehen lassen kann, die nur durch die Kombination von Klängen und Rhythmen geradezu bildhaft werden? Hören und erleben konnte man das am späten Sonntagnachmittag im Luzerner Saal des KKL. Denn das Blasorchester Stadtmusik Luzern, das im Rahmen des World Band Festival auftrat, bot ein Programm, das mit akustischen Überraschungen gespickt war. Schon in der «Symphonic Overture» von James Barnes (*1949) mit ihren kraftvollen Fanfaren, scharfen Punktierungen und melodiösen Soli zeigte sich das Orchester in spürbarer Spiellaune, die sich in spritzige Staccato-Akkorde und virtuose Unisono-Läufe steigerte.

Im «Concerto For Trumpet» von Henri Tomasi (1901–1971), das zwischen kurzen Trompetenrufen und melancholisch gedämpften Melodien wechselt, begleitete das Orchester den Solisten Niklaus Egg aufmerksam. Nach einer langen Kadenz, die von ständigen Trommelwirbeln begleitet unheimlichen Sog entwickelte, spielte Niklaus Egg leise Klagebögen über der Harfenbegleitung, in die das Tutti sanfte Klänge einstreute. Mit fulminant rasanten Läufen der Solotrompete und vielen Registerwechseln im Orchester endete das Werk und wurde mit viel Beifall be­jubelt. Die Zugabe «Concerto For Trumpet» von Harry James mit Orchester zeigte in diesem höchst virtuosen, kurzen Werk nochmals das hervorragende Zusammenspiel.

Die richtige Portion Witz und Klamauk

Dann wurde man mitten in die Welt von Tom und Jerry, von Donald Duck und vielen anderen Comicfiguren hineingeführt. Dirigent Hervé Grélat entlockte dem Orchester mit seinen stets klaren, ruhigen Bewegungen die unglaublichsten Klänge. «Cartoon» von Paul Hart (*1945) verlangte dem Orchester grosse Flexibilität ab, die hervorragend und mit der richtigen Portion Witz und Klamauk umgesetzt wurde. Da jagten sich Klarinetten und Flöten, da kamen von den Schlagzeugern nicht nur klappernde, wirbelnde oder ächzende Klänge, nein, sie ahmten auch Vogelstimmen nach. Während die Trompeten vor den Posaunen davonzulaufen schienen, kamen von den Tuben und Hörnern tiefe Glissandi; ein überraschender Ton-Gag folgte auf den nächsten, und man merkte den Musikern nicht an, wie schwierig gerade solche ungewöhnlichen Kombinationen sind.

Was Peter Tschaikowsky wohl zu «Extreme Make-Over» von Johan de Meij (*1953) gesagt hätte? Sicher hätte ihm das «Andante cantabile» aus seinem ersten Streichquartett gefallen, das vom Saxofonquartett des Orchesters unglaublich weich und klangschön interpretiert wurde. Langsam schlichen sich in diese klassischen Klänge Irritationen ein, ein Ton klang nach, in diesen fanden sich nach und nach alle Instrumente zu einem grossen Crescendo ein, das sich immer mehr auffächerte und seinen eigenen Nachhall bildete. Dann begannen die Fagotte mit einem anderen Thema von Tschaikowsky, das sich immer mehr ausweitete, bis plötzlich von Klarinetten und Flöten ganz neue Töne erklangen: sie spielten nun auf gestimmten Flaschen, und über diesem Klangteppich zauberte der junge Jonas Elmiger ein fantastisches Solo auf dem Marimbafon, zu dem Xylofon und Bläser langsam dazukamen.

In mehreren sich überschneidenden Taktarten und Themen wanderten die ungewöhnlichen Klangverbindungen vielschichtig durch alle Register des Orchesters und steigerten sich konti­nuierlich zu einem triumphalen Ende. «Non But The Lonely Hearts» von Tschaikowsky war die stimmungsvolle Zugabe nach diesem rundum gelungenen Konzert.

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